Vorstellung des neuen Berichtes an den Club of Rome – „Der geplünderte Planet – die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“ von Ugo Bardi

Zusammenfassung der Präsentationsveranstaltung der deutschen Version des Berichtes  vom 06.06.2013 in Berlin

Folgende Redner waren mit einem Statement zum neu vorgelegten Bericht zu hören:

  • Ernst-Ulrich von Weizsäcker -  Co-President des Club of Rome
  • Ugo Bardi – Autor des aktuell vorgestellten Buches „Der geplünderte Planet“
  • Eberhard Brandes – Vorstand des WWF Deutschland
  • Maja Göpel – Leiterin des Wuppertal Instituts Berlin
  • Ian Jonson – Generalsekretär des Club of Rome

Um es vorweg zu nehmen: sämtliche Beiträge waren von höchster Qualität und stellten die seit über 40 Jahren bekannte Problematik der „Grenzen des Wachstums“ aus heutiger Sicht dar. Die erste Quintessenz aller Referenten bestand in der Erkenntnis, dass sich die Problematik der Wachstumsgrenzen keineswegs aufgelöst, sondern sich vielmehr erstens überwiegend bewahrheitet und zweitens bis heute deutlich verschärft und zugespitzt hat.


Erde vom Merkur aus gesehen - unbegrenztes Wachtum auf einem begrenzten Planeten ist unmöglich (Foto: NASA)

„Je ärmlicher die Lagerstäten werden, desto größer ist der Schmutz“ -  Ernst-Ulrich von Weizsäcker

Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der als Autor unter anderem der  Bücher „Faktor Vier“ und „Faktor Fünf“ ausführlich die Potentiale von Effizienz und Suffizienz herausgearbeitet hat,  wies in seinem Begrüßungsbeitrag zunächst auf die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen hin – eine Feststellung, die natürlich längst allgemein bekannt sein sollte, die aber von der Menschheit offenbar bis heute weitgehend ignoriert wird. Das Problem knapper werdender Ressourcen stellt von Weizsäcker so dar:  „Je ärmlicher die Lagerstäten werden, also zum Beispiel beim Kupfer, desto größer ist der Schmutz!“ – Die Gewinnung knapp werdender Ressourcen bedingt also sowohl stark zunehmende Aufwendungen für die Gewinnung sowie eine stark zunehmende Umweltbelastung. Er weist auch darauf hin, dass für sehr dringend benötigte Ressourcen wie Öl, Wasser, Phosphate etc. eine Verknappung durchaus zu internationalen, auch kriegerischen Konflikten führen kann. Dies bedeutet, dass eine weitere Verknappung verschiedenster Rohstoffe die Gefahren für die Menschheit auf unterschiedlichsten Ebenen massiv erhöhen – eine Erscheinung, die dringend zu verhindern ist.


“The double limit of depletion and pollution” – Ugo Bardi

Ugo Bardi, der Autor des hier vorgestellten Buches „Der geplünderte Planet“, erinnert ebenfalls daran, dass die Erde und ihre Ressourcen zwar insgesamt groß, aber dennoch begrenzt sind. Die Gewinnung von Restkapazitäten erfordert dabei zunehmende Aufwendungen von Energie. Um eine gewisse Menge an konventioneller, fossiler Energie zu gewinnen, muss heute schon ungleich mehr an Energie aufgewendet werden, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Das Verhältnis von Ertrag zu Aufwand schwindet daher in unserer Zeit bereits für viele Rohstoffe und Energieträger rapide. Bereits der erste Bericht des Club of Rome („Die Grenzen des Wachstums“, 1972) hatte dies in seiner Modellrechnung vorausgesagt. Einem exponentiell anwachsenden Aufwand steht ein massiv schwindender Ertrag gegenüber.

Bei heute angewendeten, vielfach umstrittenen Techniken zur Energiegewinnung zeigt Bardi am Beispiel der Schiefergasgewinnung durch Fracking sehr klar auf, dass die Menschheit inzwischen einer doppelten Begrenztheit gegenübersteht: Erschöpfung der Vorräte und Umweltverschmutzung („the double limit of depletion and pollution“). Auch diese Umweltverschmutzung muss letztlich irgendwann von irgendjemandem bezahlt werden – dies ist in jedem Fall unausweichlich.

Auch bei anderen Energieträgern, nicht zuletzt dem Öl, setzt die Entwicklung von explodierenden Gewinnungspreisen zu abnehmenden Erträgen aktuell ein. Zusätzlich führt die Verbrennung fossiler Energieträger natürlich zu einer heute kaum mehr verantwortbaren CO2-Belastung. Dabei wird Energie als solche natürlich immer benötigt – wie ökologisch die Menschheit sich auch immer verhalten mag. Auch Recycling benötigt Energie, das Bauen von Fahrrädern benötigt Energie, der Wandel hin zu erneuerbaren Energien benötigt Energie - ohne Energie geht es nach Bardi’s Überzeugung also nicht.

