Die #Versauerung und #Erwärmung der Meere ist das zweite große Problem der technischen CO2-Emissionen.

Eigentlich sagt es schon der Name "Kohlensäure". Sie entsteht wenn man CO2 in Wasser löst. Das wissen schon die Schulkinder und dennoch sind die Erkenntnisse darüber, was wir den Ozeanen mit den zunehmenden technikverursachten CO2-Emissionen antun, kaum im Bewusstsein der Menschen verankert. Saures Wasser behindert oder verhindert den Aufbau der kalkbildenden Skelette von Kleinstlebewesen, die am Anfang der marinen Nahrungskette stehen und das Wachstum der Korallen. Dies hat bereits Auswirkungen auf den Fischbestand, die Lebensräume im Meer und die Artenvielfalt. Auch die Erderwärmung betrifft zu etwa 90% die Ozeane, denn sie nehmen den größten Teil der Wärme auf. Wärmeres Wasser kann zudem weniger Sauerstoff speichern. Das ist ein bekanntes physikalisches Gesetz. Im sauerstoffarmen Wasser verbrauchen biologische Abbauprozesse dann oft auch noch den verbliebenen Rest davon, so dass das Gewässer zur Todeszone wird, in dem nur noch Bakterien leben die ohne Sauerstoff auskommen. Eigentlich müssten alleine diese Folgen der CO2-Zunahme in den Meeren schon genügen um engagiert gegen Kohlendioxid-Emissionen zu kämpfen. Über das andere große Problem im Zusammenhang mit den technischen CO2-Emissionen, die Erwärmung der Lufthülle, haben wir schon oft geschrieben. Diesmal geht es aber vor allem um deren Auswirkung auf die Oberflächengewässer der Erde. Die Folgen werden insgesamt viel, viel schwerwiegender sein als die des Plastikmülls in den Meeren, wenn wir nichts dagegen tun.


Titel der Broschüre "Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger." (Layout und Grafik: Hilarie Cutler, IGBP, ©)

Viele Ozean-Wissenschaftler befürchten, dass der Säuregrad des Meerwassers in diesem Jahrhundert um bis zu 170 Prozent ansteigen könnte. Ausgelöst wird die Ozeanversauerung, man kann es gar nicht oft genug sagen, durch die Aufnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre. Über die Luft-Wasser-Grenze wandert das CO2 ins Wasser, ebenso wie andere Gase, z.B. ebenso wie Sauerstoff. Als Folge davon werden sich marine Ökosysteme und die Artenvielfalt so stark verändern, dass mit weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft zu rechnen ist. Menschen, die von Ökosystemleistungen der Ozeane abhängen, sind besonders betroffen. Die Versauerung lässt sich jedoch abmildern, wenn wir die Kohlendioxid-Emissionen weltweit verringern. So lautet die Einschätzung einer Gruppe von 540 Experten aus 37 Ländern. Ihre Erkenntnisse haben sie nun in der Broschüre „Ozeanversauerung: Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ zusammengefasst. Hierin treffen die Wissenschaftler 21 detaillierte Aussagen über die Folgen der Ozeanversauerung und geben Wahrscheinlichkeiten für deren Eintreten an.

Folgenden Erkenntnisse stellt die Zusammenfassung in detaillierter Form dar:

  • Der Ozean versauert gegenwärtig mit einer erdgeschichtlich beispiellos hohen Geschwindigkeit. Neueste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Veränderung schneller vonstatten geht als jemals zuvor während der vergangenen 300 Millionen Jahre.
  • Je saurer der Ozean wird, desto weniger zusätzliches Kohlendioxid kann er aus der Lufthülle aufnehmen, was die Fähigkeit des Ozeans, den Klimawandel abzumildern reduziert.
  • Viele Wasser-Lebewesen zeigen nachteilige Effekte wie eine verminderte Fähigkeit, Schalen und Skelette zu bilden oder zu erhalten. Sie weisen ein eingeschränktes Wachstum sowie eine geringere Überlebensfähigkeit auf. Schon im Larvenstadium ist ihre Entwicklung beeinträchtigt. Dies führt zu teilweise abnehmenden Beständen. In wenigen Jahrzehnten werden große Teile der polaren Ozeane korrosiv für die ungeschützten Schalen kalkbildender mariner Organismen sein.
  • Das Wachstum von Korallenriffen wird in den nächsten Dekaden durch die Versauerung erschwert oder verhindert.
  • Weitreichende Effekte der Ozeanversauerung auf Nahrungsnetze, Artenvielfalt, Aquakultur und damit die menschliche Gesellschaft sind zu erwarten.
  • Die Versauerung könnte dermaßen schnell voranschreiten, dass sich viele Arten oder Populationen nicht durch Evolution anpassen können.
  • Neben der Versauerung gibt es weitere "Stressoren", wie oben bereits teilweise erwähnt, nämlich Wassererwärmung, sinkende Sauerstoffkonzentrationen (Sauerstoffentzug), zunehmende UV-B-Strahlung durch Ozonmangel in der Stratosphäre, Überfischung, Verschmutzung oder Überdüngung. Wechselwirkungen zwischen diesen Stressoren können die negativen Folgen für die Meeresbiologie verstärken. (Ein Beispiel dafür sind die Todeszonen in der Ostsee. Das steht so nicht in dem Bericht, aber auch dort hat die Vielzahl der Veränderungen infolge der CO2- und anderer technischer Emissionen zu einem beträchtlichen Anwachsen der Todeszonen geführt.)

Dies alles hat dann Auswirkungen auf die menschliche Ernährung, da die Nahrungskette in den Meeren verändert wird. Die Fischbestände werden noch stärker dezimiert. Viele Fischer verlieren ihre Lebensgrundlage und die verbleibenden Fänge werden weniger als heute zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung beitragen können. Dazu trägt auch der Verlust tropischer Korallenriffe bei, der nicht nur den Tourismus beeinflusst, sondern auch den Fischreichtum im Meer und den Küstenschutz für einige der ärmsten Völker der Welt. Die Folgen werden insgesamt viel, viel schwerwiegender sein als die des Plastikmülls in den Meeren.

Eine gedruckte Kurzversion der deutschsprachigen Broschüre wird jetzt an Ausschuss-Mitglieder des Deutschen Bundestags sowie weitere Multiplikatoren verteilt und kann über das BIOACID-Koordinationsbüro bestellt werden. Die Langfassung steht auf den Internetseiten des Projekts BIOACID und des GEOMAR zum Download zur Verfügung.

„Mit der ,Zusammenfassung für Entscheidungsträger’ halten wir nun endlich auch eine deutschsprachige Übersicht des aktuellen Kenntnisstands in den Händen“, freut sich Prof. Ulf Riebesell über die Veröffentlichung der Erkenntnisse über den Ozean in einer Hoch-CO2-Welt. Der Professor für Biologische Ozeanografie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert den Deutschen Forschungsverbund BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification).

Ja, dass es diese Broschüre gibt ist wirklich sehr gut. Hoffentlich bewirkt sie auch was. Vielen Dank jedenfalls an die Wissenschaftler für diesen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über die drohenden Gefahren der technischen CO2-Emissionen.


Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.bioacid.de Das Projekt BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification)