Die Proteste im rheinischen Braunkohlerevier lassen nicht nach: Nach der Anti-Kohle-Kette, bei der am Samstag über 6000 Menschen gegen die Ausweitung der Braunkohletagebaue demonstrierten, kündigt nun das „Ende Gelände“-Bündnis an, am 14.-16. August die rheinischen Braunkohlebagger zu blockieren. Die Aktion werde ein Bild der Vielfalt, Kreativität und Offenheit, so die Organisator*innen: Einige protestieren an der Abbruchkante, andere blockieren im Tagebau die Bagger. Das Klimacamp im Rheinland wird deshalb vom 7.-17.08 statt finden. Neu dazu gekommen ist in diesem Jahr die Degrowth Summer School, die vom 9.-14.08 Kurse auf dem Camp anbieten wird.

Wir sagen: Keinen Meter weiter, hier ist Ende Gelände!

Ende Gelaende
(Grafik: © Ende Gelände)

Ob beim G7-Treffen oder bei der UN-Klimakonferenz in Paris - in einer Endlosschleife werden Regierungsvertreter*innen dieses Jahr ihre Betroffenheit über das Klimachaos ausdrücken. Doch es klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was notwendig wäre und dem, was passiert. Stattdessen dominieren die kurzfristigen Profitinteressen der Energiekonzerne und zur Lösung wird ein Wirtschaftssystem angerufen, welches uns erst in die Klimakatastrophe gebracht hat. Derweil zerrinnt die Zeit, die noch bleibt, um einen unumkehrbaren Klimawandel zu verhindern.

Nicht mit uns! Wir haben es satt, tatenlos zuzuschauen, wie die Lebensgrundlage von immer mehr Menschen weltweit zerstört wird und wie sich die krassen sozialen Ungleichheiten auf Grund des Klimawandels deutlich verschärfen. Wir finden es abscheulich, dass die politische Antwort Europas auf den Klimawandel darin besteht, noch höhere Zäune an den EU-Außengrenzen zu errichten, anstatt an den Ursachen des Klimawandels zu arbeiten.

Überall auf der Welt stellen sich Menschen Energiekonzernen entgegen, weil sie wollen, dass die fossilen Rohlstoffe im Boden bleibt. Überall gibt es Blockaden: vor den Bohrern der Fracking Industrie, festgekettet vor Kohlezügen, in Baumhäusern gegen Pipelines, in Kanus und am Klettergurt gegen Kohlefrachter oder als Demo auf Autobahnen, die Material zu den Ölsanden bringen. Sie alle kämpfen für eine erneuerbare Zukunft.

Im Rheinland wurde in den letzten Jahren viel erreicht: bereits fünf Klimacamps haben an zwei der drei Großtagebaue stattgefunden; die ersten Kohlezugblockaden im deutschsprachigen Raum wurden hier durchgeführt und über die Jahre weiterentwickelt; ein Bündnis lokaler Anti-Kohle-Akteur*innen stellt sich immer stärker auf; der Hambacher Forst wird seit einem Waldfest im Jahre 2012 besetzt und auch im Blockieren von Baggern werden seit dem letzten Jahr vermehrt Erfahrungen gesammelt.

Trotz der Erfolge der Energiewende wird ein Viertel des Stroms aus der extrem klima- und gesundheitsschädlichen Braunkohle gewonnen. Es werden tausende Menschen umgesiedelt, Urwälder gerodet und wertvolles Ackerland weggebaggert. Schließen wir uns dem Widerstand gegen Braunkohle an – Das Rheinische Braunkohlerevier ist unser Ort für Klimabewegung.

Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und damit einhergehenden Zerstörung von Lebensgrundlagen sowie steigenden Zahlen zur Flucht getriebener Menschen und angesichts von abgeholzten Wäldern und abgebaggerten Land- und Ortschaften müssen wir zusätzlich zum Aufbau von Alternativen auch Machtstrukturen und Hierarchien überwinden und kollektiven, physischen Widerstand gegen zerstörerische, industrielle Abläufe leisten.

In diesem Jahr stehen die Zeichen für den Kohleausstieg günstig wie nie. Die Bundesregierung arbeitet an einem Kohleausstiegs-Gesetz und die Landesregierung von NRW trifft im Sommer eine Entscheidung über die Größe der Tagebauflächen. Für uns ist klar, dass Regierungen – weltweit – nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems sind und wir daher selbst für ein gutes Leben für alle streiten müssen.

Vom 14. - 16. August lädt das Bündnis alle Kohlegegner*innen ein, zur Aktion im Rheinland zu kommen. Es wird eine bunte Vielfalt von Aktionsformen geben, von bis, so dass sich alle beteiligen können. Bei Aktionstrainings in über 50 deutschen und europäischen Städten können sich Interessierte auf die Blockade vorbereiten. Das Bündnis legt Wert auf Transparenz und Sicherheit für alle Beteiligten.

Das Klimacamp im Rheinland startet bereits eine Woche früher am 7. bis zum 17. August. Auf dem Camp gibt es veganes Essen, Kulturprogramm, Workshops und Zeit sich zu vernetzen. Damit das Programm spannend und vielfältig wird freuen wir uns auf eure Workshops. Schreibt uns an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Schwerpunkte sind:

** Was war los, was ist los und wie geht’s weiter mit der Klimabewegung?**
** Skills for Climate Movement – Bauen, Bewegen & Kunst!**
** Kritik der Verhältnisse – alles verändern**
** Klima, Kohle & Co2**

Neben den Workshops wird es auf dem Camp eine Degrowth Summer School mit intensiven Kursen geben. Die Sommerschule „Degrowth konkret: Klimagerechtigkeit“ (9. - 14. August 2015) ist ein Folgeprojekt der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz, auf der im letzten Herbst etwa 3000 Menschen zusammen kamen, um Alternativen für eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Gesellschaft zu diskutieren. Für die Kurse werden noch bis zum 7. Mai Referent_innen gesucht. Schreibt an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Der Widerstand im Rheinischen Braunkohlerevier zeigt sich nicht nur über 2 Wochen im August. Auch davor und danach gibt es ständig Aktionen und Veranstaltungen. Zur Zeit ist die besetzte Wiese am Hambacher Forst räumungsbedroht. Kommt am 16. Mai 14 Uhr zur Demo in Köln/Ehrenfeld Bezirksrathaus, um gegen die Braunkohleverstromung im Rheinland zu demonstrieren! Kommt auch am 21. Mai ab 9 Uhr zum Verwaltungsgericht in Aachen, um den Eigentümer der Wiese und alle betroffenen Aktivist*innen zu unterstützen.

Nach den Aktionen im Rheinland werden wir im Dezember zur Klimakonferenz in Paris gehen. Nicht, weil wir uns etwas von dem Gipfel erhoffen, sondern weil wir uns mit vielen andere Graswurzel Klimagruppen aus ganz Europa zusammen schließen wollen. Gemeinsam werden wir für eine solidarische, freie, ökologisch lebende Gesellschaft kämpfen und versuchen Herrschaft zu überwinden. In Paris wollen wir Aktionsideen erproben, um daraus gestärkt, gemeinsam und noch entschlossener ins Jahr 2016 zu gehen.

Klimaschutz ist Handarbeit, jetzt gilt es, aktiv zu werden!

ende-gelände.org

Klimacamp-im-rheinland.de

degrowth.de

hambacherforst.blogsport.de

ausgeco2hlt.de


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