Es gibt zwei Bewegungen, die sich bereits seit einigen Jahrzehnten gegen den Fleischkonsum, die Nutzung von tierischen Produkten und teils auch gegen die Ausbeutung von Tieren stellen. Diese fordern, je nach Ausrichtung und Konsequenz der Bewegung, einen Stopp des Fleischkonsums, beziehungsweise des Konsums jeglicher tierischer Produkte. Veganismus und Vegetarismus, so die Grundannahme, sind gut für den Klimaschutz und sind zugleich die Lösung für den weltweiten Hunger.

Vegane und Vegetarische Speisen
Sehen doch sehr lecker aus, die veganen und vegetarischen Speisen (Foto: Zeetz)

 

Erklärung der Begrifflichkeiten

Daher sollen diese beiden Begriffe zunächst einmal näher erklärt werden. Bei den Vegetariern handelt es sich um Personen, die in jeglicher Hinsicht Fleischprodukte und das Töten von Tieren für die Ernährung ablehnen. Allerdings nehmen diese Eier, Honig und Milchprodukte zu sich, bedienen sich also tierischer Produkte. Bei der Herstellung dieser Erzeugnisse kommt es vor, dass aufgrund der Haltungsbedingungen, Tiere schlecht behandelt, Kälber getötet und männliche Küken sofort nach dem Schlüpfen zu Hunderttausenden lebendig vergast oder gehäckselt werden. Veganer stellen sich daher gegen jeglichen Konsum von Produkten, die von Tieren stammen oder die Natur ausbeuten. Denn in ihrem Sinne dient der Veganismus dem Gedanken, dass der Mensch ein vegetabiles Wesen ist und kein Carnivore (Fleischfresser).

Der Fleischkonsum sollte aus der Perspektive beider Denkrichtungen abgeschafft werden. Viele Vegetarier sind keine Veganer, da sie sich an der buddhistischen Lehre orientieren oder da sie befürchten, dass sie eine Mangelernährung bekommen könnten. In Indien findet sich eine Völkergruppe, die in ihrem Leben noch nie Fleisch zu sich genommen haben. Eier und Milch, so denken Vegetarier, enthalten alle wichtigen Stoffe, die sie ohne Fleischkonsum sonst nicht erhalten. Allerdings kommen alle wichtigen Stoffe, die der Mensch benötigt, bei einer gesunden Ernährung auch in der Natur vor. B12 befindet sich beispielsweise in Rotalgen und ähnlichen Algenarten der Familie Spirulina, pflanzliches Eisen gibt es Petersilie, Pfefferminze oder auch Spinat und ist ebenso in angereichertem Salz und Algen enthalten.

Somit ist eine pflanzliche Ernährung mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen absolut möglich. Dabei wird von beiden Seiten auch davon ausgegangen, dass der Verzicht das Klima schützt und zugleich auch eine Lösung für das Welternährungsproblem ist. Selbst eine Einschränkung des Fleischkonsums würde bereits eine Besserung bewirken. Alternativen gibt es vielfältige mit Lebensmitteln aus Soja, Luzerne und ähnlichen neuen Lebensmitteln, die dem Menschen viele Proteine liefern.


Die Problematik der Gewinnung von Fleisch als Nahrung

Allein schon die Gewinnung von Fleisch erfordert viele Eingriffe des Menschen in das Ökosystem auf. Die Problematik der Tierhaltung ist, dass sie sehr viele Ressourcen beansprucht. So werden Anbauflächen für das Tierfutter benötigt, die Produktion von 1 Kilogramm Rindfleisch verbraucht rund 25000 Liter Wasser, nicht selten werden Waldflächen gerodet und es entstehen lange Transportwege für alle Güter in diesem Prozess. Dabei ist es auch wichtig zu wissen, dass allein die Existenz der Kuh einen negativen Effekt auf das Klima hat, denn Kühe produzieren Methan und eine derartige Masse dieser Tiere schadet dem Klima. Zudem fallen Unmengen an Odel  (Wirtschaftsdünger aus Urin und Kot) an, der in vielen Fällen nicht mehr effizient nutzbar ist und auch als Düngemittel nicht verwendet werden sollte. Dennoch werden Ackerflächen mit Phosphat- oder anderen, chemischen Düngemitteln behandelt, damit Futterpflanzen schneller wachsen. Im schlimmsten Fall werden Phosphatdüngemittel sogar aus Tiermehl produziert. Düngemittel für Futterpflanzen werden von den oftmals überdüngten Feldern in das Grundwasser gespült und belasten wiederum die Umwelt.

Nutztierhaltung an sich richtet bereits einen Schaden an. Die Tiere benötigen viel Wasser und erkranken durch schlimmste Haltungsbedingungen an Krankheiten, die lediglich durch medikamentöse Behandlung einzudämmen sind. Antibiotika gelangen aber aus der Kuh heraus, über ihre Ausscheidungen direkt in die Umwelt und in regionale Ökosysteme. Antibiotika wandern durch Verzeht den kranken Fleisches zum Menschen und direkt in die menschliche Ernährung. Häufig enthält das Fleisch, das direkt in die Lebensmittelverwertung gelangt, noch Parasiten oder eiternde Entzündungen, die im Fleisch eingelagert sind. Dieser kurze Abriss soll zeigen, dass die Massenhaltung von Kühen einen Eingriff in viele Ökosysteme bedeutet und dass eine Reduktion oder Verbesserung der Haltung der Tiere für die Ökosysteme und das Klima eine Verbesserung bedeuten würde.

