Urgewald *** GegenStrömung *** Pro Regenwald *** Alburnus Maior

Anlässlich der Allianz-Hauptversammlung kritisieren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen die Unterstützung der Allianz für katastrophale Projekte weltweit. Denn obwohl sich das Unternehmen gern als nachhaltig agierend präsentiert, versichert es die umstrittenen Energieprojekte Belo Monte und Angra 3 in Brasilien und prüft eine Absicherung der Goldmine Rosia Montana in Rumänien.


Reaktionen der Staatsmacht auf indigenen Protest gegen den Bau des Belo Monte Staudamms (Foto: mpeake)

„Das Staudammprojekt Belo Monte entzieht den Einwohnern der Amazonas-Region um Altamira und an der großen Flussschlinge des Xingu ihre Lebensgrundlage“, beschreibt Verena Glass von der Widerstandsbewegung „Lebender Xingu-Fluss“ die Situation in Brasilien. Durch das Staudammprojekt werden 400 km² Regenwald vernichtet und bis zu 40.000 Menschen sind von Zwangsumsiedlung bedroht. Tausende Fischer, Flussanwohner, Indigene und Kleinbauern stehen vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage. „Wir vor Ort begreifen dieses Projekt als massiven Angriff auf das Überleben Tausender Menschen in einer der artenreichsten Regionen Amazoniens und der Welt“, so Glass weiter. Die regionale Staatsanwaltschaft hat wegen Gesetzesbrüchen bereits 17 Klagen gegen das Baukonsortium eingereicht. Die Allianz sichert den Staudamm Belo Monte mit über 400 Mio. Euro ab, obwohl führende Mitarbeiter der Allianz sich noch vor wenigen Jahren explizit gegen die Absicherung dieses Großstaudammes ausgesprochen haben.

Auch am zweiten der beiden umstrittensten Energieprojekte Brasiliens ist die Allianz beteiligt: sie versichert den Bau des Atomkraftwerks Angra 3 mit. Angra 3 ist seit den 70er Jahren in Planung, der Bau wurde nach einer kurzen Phase in den 80er Jahren auf Eis gelegt und erst 2010 wieder aufgenommen. Da der gleiche Reaktortyp gebaut werden soll, der in den 70ern geplant wurde, ist die Anlage bereits vor Fertigstellung hoffnungslos veraltet. Zudem liegt der Standort in einer erdrutschgefährdeten Gegend, was die Evakuierung der gut 170.000 dort lebenden Menschen im Notfall fast unmöglich macht. „Falsche Annahmen, ein gefährlicher Standort, veraltete Reaktortechnologie, unzureichende Sicherheitsanalysen und mangelnde Aufsicht durch eine unabhängige Atomsicherheitsbehörde sind die Zutaten, die zur Katastrophe von Fukushima geführt haben“, erklärt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald. „Alle diese Faktoren liegen auch bei Angra 3 vor. Deshalb ist es unverantwortlich, dass die Allianz sich an der Versicherung für dieses Projekt beteiligt.“

Darüber hinaus kritisieren Umweltschützer, dass die Allianz prüft, die rumänische Goldmine Rosia Montana in den Westkarpaten zu versichern. Dort will der Kanadische Minen-Junior Gabriel Resources im Tagebau Gold abbauen. Dafür würden sowohl Menschen von ihrem Land vertrieben, als auch einzigartige historische Galerien aus römischer und vorrömischer Zeit zerstört. Der lokale Widerstand gegen das Projekt läuft seit 13 Jahren und ist zur größten sozialen und Umweltkampagne Rumäniens geworden, er wird breit von den Kirchen,  Künstlern, Journalisten, Wissenschaftler sowie der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und dem Rumänischen Königshaus unterstützt. Der Goldabbau soll mit Zyanid erfolgen, weshalb ein großer Zyanidsee entstehen wird. Im Jahr 2000 verursachte der Dammbruch eines solchen Zyanidsees im rumänischen Baia Mare eine der größten Umweltkatastrophen Osteuropas. „Es ist absoluter Wahnsinn und unverantwortlich, dass die Allianz eine Versicherung überhaupt prüft. Die Weltbank entschied sich schon 2002 wegen des Reputationsrisikos gegen eine Finanzierung Rosia Montanas. Sie hat verstanden, dass dort unwiederbringliche Werte zerstört würden für eine Zyanid-Zeitbombe, die früher oder später explodieren wird. Bisher suchen die Investoren vergeblich eine Versicherung. Andere Versicherer haben sich die Probleme des Projekts und die breite Unterstützung des Protests angeschaut und die Finger davon gelassen. Das sollte die Allianz auch tun, wenn sie sich großen Ärger ersparen will“, erklärt Stephanie Roth, Mitglied von Alburnus Maior, der Oppositionsgruppe der lokalen Landeigentümer und Bauern.