Schwarz rußende und qualmende Rauchfahnen gehören dank moderner Umwelttechnik der Vergangenheit an – zumindest nach den Richtlinien der deutschen Gesetzgebung. Jedoch heißt ein verminderter Ausstoß an Partikeln und Aerosolen leider noch lange nicht, dass es sich mit den Treibhausgasemissionen genauso verhält. Der Industriesektor ist nach dem Energiesektor die zweithöchste Emissionsquelle von Treibhausgasen in Deutschland. Im Jahr 2014 verursachte der Energiesektor etwa 85% der anthropogenen Treibhausgasemissionen in Deutschland, davon fallen ca. 14% an die energetischen Emissionen der Industrie.1) Das heißt die Industrie birgt ein großes Potenzial zum Klimaschutz beizutragen, indem sie bei ihrer Produktion auf erneuerbare Energien setzt!

Cradle to Cradle
(Foto: © Cradlelution)

Hier setzt das intelligente Produktdesign-Konzept „Cradle to Cradle“ (C2C) von Prof. Dr. Michael Braungart (deutscher Verfahrenstechniker und Chemiker) und William McDonough (amerikanischer Architekt und Designer) an. „Cradle“ bedeutet „Wiege“, d.h. bei „Cradle to Cradle“ geht es um 100%ige Kreislaufführung von Rohstoffen, also „von der Wiege zur Wiege“. Dabei entsteht eben kein Abfall. Wohingegen unsere heutige Wirtschaftsweise von der „Wiege zur Bahre“ läuft, also nach dem Prinzip: We take, make and waste. So entsteht eine große Anzahl unnötiger Abfalldeponien, die teilweise hochtoxisch sind. Unser sogenanntes Recyclingsystem entpuppt sich als Downcycling heraus, da „recycelte“ Produkte meist einen immensen Qualitätsverlust hinnehmen müssen oder nicht recycelt werden können aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Materialien und chemischen Verbindungen. Daher werden solche Produkte, wie die allgemein bekannten PET-Kunststoffflaschen, in Müllheizkraftwerken verbrannt, um noch etwas Energie daraus ziehen zu können.

Aber ist das wirklich nachhaltig?

Ist das sinnvoll, zumal wir großen Herausforderungen gegenüberstehen, wie der zunehmenden Rohstoffknappheit, der Umweltvergiftung, der Abfallproblematik, dem vorwiegend anthropogen bedingten Klimawandel? Was ist mit den versteckten Schadstoffen in unseren Produkten und zwar nahezu in allen Produktbereichen? Wir sehen, ein komplexes Geflecht, wo können wir da anfangen? Wie kann sich jeder einzelne von uns einbringen? Ein Schritt könnte es sein, seinen Konsum kritisch zu hinterfragen und dadurch bewusst und intelligent zu konsumieren! Mit unserem Konsumverhalten und unseren Produktentscheidungen wählen wir mitunter, in welcher Welt wir leben.

Lösungsansatz C2C

Für die Produktwelt bietet C2C einen Lösungsansatz, der holistisch und innovativ ist. Es ist nicht nur reine Theorie oder eine Vision, sondern bereits seit Jahren gelebte Wirklichkeit! Das Ziel ist eine umfassende Produktqualität und Nützlichkeit. Es geht primär um Effektivität, anstatt um Effizienz – denn wir müssen erst einmal das Richtige tun, bevor wir es optimieren können.

Cradle to Cradle setzt bereits bei der Konzipierung der Produkte an, d.h. die C2C-Produkte bzw. deren Bestandteile werden sortenrein trennbar designt, sodass sie entweder biologisch abbaubar sind oder in einen technischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Gleich dem System der Natur entsteht somit kein Abfall, sondern zirkuliert als Nährstoff in Kreisläufen. Um ein Höchstmaß an Produktinnovation, -qualität und Verbraucherschutz zu gewährleisten, durchlaufen alle zwei Jahre sämtliche Cradle to Cradle zertifizierten Produkte den Zertifizierungsprozess von Neuem. Die Cradle to Cradle Zertifizierung umfasst fünf Bewertungskriterien und ist somit weltweit einer der strengst zertifiziertesten Siegel, da es allumfassend ist: Materialbewertung, Materialkreisläuffähigkeit, Energienutzung, Wassernutzung, Soziale Verantwortung.

Materialbewertung:

Dabei werden alle Inhaltsstoffe identifiziert und auf ihre toxikologischen wie auch ökotoxikologischen Eigenschaften bewertet. C2C zertifizierte Produkte stellen somit kein Gesundheits- und Umweltrisiko dar.

Materialkreislauffähigkeit:

Jedes Produkt wird in biologischen oder technischen Kreisläufen geführt. Dazu wird ein Plan zur Realisierung abhängig von der Zertifizierungsstufe definiert. Die Nährstoffe des Produktes werden anhand eines so genannten „Kreislauffähigkeitsindexes“ bewertet. Somit werden C2C zertifizierte Produkte und ihre Materialien zum problemlosen Wiederverwerten designt. Damit wird eine effektive Nutzung unserer endlichen Ressourcen sichergestellt.

Energienutzung:

Dabei wird zum einen der Energieverbrauch sowie der Anteil an erneuerbaren Energien innerhalb des Produktionsprozesses erfasst. Das Ziel ist eine Nutzung von 100% erneuerbaren Energien, was für uns vor allem Energiesicherheit und -unabhängigkeit bedeutet.

Wassernutzung:

Die Herstellerunternehmen von Cradle to Cradle zertifizierten Produkten verpflichten sich dabei zu Grundsätzen über einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, die auf ein Wassermanagement und Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität abzielen. Ziel ist der Erhalt und die Optimierung der Wasserqualität.

Soziale Verantwortung:

Die Produktionsunternehmen verpflichten sich zu sozialen Grundsätzen und fördern damit soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde.

Für den Industriesektor bildet das C2C Designkonzept eine notwendige Stellschraube, um unser Klima zu schützen. Wir müssen JETZT auf erneuerbare Energien setzen und gemeinsam die Energiewende vorantreiben!

Zurzeit läuft die Cradlelution Crowdfunding auf der Plattform startnext. Cradlelution ist ein jung-dynamisches, nachhaltiges und ökosoziales StartUp, bestehend aus zwei Studenten. Cradlelution bietet euch den einfachen Zugang zu C2C zertifizierten Produkten www.startnext.com/cradlelution

Wenn ihr in der C2C Bewegung mitwirken möchtet, dann seid ihr hier an der richtigen Adresse: www.c2c-ev.de

Anna Lütje, Gründerin & CEO Cradlelution, Umweltschutzingenieurin


1) Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/emissionsquellen, Erscheinungsdatum: 06.05.2015

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