Beispielsweise würde weniger Wasser verschwendet werden,  weniger Antibiotika, Nitrate und Phosphate würden das wichtige Grundwasser weniger stark verschmutzen, wichtige Anbauflächen würden für den Anbau pfanzlicher Lebensmittel frei und das Klima würde durch geringere Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung und kleinere Eingriffe in regionale Ökosysteme weniger belastet. Die Grundannahme ist hierbei, dass die große Vielfalt an kleinen Ökosystemen ein Gefüge eines gesamten Systems ergibt und dass daher eine Einschränkung der Eingriffe in die kleinen Systeme das Gesamtsystem weniger belastet.


Ausbeutung der Ackerbauflächen

In vielen armen Ländern wird Tierfutter für den Export angebaut. Ein Verzicht auf Fleisch, in einem gewissen Rahmen, hätte also die Folge, dass vor allem in armen Ländern mehr Land für den eigenen Bedarf zur Verfügung stände. Dort könnte man weniger Futter für die Schlachttiere anbauen, dadurch wäre ausreichend Fläche für eine eigene Nutzung vorhanden, zur Herstellung von Nahrungsmitteln für Menschen. In allen Ländern werden die Böden für den Ackerbau ausgelaugt und Anbauflächen genutzt, die sonst für Lebensmittelanbau zur Verfügung ständen. Weniger Fleischkonsum führt folglich zu mehr Anbauflächen in armen Ländern und zu mehr Naturflächen. Auch wird vor Ort die Umwelt nicht mehr so stark in Anspruch genommen. Und nicht nur Dünger und Wasser wären somit weniger in Einsatz und würden nicht mehr für den Fleischkonsum verschwendet. Da der Mensch weniger Nahrung für sich beansprucht als die Tiere dies tun wären viel mehr Anbauflächen für den Menschen vorhanden. Es gäbe eine Möglichkeit brach liegende Anbauflächen zu renaturieren und damit einen wichtigen Beitrag für das Klima zu leisten.

 
(Grafik: Hamburger Bildungsserver; Lizenz: CC-BY-NC-SA-2.0)


Der Massenkonsum der Industrienationen

Würde der Fleischkonsum tatsächlich dem Stillen des Hungers der Menschen in den Industrienationen dienen, würde er vielleicht noch, abhängig von der eingehaltenen Perspektive, eine Berechtigung haben. Allerdings konsumiert der Mensch gerade einmal 50% der Lebensmittel, die er produziert. Denn die Produktion dient im Kapitalismus der Befriedigung der Kunden und der Abdeckung der Produktion. Eine hohe Produktion scheint hierbei wohl als Notwendigkeit betrachtet zu werden. Denn die geringere Produktion von Fleisch und Verbesserung der Haltungsbedingungen wird trotz besseren Wissens nicht realisiert. Der Mensch führt sein Handeln fort, obwohl er sich seit Jahrzehnten dessen bewusst ist, dass er damit der Umwelt schadet. Denn die Problematik ist bereits seit vielen Jahrzehnten bekannt und gewinnt nun durch den sogenannten Klimawandel eine neue Aktualität. Somit hätte der Mensch nun eine neue Gelegenheit die Überproduktion zu stoppen und damit auch der Tierquälerei Einhalt zu gebieten. Noch immer setzen sich Tierschützer dafür ein, dass Tiertransporte abgeschafft werden und dass sich auch die Haltung von Kühen, Schweinen und Geflügel im Stall verbessert. Eine Kehrtwende in der Ernährung und auch der Überernährung der reichen Länder bedeutet daher eine deutliche Verbesserung der Gesamtsituation, sowohl für Tiere als auch für den Menschen.


Alternativen zu Fleisch

Alternativen für Fleisch und deren Anbau finden sich Vielzählige. Dabei würde der Anbau von Bio-Soja, welches in der Ernährung auch zu einer hohen Sättigung führt und wichtige Inhaltsstoffe für eine gesunde Ernährung bietet, weite Teile der Bevölkerung zufriedenstellen. Der Bedarf an Eisen, Vitamin B6 und B12, Omega-3-Fettsäuren und ähnliche Stoffe, die der Körper mit der Nahrung aufnimmt, sind durch eine vegetarische und vegane Ernährung abgedeckt. Große Bedenken scheinen für Fleischesser bei der Aufnahme von Eisen zu bestehen, wobei es zwischen dem dreiwertigen Eisen aus Pflanzen und dem zweiwertigen Eisen aus tierischem Ursprung zwar Unterschiede gibt, aber der Körper ist auch in der Lage allein mit dem zweiwertigen Eisen gut auszukommen. Soja, Reis und vergleichbare Lebensmittel wären für den Menschen eine gute Grundlage für eine gesunde Ernährung, die sich auch in weiten Teilen der Welt durchsetzen könnte. Alternativen, wie beispielsweise Reis, welcher in Indien als Grundnahrungsmittel dient, bietet dem Menschen ebenso wichtige Bestandteile für eine gesunde Ernährung.