Protest gegen ThyssenKrupp-Megaprojekte

Der Konzern muss endlich Verantwortung für die Konsequenzen seiner Großprojekte übernehmen. Das fordert ein Bündnis von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen anlässlich der Hauptversammlung des Essener Stahl- und Rüstungskonzerns am gestrigen 30. Januar. Im Fokus der Kritik stehen die gravierenden negativen Folgen mehrerer Investitionen des Konzerns. Z.B. hat das TKCSA-Stahlwerk in Brasilien auch vier Jahre nach Inbetriebnahme keine Betriebsgenehmigung.

CSA Thyssenkrupp
TKCSA-Stahlwerk bei Rio de Janeiro (Foto: Rcandre; Lizenz: CC-BY-3.0)

„ThyssenKrupp hat es bis heute nicht vermocht, die dringend eingeforderten Auflagen umzusetzen“, konstatiert Marcos da Costa Melo von der Organisation KoBra – Kooperation Brasilien (link is external), die die Situation der Betroffenen vor Ort in Brasilien seit Jahren eng begleitet. „Der giftige Stahlwerksstaub macht den Anwohnerinnen und Anwohnern noch immer das Leben zur Hölle“, so da Costa Melo. Das belegt eine aktuelle Studie des staatlichen Institutes Fiocruz vom Dezember 2014. Der Konzern weigert sich weiterhin, den klagenden Fischern Entschädigungen zu zahlen – bereits seit 2006 warten sie darauf. „Die Geschichte von Missmanagement, Umweltverschmutzung und Verantwortungslosigkeit beim brasilianischen Stahlwerk geht weiter. Die Konzernführung muss endlich Verantwortung übernehmen für die angerichteten Schäden und sich um schnellstmögliche Schadensbegrenzung kümmern“, fordert Christian Russau vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre (link is external).

Auch beim Thema Rüstung zeigt sich ThyssenKrupp wenig sensibel. Das TK-Tochterunternehmen ThyssenKrupp Marine Systems hat sich auf Marineschiffbau spezialisiert und baut zwei Fregatten der Meko-Baureihe für Algerien sowie U-Boote für Singapur. In beiden Ländern kommt es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Des Weiteren lieferte der Konzern im letzten Jahr ein U-Boot an die israelische Armee, das nach Expertenmeinung von Israel mit nuklear bestückten Marschflugkörpern ausgestattet werden könnte. „Diese Rüstungsexporte sind angesichts der überaus prekären Menschenrechtssituation im Nahen Osten ein Skandal. Die Konzernführung sollte das aktuelle Nein der Bundesregierung zu Rüstungsgeschäften mit Saudi-Arabien zum Anlass nehmen, ihre Exporte in diese Region komplett zu beenden“, fordert Barbara Happe von urgewald.Gegen ein neues Megaprojekt von ThyssenKrupp in der ältesten Stadt Baden-Württembergs, Rottweil, hat sich eine Gruppe kritischer Bürger/innen formiert. „Der Bau eines 246 Meter hohen Aufzugstestturms in unserer ländlichen Umgebung ist nicht nachhaltig“, sagt Ute Bott von der Initiative „Landschaft schützen – Stadtbild retten! Kein Testturm auf dem Berner Feld!“. Die historische Stadtsilhouette, die besonderen Denkmäler und die als hochwertig eingestufte Landschaft seien bereits stark geschädigt. Die Bedenken sachkundiger Bürger/innen habe man jedoch beim Genehmigungsverfahren nicht berücksichtigt (siehe http://landschaftschuetzenstadtbildretten.info/ (link is external)).

Gegenanträge: www.kritischeaktionaere.de (link is external)

Links:

urgewald

ThyssenKrupp: Wenn Exporte Konflikte anheizen

 

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