Der Eisverlust der Westantarktis verdreifachte sich sogar - Kanzlerin Merkel bleibt dennoch dem am 23. September beginnenden UN-Klimagipfel fern

Auf unserer Facebook-Seite hat die verstärkte Schmelze kaum Diskussionen ausgelöst, aber für mich ist das die Nachricht der Woche, denn sie bedeutet, dass das Schmelzen sehr viel schneller geht als bisher erwartet. Das ist dramatisch und wurde dennoch kaum wahrgenommen. Offensichtlich hat das öffentliche Interesse am Klimawandel nachgelassen. Da Frau Merkel aufgrund des abgenommenen Interesses als "Klimakanzlerin" nicht mehr punkten kann fliegt sie auch nicht zum Sonder-Klimagipfel der Vereinten Nationen der morgen beginnt. Ihr kam es nie besonders darauf an das Klima zu retten, Merkel geht es vielmehr um Wählerstimmen und wenn das Interesse der Wählerinnen und Wähler am Klimaschutz gering ist, dann geht sie eben zum BDI. Vermutlich kennt sie die neuen Fakten auch gar nicht, ebenso wenig wie die meisten Menschen.

Klimakonferenz 2009
Staatschefs beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009, seitdem hat sich das Schmelzen der großen Eisschilde massiv beschleunigt (Foto: Public Domain)

Wenn die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), nun mit Hilfe des ESA-Satelliten CryoSat-2 erstmals flächendeckende Karten der Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis erstellt haben und damit nachweisen können, dass die Eispanzer beider Regionen gegenwärtig in einem Rekordtempo schrumpfen, sollte das eigentlich zu Streiks und Massenprotesten führen, denn noch besteht eine Chance die CO2-Emissionen einzudämmen. Diese Chance schwindet aber mit der Zeit. Darum ist sofortiges Handeln wichtig. Wenn Merkel trotzdem nicht zum Klimagipfel fliegt ist das unentschuldbar, denn eigentlich müsste sie Schaden vom deutschen Volk abwenden, was objektiv wichtiger ist als die Vermehrung ihres Ansehens in der Unternehmerschaft. Damals 2009 - als weniger als die Hälfte der Eismassen wie heutzutage schmolz - produzierte sich Frau Merkel als Klimakanzlerin. Damals gab es aber auch ein starkes öffentliches Interesse.

Aktuell verlieren die Eisschilde pro Jahr rund 500 Kubikkilometer Eis. Diese Menge entspricht einer Eisschicht, die rund 600 Meter dick ist und sich über das gesamte Stadtgebiet Hamburgs erstreckt. Die schnellsten Höhenveränderungen beobachten die Wissenschaftler am westgrönländischen Jakobshavn Isbræ-Gletscher sowie am Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis. Über den Jakobshavn Isbræ wissen Forscher seit Februar 2014, dass er mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 46 Metern am Tag ins Meer fliesst. Der Pine-Island-Gletscher machte u.a. im Juli 2013 Schlagzeilen. Damals berichteten AWI-Forscher, dass ein Tafeleisberg so groß wie die Fläche Hamburgs von seiner Schelfeisspitze abgebrochen war.

Von diesen Fakten unbeeindruckt bringen viele Klimawissenschaftsleugner weiterhin ihren Unsinn unter die Leute. So schrieb in Australien ein Regierungsberater, dass es kälter werden würde. Die oben genannten Tatsachen sprechen eindeutig dagegen, denn wie eigentlich jeder wissen müsste schmilzt Eis um so schneller, je wärmer und nicht je kälter es wird.

Dies macht deutlich, ohne massenhaftes Engagement gegen die Emissionen von Treibhausgasen - und gegen Klimawissenschaftsleugner - werden wir Politiker nicht dazu bewegen wirkungsvolle Maßnahmen gegen den menschengemachen Klimawandel zu ergreifen. Solange einige hundert Unternehmer bei einer BDI-Tagung mehr politisches Gewicht haben als Klimaschützer, solange werden wir jährliche Zunahmen von CO2-Emissionen erleben - und zunehmende Schmelzraten.

Ein Chance zu handeln wäre die Teilnahme an den Menschenketten gegen den Braunkohleabbau die morgen stattfinden! Infos dazu gibt es wenn man auf das Banner klickt:
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