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Der NASA-Klimawissenschaftler James Hansen fordert eine Wiederbelebung der Atomkraft

In einem kürzlich auf einer NASA-Webseite veröffentlichten Aufsatz1) vergleicht James Hansen die Todeszahlen der fossilen Energieerzeugung. Er kommt zum Ergebnis, dass die Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas sehr viel mehr Todesopfer fordert, als wenn die gleiche Energiemenge mit Atomkraftwerken erzeugt würde.


(Grafik: Udo Schuldt; Foto: Bill Ebbesen)

In der Tat, die Todesraten der fossilen Energieerzeugung sind in der öffentlichen Debatte weitgehend ausgeblendet. Irrationale Ängste vor Chemtrails oder Haarp sind, folgt man den Internetdebatten in sozialen Netzwerken, bedeutender als rationale Vergleiche von Todesraten etwa des Autoverkehrs oder eben der fossilen Energieerzeugung.

Autoverkehr mit jährlich etwa 4 Millionen Todesopfern weltweit ist dabei ganz klar führend. Allein die Luftverschmutzung durch LKW kostet - nur in Europa - jährlich 350000 Menschen das Leben. Dass die Energieerzeugung aus Kohle, Öl und Gas auch tötet hat erst kürzlich ein Bericht der Health and Environment Alliance dem Fachpublikum deutlich gemacht. Die HEAL-Studie kam zu dem Ergebnis, dass Emissionen aus europäischen Kohlekraftwerken in bedeutender Weise zur Krankheitslast durch Umweltverschmutzung beitragen. Die in diesem Bericht veröffentlichten aktuellen Zahlen zeigen, dass EU-weit jährlich über 18.200 vorzeitige Todesfälle und über 8.500 neue Fälle von chronischer Bronchitis auf die Verfeuerung von Kohle zurückzuführen sind und mehr als 4 Millionen Arbeitstage verloren gehen. Einige Wochen vorher wurde die Greenpeace Studie "Der Tod aus dem Schlot" veröffentlicht, die zu ähnlichen Ergebnissen kam, nämlich, dass auf Deutschland bezogen jedes Jahr 3100 Menschen einen vorzeitigen Tod sterben. Global betrachtet prognostiziert der Climate Vulnerability Report 100 Millionen Tote durch die Kohlenstoff-Wirtschaft bis 2030, aufgrund abgasbedingter Krankeiten und des einsetzenden Klimawandels. Insofern sind Hansens Betrachtungen, dass die Todesopfer der Kohlenstoffwirtschaft jene der Atomenergieerzeugung weit übersteigen, durchaus plausibel.

Daraus kann jedoch nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Energieerzeugung aus fossilen Energien durch Atomenergie ersetzt werden sollte. Diese Konklusion ziehen aber Hansen und sein Co-Autor Pushker Kharecha. Sie wollen zwar auch regenerative Energien nutzen, aber ihr Plädoyer gilt der Atomkraft. Jedoch selbst wenn Atomkraft geringere Opferzahlen verursacht, wie die Nutzung fossiler Energien, so ist ihr Risiko für die Menschheit dennoch groß, denn den Strahlungsopfern nutzt es wenig, wenn sie statistisch gesehen mit geringerer Wahrscheinlich krank wurden. Darüber hinaus ist auch das Problem des Atommülls ungeklärt, denn es gibt keine sichere Lagerung über Jahrtausende.

Die größte Problematik ist aber die Weiterverbreitung von Atomwaffen. Viele der neuen Atommächte haben zunächst die zivile Nutzung der Atomkraft forciert, um dann die Technologie für die Bombe daraus zu entwickeln. Mit immer mehr Atommächten steigt aber, in einer zunehmend instabiler werdenden Welt, auch die Gefahr, dass Atomkriege Realität werden. Dieses Risiko sieht auch der Militärexperte Gwynne Dyer, der in seinem Buch "Schlachtfeld Erde - Klimakriege im 21. Jahrhundert" auch eine atomare Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan für wahrscheinlich hält, die dann hunderte von Millionen Menschenleben kosten würde.

Denkt man daran Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerke möglichst schnell zu ersetzen, so sind Atomkraftwerke ebenfalls keine gute Wahl. In Finnland wird am Olkiluoto-Reaktor bereits seit 8 Jahren gebaut und die Fertigstellung wird erst für 2016 erwartet. Nebenbei bemerkt erhöhten sich auch die veranschlagten Baukosten auf fast das Dreifache. Die etwa 5-fache Leistung dieses Atomreaktors wurde dagegen in Deutschland, in nur einem Jahr, durch neue Sonnenenergie-Anlagen bereit gestellt. In 2012 wurden nämlich fast 8000 Megawatt Solarenergie ans Netz angeschlossen. Dazu kommen noch die Windenergieanlagen die im gleichen Zeitraum mit ihrer Förderung begannen. Zusätzlich zu den erneuerbaren Energien ließe sich auch das enorme Potenzial der Energie-Einsparmöglichkeiten erschließen.

Zusammenfassend ist die atomare Energieerzeugung also keine Alternative zu Kohle, Gas und Öl. Diese Alternative sind die Erneuerbaren Energien und die Energieeinsparung, welche sehr viel geringere Risiken aufweisen, wie die Atomenergie und die die fossile Energieerzeugung sogar sehr viel schneller ersetzen könnten, wie es mit der nuklearen Option möglich wäre.


1)  Coal and gas are far more harmful than nuclear power