Vor einigen Tagen erschien in der ZEIT ein bemerkenswerter Artikel über die Art und Weise wie rechtskonservative Kreise den Zweifel am Klimawandel organisieren. Mit Geldern aus dem fossil-industriellen Komplex versuchen PR-Strategen die Menschen zu manipulieren und ihnen einzureden, dass die Klimawissenschaftler eher nichts wissen und der Kimawandel entweder nicht existiert und wenn er doch existiert, dann auf jeden Fall nicht durch menschliche Aktivitäten verursacht wurde. In Deutschland versucht auch EIKE sich darin die Klimawissenschaften zu verunglimpfen. Unterstützung erhält EIKE vom Verband der chemischen Industrie, indem deren Hauptgeschäftsführer auf der EIKE Jahrestagung auftritt.


(Foto: Martin Roell; Bearbeitung: Udo Schuldt)

Das auf dem Foto dargestellte Zitat, "Wir sollten die Klimawissenschaftler treten, solange sie am Boden liegen. Sie haben es verdient, öffentlich ausgepeitscht zu werden", stammt von einem der agressivsten Vertreter der Klimawissenschaftleugner, Marc Morano. Der arbeitet für das US-amerikanische "Committee for a Constructive Tomorrow" und steht im Zentrum des organisierten Zweifels. Die Autorinnen des ZEIT-Artikels, Anita Blasberg und Kerstin Kohlenberg, schreiben über ihn: "Die Geschichte des PR-Managers Marc Morano ist die Geschichte einer geplanten Verwirrung. Ein Lehrstück über die Kunst des Lügens. Die Frage ist: Kann einer Demokratie die Wahrheit abhandenkommen? Kann es sein, dass die Antwort auf eine Menschheitsfrage käuflich ist?". 

Wir wissen wie die Geschichte in den USA endete. Im Kongress und im Senat gibt es keine Chance Gesetze zu verabschieden die dem Klimaschutz dienen.  Dort haben die Leugner Erfolg auf der ganzen Linie gehabt. Angesichts der enormen Treibhausgasemissionen des Landes ein furchtbarer Triumpf auf Kosten der ganzen Menschheit. Dies ist vor allem auf den Einfluss der Tea-Party innerhalb der Republikanischen Partei zurückzuführen. Zu den Hauptfinanzierern dieser politisch weit rechts stehenden Bewegung werden die beiden Milliardäre David Koch und sein vier Jahre älterer Bruder Charles gerechnet. Ihnen gehören 84 Prozent von Koch Industries, dem zweitgrößten Privatunternehmen der USA. Es betreibt Öl-Raffinerien, Kohleversorger, Chemieanlagen und Holzunternehmen, und hat im Jahr einen Umsatz von etwa 100 Milliarden Dollar. Die Süddeutsche Zeitung folgert: „Die Kochs wollen den totalen Kapitalismus, und sie sind bereit zu kämpfen – gegen ein staatliches Gesundheitssystem, gegen den Klimaschutz und alles andere, das sie für Auswüchse des Sozialismus halten.“ Einer Umfrage vom Oktober 2010 zufolge glauben 53% der Tea-Party-Anhänger, dass der Klimawandel in der Zukunft keine ernsthaften Auswirkungen haben werde. Tea-Party-Aktivisten beteiligten sich an Aktionen, die sich gegen US-Klimaschutzgesetze richteten. Die Tea-Party-Republikaner dominieren auch nach den Wahlen die Kongress-Mehrheit, der es bisher gelungen ist effektive Klimaschutzgesetze zu verhindern. Koch Industries und ihre Hauptanteilseigner, David und Charles Koch, unterstützten laut Greenpeace zwischen 1997 und 2008 mit fast 48 Millionen US-Dollar ebenfalls die Arbeit von Gruppierungen, die die globale Erwärmung bzw. deren Ursachen leugnen.

Die Autorinnen des ZEIT-Artikels schreiben auch, dass nur in Europa die Klimaleugner noch in der Defensive seien. Hier glaubten die meisten Leute noch an die Ergebnisse der Wissenschaft. Einer der Gallionsfiguren der Klimaleugner, der 88-jährige Singer will das ändern. 

