Schrecken: Vanuatus Situation mahnt zur Hilfsbereitschaft und zur Umkehr bei den Treibhausgas-Emissionen

Hoffnung: Wie die Internationale Energie Agentur meldet könnte die Menschheit den Wendepunkt des CO2-Ausstoßes erreicht haben

Die Nachrichten vom Monstersturm in Vanuatu erschrecken. Über die Zahl der Todesopfer besteht weiterhin Unklarheit. So wie es gegenwärtig aussieht wurden fast alle Gebäude und viele Brücken in den betroffenen Gebieten zerstört, so auch in der Hauptstadt. Der Zyklon hatte mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern die Inselgruppe getroffen und war damit angeblich für Vanuatu der schwerste Sturm seit Beginn der internationalen Wetteraufzeichnung. Unabhängig davon ob dies nun Ergebnis der Energiezunahme der Atmosphäre aufgrund der menschengemachten Erderwärmung ist, oder ob dies ein zufälliges Wettererereignis war, kann man sagen "so sieht Klimawandel infolge der Erwärmung aus". Denn die Klimawissenschaftler haben häufigere und schwerere Extremereignisse vorausgesagt und offenbar erfüllt sich diese Voraussage, auch wenn man das Einzelereignis - wissenschaftlich betrachtet - nicht dem Klimawandel zuordnen kann. Während Vanuatus Menschen leiden gibt es aber eine andere Meldung die Grund für ein wenig Hoffnung ist. Die Internationale Energieagentur teilte mit, dass der globale CO2-Ausstoß des Jahres 2014 nicht weiter angestiegen ist. Es gibt Hinweise dafür, dass wir vor einem Wendepunkt bei den technischen Emissionen dieses Klimagases stehen.

Vanuatu 2015
Die meisten Gebäude im betroffenen Gebiet sind zerstört (Foto: 350.org; Originaltitel: Cyclone Pam Vanuatu; Lizenz: CC-BY-NC-SA-2.0)

Vanuatus Menschen brauchen nun Hilfe. Sie haben kein Dach mehr über dem Kopf, wenig Trinkwasser, leiden Hunger und da die Hygienebedingungen und die medizinische Versorgung schlecht sind drohen Seuchen. Ein Problem stellen die vielen kleinen Inseln dar die nicht mit dem Flugzeug erreicht werden können. Zyklon Pam zerstörte auch viele Boote. Internationale Hilfe ist also dringend nötig und muss schnell erfolgen.

Im letzten Jahr waren ein weiteres Mal die Philippinen betroffen, ebenso wie im Jahr zuvor. So wie es aussieht werden die Stürme in dieser Region zunehmen und die Weltgemeinschaft darf diese Länder in dieser Situation nicht alleine lassen. Vor allem sind zukünftig Bauten und andere Infrastrukturen zu errichten die solchen Stürmen standhalten. Bei diesen Neuplanungen kann man dann ruhig davon ausgehen, dass Stürme zukünftig noch stärker werden, denn was wir gegenwärtig erleben ist das Resultat einer Temperaturzunahme um gerade mal 0,8 Grad Celsius im globalen Mittel, während die Klimawissenschaft kaum eine Chance sieht die Erwärmung vor einer Erhöhung um 2 Grad zu stabilisieren und auch das ist eher unwahrscheinlich angesichts der hohen Emissionen von Treibhausgasen.

Was die Emissionen angeht, so gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer. Die Internationale Energieagentur meldete vor wenigen Tagen, dass die CO2-Emissionen im Jahr 2014 nicht weiter zugenommen haben. Sie sind zwar gegenwärtig noch auf einem hohen Niveau, aber es deutet einiges darauf hin, dass wir hier vor einem Wendepunkt stehen.

Hauptursache der abnehmenden CO2 Emissionen ist die Situation in China. Schon seit Jahren sind dort sinkende Zuwachsraten bei den Emissionen zu verzeichnen. Wir haben in dem Land also einen ganz klaren Trend, der auf den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien zurückzuführen ist. Da China das Land mit den höchsten Zuwachsraten war und den meisten Emissionen im Ländervergleich ist, ist das von großer Bedeutung. Auch in Deutschland und anderen OECD-Ländern sanken die Emissionen im letzten Jahr. Vermutlich ebenfalls das Resultat des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Ob man in den OECD-Ländern endlich von sinkenden Emissionen ausgehen kann ist jedoch noch nicht sicher, denn 2013 stiegen diese in vielen "westlichen" Ländern wieder an, so z.B. in Deutschland und in den USA.

Dass der Klimawandel uns teuer zu stehen kommt sieht man an Vanuatu und den Philippinen, denn neben der kostspieligen Beseitigung der Schäden sind zukünftig sehr viel solidere Häuser nötig um sicher vor zerstörerischen Zyklonen zu sein. Das kostet selbstverständlich auch mehr Geld. Geld welches Länder, die zu den ärmsten der Welt gehören, alleine nicht aufbringen können.

Der Autor des Stern Reports, Nicholas Stern, hat vor einigen Jahren hohe Kosten für die Weltwirtschaft - aufgrund der menschengemachten Erderwärmung - vorhergesagt und das hat die Wirtschafts-"Elite" dann zum ersten Mal dazu gebracht sich mit dem menschengemachten Klimawandel zu beschäftigen. Nicht Todesopfer und menschliches Leid waren dazu fähig sondern die Vorhersage von Profiteinbußen. Nun, Herr Stern hat sich geirrt, wie er selbst zugab: "Ich habe den Klimawandel falsch verstanden, es ist weit, weit schlimmer."

Für die abgestumpfte Wirtschaftelite zählen nur Kosten und Profite, doch leider herrscht diese Clique im Kapitalismus. Angesichts dieses Herrschaftssystem ist es aber gut, dass die Erneuerbaren Energien inzwischen immer günstiger werden, während absehbar ist, dass der Ölpreis weiterhin hoch bleibt, bzw. sogar wieder steigt. Darum werden Erneuerbare Energien auch unaufhaltsam zunehmen, darum denken Konzerne wie E-on und Vattenfall darüber nach wie sie ihren fossil-atomaren Sektor möglichst elegant loswerden, z.B. indem eine Art Badbank für Kohle- und Atomkraftwerke gegründet wird.

Wenn gleichzeitig die Basis aufbegehrt und die neoliberalen Verwerfungen der letzten Jahre korrigieren kann, wenn es gelingt Demokratie durchzusetzen und eine Abkehr vom Überkonsum zu erreichen, dann können wir das Schlimmste, nämlich eine Welt jenseits der 2-Grad-Grenze, noch verhindern. Dass wir nun am Wendepunkt der CO2-Emissionen stehen, sollte also nicht dazu führen, dass wir uns zurücklehnen, sondern dazu, dass wir verstärkt handeln. Damit Katastrophen wie in Vanuatu nicht alltäglich werden.

Spenden Sie bitte für die Opfer!

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