WELT-Autor Henryk M. Broder hat in einem Beitrag, für die Springer-Zeitung, das Umweltbundesamt kritisiert. Es sei vergleichbar mit einer Behörde des Nazi-Propagandaministeriums, des Propaganda-Ministers Goebbels. Er nimmt Anstoß daran, dass das Umweltbundesamt Position gegen "Klimaskeptiker", wie die "Journalisten" Maxeiner und Miersch, bezieht. Dabei hat sich die Behörde nur schützend vor die Klimawissenschaften und die Umweltbewegungen gestellt. Eigentlich ein feiner Zug. Goebbels und seine Behörden haben dagegen Bevölkerungsgruppen schlecht gemacht und verleumdet.


(Foto: Dipsey)

Denkt man an das Lexikon der Öko-Irrtumer, welches von Maxeiner und Miersch herausgegeben wurde, dann findet man darin auch Vergleiche der Umweltbewegungen mit Nazi-Institutionen oder dem Stalinismus. Das Greenpeace-Magazin schrieb dazu: "Sie machten für den Chemie-Multi „phantasievolle Pressearbeit“ (Handelsblatt), als Textchefs der umstrittenen Hoechst-Zeitschrift „Change“. 1996 fiel ihr gemeinsames Buch „Öko-Optimismus“ unangenehm auf, mit verbalen Attacken gegen „Pseudo-Ökos“, „Ökoheuchler“, „Ökopharisäer“, „Ökochonder“, „Ökopriester“, „Ökopäpste“, „Ökoromantiker“, „Öko-Stalinisten“ und so weiter. Jetzt sind die Autoren noch einen Schritt weitergegangen. In ihrem neuen Lexikon scheuen sie sich nicht, den Nazi-Propagandisten Goebbels für ihre Argumentation zu zitieren (Seite 136). Und sie nennen „Nationalsozialismus“, „Kommunismus“, „totalitäre Ideologien“ und „Ökologismus“ in einem Atemzug (Seite 11)."

Maxeiner und Miersch sind offenbar gar keine Skeptiker, sondern Ideologen, denn ein Skeptiker hegt Skepsis und die ist ein Zustand kritischen Zweifels, "... im Sinne einer Unentschiedenheit zwischen mehreren möglichen Annahmen, da entgegengesetzte oder unzureichende Gründe zu keinem sicheren Urteil oder einer Entscheidung führen können ..." (Wikipedia). Wenn sich jemand im Begriff der Wahrheit wähnt und diese in einem Lexikon aufschreibt, in dem er Umweltfolgen und Klimawandel leugnet, dann ist die Bezeichnung Leugner für ihn zutreffender.

Echte Spektiker sind vor allem Wissenschaftler selbst. Dennoch ist sich die Wissenschaft weitgehend einig, dass eine menschengemachte Erderwärmung stattfindet. 97% aller wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema vertreten die Auffassung, dass eine deutliche Klimaerwärmung stattfindet und dass die Ursache dafür der Mensch, aufgrund seiner Lebensweise und technischen Hilfsmittel, ist. Diese Erkenntnis ist auch in Übereinstimmung mit einer Umfrage vor einigen Jahren, die zu dem Resultat kam, dass 97% der befragten Klimawissenschaftler der Meinung sind, dass eine menschengemachte Erderwärmung stattfindet. Differenzen und Unsicherheiten gibt es in Detailfragen. Vieles ist noch nicht ausreichend geklärt und zu diesen Fragen gibt es selbstverständlich immer noch einen wissenschaftlichen Disput.

Man kann solche Fakten ignorieren, wie es Klimawissenschaftsleugner machen und man kann auch wie Henryk M. Broder in seinem Beitrag behaupten, dass die Klimawissenschaft keine eindeutige Haltung hat, zum Beispiel wenn man Menschen manipulieren will. Das ist erlaubt und fällt unter die Meinungsfreiheit. Wenn das Umweltbundesamt aber dann auf die wissenschaftlichen Fakten hinweist, den breiten Konsens deutlich macht und eben auch sogenannte "Klimaskeptiker" mit Namen benennt, wie bei Maxeiner und Miersch, dann ist es aus Sicht von Broder eine Nazi-Institution, die angeblich die freie Meinungsäußerung unterdrücken will. Dabei haben die Autoren des Umweltbundesamt-Berichtes gerade dieses Recht auf Meinungsfreiheit für sich in Anspruch genommen.