Für Aufsehen sorgte das Bekanntwerden eines Treffens in der Zentrale des American Petroleum Institute vom April 1998, auf dem unter Beteiligung des Klimaforschers Fred Singer an PR-Strategien gearbeitet worden war, in der Öffentlichkeit gezielt Unsicherheit über den Stand der Klimaforschung zu verbreiten, um so Einfluss auf politische Entscheidungsträger zu nehmen. An dem Treffen waren auch Vertreter des Ölkonzerns Exxon und konservativer Think Tanks beteiligt.

Singer reist nun viel über den Atlantik. Als er im September 2010, auf Einladung der FDP im Deutschen Bundestag zu Gast war, zeigte sich die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marie-Luise Dött beeindruckt: "Ich fand Ihre Ausführungen, Professor Singer, sehr, sehr einleuchtend und sehr schön amerikanisch vorgetragen", wurde sie von Zeitungen zitiert. Die Frage sei nun, so Dött, wie man die Politik auf einen anderen Kurs bekomme, die Skeptiker bräuchten "gesellschaftliche Mehrheiten".

In diesen Tagen kommt Singer nach Deutschland, wo das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) seit gestern eine Konferenz, mit Unterstützung des Committee for a Constructive Tomorrow, des Arbeitgebers von Marc Morano, in München abhält. Auch Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) wollte dort auftreten. Die "klima-allianz"1) kritisiert den VCI heftig dafür, dass sich der Verband so vor den Karren der Klimawissenschaftsleugner spannen lässt.

Jürgen Maier, Sprecher der "klima-allianz" und Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung kritisiert: “Die Klimaskeptiker befriedigen ein Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten. Die gibt es in der Energie- und Klimapolitik nicht. Dass sich der VCI vor den Karren der Klimawandelleugner spannen lässt, ist skandalös und die Tatsache, dass der Chef eines der wichtigsten Industrieverbände Deutschlands auf dem Treffen spricht, ist geradezu bestürzend.”

Katharina Habersbrunner, Sprecherin der "klima-allianz" und Energieexpertin von Women in Europe for a Common Future (WECF) widerspricht den Anliegen von EIKE und Heartland Institute: “Wir begrüßen den nationalen parteiübergreifenden Konsens zur Notwendigkeit einer Energiewende in Deutschland. Die Thesen der Klimaskeptiker haben hier keinen Platz und dürfen durch Verbände wie den VCI nicht mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen werden. Wir bedauern, dass die klare naturwissenschaftliche Ausrichtung des VCI künftig stärker hinterfragt werden muss.”

Die "klima-allianz" fordert den VCI auf, den Klimaskeptikern keinen weiteren Boden zu bereiten. Mit derartigen Auftritten unterstreiche der Verband auch seine eigene Rückwärtsgewandtheit. Sollte sich der VCI nicht deutlich von den EIKE-Thesen distanzieren, sei der Verband als Gesprächspartner nicht mehr glaubwürdig.

Fazit: Wind- und Solarenergiehersteller würden profitieren, wenn Klimaschutz sich durchsetzt. Kohle, Öl und Gas zu den Verlieren gehören. Das sind die Fronten. Es ist bekannt geworden, dass viele Leugner von Teilen des fossil-industriellen Komplexes finanziert wurden. Auch die Kohle- und Chemie- Industrie hat ein Interesse an der Verschleierung. Wissenschaftsleugner sind vor allem Meister in der Manipulation. Wenn sie sonst keine Ahnung haben, aber das können sie wirklich gut. Die besten Annäherungen an die Wahrheit haben aber die Klimawissenschaften. Die Leugner wollen vor allem verhindern, dass diese Erkenntnisse zu Allgemeinwissen werden.

Der Link zum ZEIT-Artikel


1) Die "klima-allianz" deutschland ist das breite gesellschaftliche Bündnis für eine ambitionierte Klima- und Energiepolitik, bestehend aus mehr als 110 Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Kirche, Jugend, Tierschutz, Verbraucherschutz und Gewerkschaften. Weitere Informationen unter www.klima-allianz.de