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Klimapolitischer Fortschritt sieht anders aus

Im Verkehrsbereich müsste, neben Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Straßen und Autobahnen, vor allem der Neu- und Ausbau von Straßen weitestgehend eingestellt werden. Die freiwerdenden Gelder könnten der Förderung des Schienen- und Fahrradverkehrs dienen. Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen könnten Windschiffe und Solar-Zeppeline entwickeln helfen. Die Devise hieße "klimapolitisch klüger" nicht "höher, schneller, größer". Im Gebäudebestand der Bundesrepublik ließen sich jährlich eine Million Wohnungen energetisch auf Plusenergiestandard bringen. Das wären fast 3% des Bestandes. Dies wäre zu realisieren indem man die 50 Milliarden € an umweltschädlichen Subventionen zu diesem Zweck umwidmet. Gleichzeitig hätte man die Steuer-Finanzierung umwelt- und klimaschädlicher Maßnahmen beendet. Allein dadurch könnten die Treibhausgas-Emissionen pro Jahr um mindestens 1,2 % zusätzlich gemindert werden. Der Entfall umweltschädlicher Subventionen würde weitere Prozentanteile in nicht quantifizierbarer Höhe generieren. Die Mehrwertsteuer auf umweltschädliche Produkte könnte massiv erhöht und für umweltfreundliche Produkte gesenkt werden. Beispielsweise würde auf Fleisch und Käse ein erhöhter Mehrwertsteuersatz fällig. Eine Neuversiegelungs-Abgabe könnte zum Erhalt von Naturflächen beitragen. Der Bau von Kohlekraftwerken ist zu stoppen und bestehende KoKW sind abzuschalten. Gaskraftwerke sind schnellstens durch BHKW auf der Basis von Biogas aus landwirtschaftlichen und städtischen Bio-Abfällen zu ersetzen. Speicherkraftwerke sind unter öffentliche Kontrolle zu stellen und weitere zu bauen. Die Entwicklung und der Einsatz karbon-negativen Zements ist massiv zu fördern.

Alle obigen Vorschläge könnten umgesetzt werden, wenn es politisch gewollt wäre. Viele Vorschläge sind auch ohne großen Widerstand aus der Bevölkerung zu verwirklichen. Wenn man die energetischen Sanierungen, hin zu Plusenergiehäusern, vollständig aus Steuermitteln finanzierte, dann gäbe es dagegen keinen Widerstand.

Arktische Eisschmelze
Schmelzwasser-Seen in der Arktis (Foto: NOAA; Lizenz: Gemeinfrei)

Es soll nochmal wiederholt werden. Es geht nicht darum, ob so eine Entwicklung wahrscheinlich ist. Es geht nur darum zu zeigen, dass es Möglichkeiten gäbe, dass es somit nicht schicksalhaft ist, dass die Menschheit über das "2 Grad"-Ziel hinausschießt.

Eine weitere "gute" Entwicklung wurde bereits in dem früheren Text vorgestellt, nämlich das dynamische Wachstum der Erneuerbaren Energien überall auf der Welt. Allein im Monat September wurden nur in Deutschland 1000 Megawatt photovoltaische Nennleistung installiert. Während Vattenfall schon seit sechs Jahren am Kohlekraftwerk Moorburg baut, schafft es die Solarenergie in weniger als zwei Monaten die gleiche Nennleistung wie das KoKW (1730 MWel) bereitzustellen. Dabei sind die weltweiten Fertigungskapazitäten der Solarzellenfertigung nur etwa zur Hälfte ausgelastet. Die Branche leidet an enormen Überkapazitäten und könnte folglich noch viel mehr installieren, insbesondere auch deshalb, weil ständig neue Solarfabriken produzieren. Wenn dies in Deutschland möglich ist, dann auch in fast allen anderen Ländern. Es sei erneut gesagt: Die Möglichkeit, die erneuerbaren Energien schnell auszubauen, besteht und es ist sogar mehr als wahrscheinlich, dass ein sehr schneller Ausbau Realität wird.


Dürreopfer in Westafrika (Foto: Oxfam; Lizenz: CC-BY-SA-2.0)

Soviel zunächst zum Thema Einschränkung der positiven Emissionen. Oliver Geden bezweifelte in seinem Text zudem die Möglichkeit nach 2020 negative Emissionen zu erzeugen, also der Atmosphäre CO2 zu entziehen, indem BECCS (Bio Energie Carbon Capture and Storage) angewendet wird. Mit dieser Technologie könnte die Menschheit ja wieder CO2 in der Atmosphäre abbauen. Er verweist dabei auf den verbreiteten Widerstand in der Bevölkerung gegenüber CCS, speziell gegenüber der unterirdischen Verpressung verflüssigten Kohlendioxids. Dieser Widerstand ist aber erstens vor allem in Europa präsent und zweitens gibt es andere Formen von CCS, wie Kohlenstoffspeicherung in Zement (z.B. in Novacem- oder Calera- Zement) oder indem Holzkohle zu Schwarzerde verarbeitet wird. Zementherstellung mit negativen Emissionen würde gleichzeitig die Produktion des CO2-intensiven Portland-Zementes ersetzen. Es ergäbe also auch hier einen doppelten Effekt im Hinblick auf die Emissionen (genauso gäbe es einen doppelten Effekt, wenn man anstelle der umweltschädlichen Subventionen, mit diesem Geld, die energetische Sanierung hin zu Plusenergiehäusern förderte). Schwarzerde ist außerdem ein guter Dünger, welcher der Bodenverbesserung dient und seine Wasserspeicherfähigkeit verbessert. Er könnte dazu beitragen die landwirtschaftlichen Erträge in Zeiten einer steigenden Weltbevölkerung zu verbessern oder unfruchtbaren Boden wieder fruchtbar zu machen, so wie es der Verein Plan Verde in Peru macht.

Es ist eine politische Entscheidung, welchen Weg Deutschland und die EU gehen will. Überzeugend sind erneuerbare Energien und Einsparungstechniken allemal und auf je mehr Hausdächern Solaranlagen installiert sind und je mehr Häuser mehr Energie erzeugen statt zu verbrauchen, desto überzeugender ist das für die Welt.


Erneuerbare Energien sind kein Auslaufmodell (Foto: Udo Schuldt)