Broder schreibt: "Das Umweltbundesamt beansprucht die Deutungshoheit beim Klimawandel für sich und stellt Journalisten in der Debatte an den Pranger. Ein solches Vorgehen erinnert an Reichskulturkammer und DDR-Regime." Demgegenüber eine Leseprobe aus dem Text des UBA: "Nach gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird die fortschreitende Klimaerwärmung zu Veränderungen der Stärke, der Häufigkeit, der räumlichen Ausdehnung und der Dauer von Extrem- Wetterereignissen führen." Absolut wissenschaftlich ausgedrückt, hier werden nämlich gerade keine absoluten Wahrheiten verkündet. Damit dieser Text nicht zu lang wird soll dieses Beispiel genügen. Wer will kann sich ja das kostenlos erhältliche Papier des UBA durchlesen und vor dem Hintergrund, der 97-prozentigen Übereinstimmung der Klimawissenschaften, dass die Erderwärmung anthropogen ist, bewerten. Es lohnt sich aber ohnehin den Text zu lesen.

Die Reichskulturkammer war eine Behörde des Propagandaministers Goebbels. Wenn nun eine Bundesbehörde Propaganda und Manipulation entlarvt, ist es das genaue Gegenteil, es ist ein Beitrag zur Aufklärung. Immanuel Kant schrieb: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude [lat.: „wage es, zu denken“]! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ Soweit der Philosoph.

Manipulation ist dagegen der Versuch, den Verstand eines anderen zu kontrollieren. Und da zeigt sich, dass Broder entweder seinen Verstand nicht gebraucht hat, weil er auf die Manipulation anderer hereingefallen ist, oder er manipuliert bewusst selbst. Ein Beispiel hierfür: Broder schreibt, dick und fett: "Tatsächlich ist die Klima-Frage umstritten". Vor dem Hintergrund der oben genannten wissenschaftlichen Übereinstimmung, kann man diese Aussage eben als Manipulationsversuch interpretieren, denn ein unkritischer Leser wird denken, die Tatsache der menschengemachten Erderwärmung wäre in der Wissenschaft umstritten, was sie ja nicht ist (siehe oben). Oder Broder weiß es wirklich nicht besser, was zeigt, dass er offenbar nicht den Mut besitzt sich seines Verstandes zu bedienen. Das Umweltbundesamt macht hingegen den wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel deutlich und benennt diejenigen mit Namen, die zu manipulieren versuchen. Das ist verdienstvoll, unterstützt den Kantschen Ansatz und wirkt Propaganda entgegen.

Maxeiner und Miersch nennen sich wohl selbst "Journalisten". Sie standen und stehen somit im Rampenlicht, da haben sie sich sogar selbst positioniert. Deshalb kann von anprangern auch keine Rede sein. Öffentliche Kritik an Personen öffentlichen Interesses ist erlaubt und auch notwendig. Es ist wichtig, dass erkannt wird, dass es immer dieselben Personen sind, die den Klimawandel leugnen und dass es eben nur eine kleine Handvoll von eher unseriösen Journalisten sind, die sich der Methoden der Propaganda und Manipulation bedienen.

Nicht zuletzt sollte man sich auch der Konsequenzen bewusst werden, wenn die 97-prozentige Mehrheitsmeinung der Klimawissenschaften doch recht hat. Das bedeutet nämlich, dass die "Klimaskeptiker", mit ihren Manipulationsversuchen, das Überleben der Menschheit riskieren. Sieht man ja an den USA, wo Skeptiker und Leugner im Kongress jeden Klimaschutz verhindern.

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