Zum Zeitpunkt, da diese Zeilen geschrieben werden, dauert die Räumung immer noch an. Eben wurde die Festnahme des letzten Baumaktivisten gemeldet, aber es gibt immer noch mindestens eine Person, die sich in einem Tunnel unter dem Gelände aufhält. Gestern fanden Solidaritätsaktionen in vielen Städten statt. Außerdem solidarisierten sich auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz und Sabine Wils, Europa-Abgeordnete der Linken.

Räumung des Hambacher Forstes mit schwerem Gerät
(Foto: "Hambacher Forst")

Der Hambacher Forst ist ein nach dem Ort Hambach benannter, ursprünglich 5.500 Hektar großer Wald. Seit 1972 gehört Hambach zur Gemeinde Niederzier im nordrhein-westfälischen Kreis Düren. Der Forst liegt zur Hälfte im Kreis Düren und im Rhein-Erft-Kreis. Zuständig als Untere Forstbehörde ist das Forstamt Eschweiler. Das ursprüngliche Waldgebiet musste weitgehend dem Braunkohletagebau Hambach weichen.

Ein Teil des verbliebenen Hambacher Forstes wurde besetzt, um ihn vor den Baggerschaufeln zu schützen.  Es entstand ein Bündnis, um gemeinsam für den Erhalt des Hambacher Forstes und gegen den Abbau und die -Verstromung von Braunkohle aktiv zu werden. Der noch verbliebene Hambacher Forst, nahe Köln gelegen, soll weiter zerstört werden für den „Hambacher Tagebau“, das größte Baggerloch Europas.

Gestern morgen begann die polizeiliche Räumung des besetzten Forstes. Als Reaktion darauf fanden am gestrigen Nachmittag spontane Protest- und Solidaritätsaktionen u. a. in Berlin, Hamburg, Köln, Essen, Osnabrück und Münster statt.

Sabine Wils (DIE LINKE.) ist Mitglied im Umweltausschuss des Europa-Parlaments und sie ist der Meinung, dass RWE seine Profite mit Braunkohle auf Kosten der öffentlichen Gesundheit und des Klimaschutzes erzielt. Alleine das Kohlekraftwerk (KoKW) Niederaußem verursache nach Angaben der EU-Umweltagentur Kosten von bis zu 1,5 Mrd. € durch Umwelt- und Gesundheitsschäden. Die im Tagebau Hambach geförderte Braunkohle werde größtenteils im KoKW Niederaußem verbrannt. Der Schutz der öffentlichen Gesundheit gebiete einen Ausstieg aus der gesundheitsschädlichen Braunkohleverstromung und insgesamt aus der fossilen Energieversorgung, so Sabine Wils.

Die Abgeordnete fährt wörtlich fort: „RWE verantwortet mit der Ausweitung des Tagebaus die Zwangsumsiedlung von zusätzlich 2200 Menschen. Zudem steigt die Schadstoffbelastung für die umliegende Bevölkerung durch erhöhte Feinstaubemissionen des Tagebaus. Daher fordere ich die Pläne für den Bau neuer Braunkohlekraftwerke und den Aufschluss neuer Tagebaue zu beerdigen. Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger. Die Ausweitung der Braunkohleverstromung macht die Klimaschutzziele der rot-grünen Landesregierung  sowie der schwarz-gelben Bundesregierung unerreichbar. Dies belegt eine unveröffentlichte Studie des Umweltministeriums von NRW. Klimaschutz bedeutet, dass NRW aus der Braunkohle aussteigen muss“.

Dem braucht man nicht viel hinzuzufügen, außer vielleicht, dass festzustellen ist, dass der Widerstand gegen Braunkohletagebau und Kohlekraftwerke offenbare eine neue Qualität erreicht hat. Danke an alle, die sich ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit und die ihnen aufgrund der Besetzung drohenden Strafverfolgung, für die Zukunft der Menschheit eingesetzt haben!

Weitere Informationen unter www.ausgeco2hlt.de, www.hambacherforst.blogsport.dewww.stopptrwe.crowdmap.com.