Agrarlobby nutzt Klimakrise für Vorstoß auf Saatgutmärkte des Kontinents

Berlin/Johannesburg. Gemeinsam mit Brot für die Welt veröffentlicht das African Centre for Biodiversity (ACB) eine neue Studie zu dem von der Gates-Stiftung und von Monsanto geförderten „Water Efficient Maize for Africa“ - Projekt (WEMA). Die Studie zeigt am Beispiel dieses Projektes der Gentech-Lobby, wie groß die Kluft zwischen der Behauptung, Klimaschutz und Hungerbekämpfung zu betreiben und der Realität sein kann.

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Versuchsanbau von gentechnisch modifiziertem Mais in Kenia (2003) (Foto: Dave Hoisington/CIMMYT; Lizenz: CC-BY-2.0)

Das Projekt befasst sich mit Maissorten, die Dürren besser überstehen sollen. Die Studie zeigt, wie Kleinbauern und Kleinbäuerinnen unter dem Vorzeichen von Philanthropie dazu motiviert werden, Hybridmais und vor allem auch gentechnisch manipulierten Mais anzubauen, was im Wesentlichen den großen Agrarchemie- und Saatgutkonzernen dient. Unter Hybridmais versteht man die Hochleistungsorten der Agrarindustrie, die oft auch den Einsatz von Dünger und Pestiziden erfordern. Vielen Bauernfamilien Afrikas fehlen dafür aber die finanziellen Mittel. Bleiben die erwarteten Erträge aus, bleiben sie auf einem Schuldenberg zurück.

Laut der Studie könnte der vom WEMA-Projekt propagierte gentechnisch manipulierte Mais für die afrikanischen Bauern und Bäuerinnen desaströse Folgen haben. Es hat sich gezeigt, dass auch die Ernten dieser Maissorte bei extremer Trockenheit ebenfalls schlecht ausfallen. „Wirklich beunruhigend ist die Tatsache, dass auch der in Südafrika spektakulär gescheiterte schädlingsresistente Monsanto-Mais (MON 810) in weiteren WEMA-Partnerländern auf den Markt gebracht werden soll“, so Mariam Mayet, Direktorin des African Centre for Biodiversity. Sie wird die Studie am Donnerstag auf dem Kongress des Europäischen Netzwerks für Gentechnikfreie Regionen in Berlin präsentieren. Der Einsatz des Mon-810 (Gentech-Mais) führte zu großen Ernteausfällen, weil immer mehr Schadinsekten gegenüber den im Mais eingebauten Abwehrstoffen resistent wurden. „Es ist zynisch, wie Kleinbauern und -bäuerinnen in die Abhängigkeit getrieben werden, während ihr eigentlicher Klimatrumpf, die traditionelle Sortenvielfalt, auf ihren Feldern, verlorengeht“, kommentiert Eike Zaumseil, Referent für Klima und Landwirtschaft bei Brot für die Welt.

Das WEMA-Projekt profitiert vom Zugang zu wertvollem Zuchtmaterial traditioneller Sorten aus den nationalen Saatforschungszentren der Partnerländer in Afrika. Die Züchtung, Produktion und Vermarktung der neuen Sorten soll jedoch zukünftig vor allem von Privatfirmen betrieben werden. Mariam Mayet sieht diese Entwicklung mit großer Besorgnis: „Die kleinen afrikanischen Saatgutfirmen können bei der hochtechnisierten Produktion von Gentechnik-Saatgut nicht mithalten und werden früher oder später von Agrarmultis wie Monsanto geschluckt. Die erhalten damit immer mehr Einfluss auf den afrikanischen Markt.

Das WEMA-Projekt nährt zudem Skepsis von Entwicklungs- und Kleinbauernorganisationen, was sich unter dem Titel einer „Climate-Smart Agriculture“ alles verbergen könnte. Das Konzept wird vor allem von Industrieländern und der Agrarindustrie als Lösung für die Klima- und Ernährungskrise propagiert. Der CSA-Begriff ist jedoch so schwammig, dass auch industrielle landwirtschaftliche Praktiken das Prädikat „klima-freundlich“ für sich reklamieren können, obwohl sie nachweislich schlecht sind für Böden, Klima und die Biodiversität. „Was als ‚klima-freundliche Landwirtschaft‘ gepriesen wird, kann bisweilen auch einfach nur eine clevere Vermarktungsstrategie der Agrarindustrie sein", so Eike Zaumseil.

Die deutsche Zusammenfassung der Studie finden Sie hier.

Die Studie mit dem Titel „Profiting from the Climate Crisis undermining resilience in Africa“ findet sich hier.

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