Zusätzlich verursacht LKW-Verkehr etwa 100 Millionen Krankheitstage jährlich, nur im europäischen Teil der Erde. Mautgebühren sollten dies berücksichtigen.

Schätzungen zufolge verursacht die Luftverschmutzung insgesamt 100 Millionen Krankheitstage und 350 000 vorzeitige Todesfälle jährlich in Europa. Derartige Auswirkungen auf die Gesundheit ziehen beträchtliche Kosten und viel menschliches Leid nach sich – die Verfasser einer Studie der Europäischen Umweltagentur (EUA) schätzen, dass allein die Luftverschmutzung durch Lkw die EUA-Mitgliedsländer 43-46 Mrd. € pro Jahr kostet. Das ist  nahezu die Hälfte der rund 100 Mrd. € luftverschmutzungsbedingter Kosten aus dem Straßengüterverkehr.


LKW-Abgase verursachen jährlich 350000 vorzeitige Sterbefälle (Foto: MartinPutz)

Die hohen Kosten der Luftverschmutzung stehen im Einklang mit einer EUA-Analyse aus dem Jahr 2011, laut der die Luftverschmutzung aus großen Industriebetrieben Europa im Jahr 2009 102-169 Milliarden € in Form von Todesfällen, schlechter Gesundheit, Ernteschäden und anderen wirtschaftlichen Verlusten kostete. In den kommenden Monaten wird die EUA eine aktualisierte Version dieses Berichts mit neueren Daten veröffentlichen.

Wege zur Senkung der 45 Milliarden € Gesundheitskosten infolge von Luftverschmutzung durch Lastwagen

Die EUA-Analyse ist ein Versuch, die Komplexität der verschiedenen geografischen Einflüsse auf die Luftverschmutzung in Europa zu erfassen. Der Bericht enthält die durchschnittlichen verschmutzungsbedingten Kosten von 66 verschiedenen Fahrzeugklassen mit den jeweils geschätzten Kosten auf drei verschiedenen Straßenarten (außerstädtisch, innerstädtisch und Autobahnen) in 30 Ländern und 108 Städten. Die geschätzten Kosten pro Kilometer reichen je nach Fahrzeug und Umgebung von praktisch Null bis über 30 Cent pro Kilometer für einen über 20 Jahre alten Lkw ohne EURO-Emissionsklasse.

Straßenbenutzungsgebühren für Lastkraftwagen (Lkw oder Lastwagen) sollten die vielfältigen Auswirkungen der Verschmutzung durch den Verkehr in den verschiedenen europäischen Ländern widerspiegeln. Nach der genannten Studie müssten dazu die Gebühren in einigen Ländern weitaus höher sein als in anderen. Die Eurovignetten-Richtlinie 2011 legt fest, wie die EU-Mitgliedsstaaten Gesundheitskosten infolge von Luftverschmutzung in ein Gebührensystem für Schnellstraßen und Autobahnen integrieren können. Die Einnahmen aus diesem System sollen in nachhaltigen Verkehr investiert werden, so die Richtlinie. Die Einführung von Straßenbenutzungsgebühren obliegt jedoch  der Entscheidung der einzelnen Länder.

Jacqueline McGlade, Exekutivdirektorin der EUA: „Europas Wirtschaft ist auf den Ferntransport von Waren angewiesen. Es gibt jedoch versteckte Kosten, die wir in Form von beeinträchtigter Gesundheit und Lebensjahren bezahlen. Diese Kosten sind besonders hoch für jene, die entlang der Hauptverkehrsrouten Europas leben. Durch eine Integration dieser Kosten in den Warenpreis können wir uns für gesündere Transportmethoden und sauberere Technologien einsetzen.“

Obwohl die Luftverschmutzung in Europa in den letzten Jahren beträchtlich zurückgegangen ist, stellt sie in einigen Teilen Europas, in denen Lkw ein wesentlicher Faktor sind, nach wie vor ein Problem dar, so der Bericht. Diesel, der von den meisten Lkw verwendete Kraftstoff, verursacht mehr Luftverschmutzung pro Kilometer als andere Kraftstoffe wie etwa Benzin. Abgasemissionen aus Dieselmotoren wurden kürzlich vom Internationalen Krebsforschungszentrum als krebserregend eingestuft.

Lastkraftwagen sind für 40-50 % der Stickoxid(NOx)-Verschmutzung aus dem Straßenverkehr in den von der EUA untersuchten Ländern verantwortlich. Sowohl NOx als auch Feinstaub (PM2.5) werden in dem Bericht berücksichtigt, da sie Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Gesundheitsprobleme verursachen können.


Dieselben Schadstoffe, unterschiedliche Gesundheitskosten

Laut dem Bericht sind die Kosten der Luftverschmutzung durch Lkw in einigen europäischen Ländern bis zu 16 Mal höher als in anderen. Die durchschnittlichen verschmutzungsbedingten Kosten eines 12- bis 14-Tonnen-Lkw der EURO-Klasse III sind in der Schweiz mit fast 0,12 € pro Kilometer am höchsten. Auch in Luxemburg, Deutschland, Rumänien, Italien und Österreich sind die Kosten mit rund 0,08 € pro Kilometer relativ hoch. Der Grund dafür ist, dass Schadstoffe in dicht besiedelten Gebieten bzw. in landumschlossenen Regionen und Gebirgsregionen, wo sich die Verschmutzung nicht so leicht auflösen kann, gefährlicher sind. Zürich in der Schweiz, Bukarest in Rumänien, Mailand in Italien, das Ruhrgebiet in Deutschland und Barcelona in Spanien gehören zu den Regionen mit den höchsten Gesundheitskosten im Vergleich zu anderen großen Stadtgebieten. Das andere Extrem findet sich in Zypern, Malta und Finnland, wo derselbe Lkw Schäden in der Höhe von circa einem halben Cent pro Kilometer verursacht.

Die Berechnungen zeigen, dass neuere Lkw geringere Umweltauswirkungen und somit weniger Kosten verursachen würden. Lkw der EURO-Klasse IV, die bis zu 6 Jahre alt sind, bzw. der EURO-Klasse V mit einem Alter bis zu 3 Jahren würden 40-60 % weniger externe Kosten auf denselben Verkehrskorridoren verursachen. Würde man die externen Kosten der Luftverschmutzung den Güterkraftverkehrsunternehmen anlasten, so würden Anreize für neuere und sauberere Technologien geschaffen werden, besagt der Bericht.

Dieses Erkenntnisse erfordern eigentlich faire Bedingungen durch eine Internalisierung der derzeitigen straßenverkehrsbedingten Kosten für die restliche Gesellschaft. Die positive Wirkung eines derartigen Modells ist in der Schweiz zu sehen, nachdem dort vergleichbare Rechtsvorschriften erlassen wurden.

Bis Oktober dieses Jahres müssen die EU-Mitgliedsstaaten der Kommission Bericht erstatten, ob und wie sie Straßenbenutzungsgebühren erheben werden. Die von der EUA veröffentlichten detaillierten Zahlenangaben sollen den Mitgliedsstaaten bei ihren Entscheidungen hinsichtlich eines individuellen Systems helfen.

Der Link zur Studie