Klar ist daher, dass ein Wandel unausweichlich geworden ist – und dieser Wandel kann ohne Opfer nicht vollzogen werden.


„Kreislaufmodelle und Vollkostenrechnung“ - Eberhard Brandes

Eberhard Brandes geht zunächst anhand einiger Bilder auf die große Umweltzerstörung ein, die von Menschen durch die Bewirtschaftung erzeugt wird. Wo früher ein gesunder, unberührter Wald war, ist heute – im Zuge des Fracking – eine Wüste eingezogen. Er verweist auch auf die damit einhergehende Vertreibung indigener Völker und die Verseuchung des Bodens, die uns noch sehr lange Zeit beschäftigen wird.

Doch nicht nur die Umwelt wird zerstört, sondern auch Menschen, die in Minen arbeiten müssen, werden teilweise massiv geschädigt – gezeigt am Beispiel einer Coltan-Mine in Ruanda. Die gewonnenen Materialien sind radioaktiv, in den Minen arbeiten vielfach 10-12-jährige Kinder, die den radioaktiven Stäuben ausgesetzt sind.

An diesen und anderen Beispielen macht Brandes deutlich, dass gegen solche Entwicklungen entschieden gehandelt werden muss. Er verweist auf den „Living Planet Report“ des WWF, der in regelmäßigen Abständen aufzeigt, wie einerseits die ökologische Vielfalt ständig abnimmt und der ökologische Fußabdruck gleichzeitig immer weiter ansteigt.

Brandes folgert daher, dass heute der Aufbau von konsequenten Stoffkreislaufsystemen unausweichlich geworden ist. Die größten Kupfervorkommen in Deutschland liegen heute – unter der Straße, gleichzeitig läuft der Ausbau eines Glasfasernetzes. Dabei liegen die Konzepte und Verfahren für Recycling durchaus vor, sie werden aber bislang nur in viel zu geringem Maß angewandt. Hier besteht auch dringender politischer Handlungsbedarf, Recyling sollte in heutigen Produkten zumindest für einige Komponenten nachgewiesen werden müssen.

Eine weitere zentrale Forderung stellt die Integration sogenannter „externer Kosten“ in die Produktpreise dar. Gerade die ökologischen Kosten, für die es heute schon gute Berechnungsmodelle gibt, sind in die Produktpreise zu integrieren. Eine echte Vollkostenrechnung ist also ein unbedingt erforderlicher Schritt in Richtung ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens. Der WWF möchte seinen Beitrag auf diesem Weg versuchen zu leisten.


„Die Freiheit, suffizient leben zu dürfen“  - Maja Göpel

Der sehr inhaltsreiche Vortrag von Maja Göpel, deren vielfältige Aspekte hier nur sehr kurz angerissen werden können, konzentriert sich auf die Frage: Wie können wir den Wandel zu einer nachhaltigen Welt gestalten?

In einem ersten Aspekt wird die „Macht der Pfadabhängigkeiten“ oder die Frage behandelt, warum es uns eigentlich so schwer fällt, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten? Offenbar sind die vorhandenen Strukturen nicht geeignet, einen Wandel zur Nachhaltigkeit zu unterstützen. Nach Einstein können unsere Probleme nicht mit den Denkstrukturen gelöst werden, mit denen sie geschaffen wurden.

Auch Nachhaltigkeit selbst sollte in ihren drei Säulen ganzheitlich betrachtet werden: die soziale, die ökonomische und die ökologische Komponente. Diese Säulen sollten nicht separat, sondern integriert betrachtet werden.

Zur Frage des Wachstums äußert sich Göpel sehr klar: mit Nullwachstum sind wir nicht zukunftsfähig, da wir momentan schon 1,5 Planeten verbrauchen. Nullwachstum reicht nicht. Der Wachstumszwang unserer Geldsysteme muss daher überwunden werden.

Um den Klimawandel noch in einem vertretbaren Rahmen zu halten, sollten heute einer Studie zufolge 2/3 der noch vorhandenen Ölvorräte besser im Boden verbleiben, Gleichzeitig bewerten Finanzanalysten bei den Zukunftsaussichten von Ölkonzernen die zu erwartenden, steigenden Ölpreise entsprechend ein, was den Aktienwert steigert. Dadurch steigt die wirtschaftliche Macht von Ölkonzernen, was auch eine Zunahme politischer Macht zur Folge hat. Dies muss natürlich überwunden werden, denn aus heutiger Sicht wird die nächste Blase eine CO2-Blase sein, weil irgendwann die Industrie, die letztlich vom CO2-Ausstoß lebt, kollabieren muss.

Wir befinden uns heute in einer multiplen Krise: eine ökologische, eine soziale und eine Finanzkrise. Eine Lösung der Problematik kann nur in einer Befreiung aus dem eigenen System liegen. Die gesamte Gesellschaft ist heute einer Marktlogik unterworfen. Gerade die multiple Krise gibt uns jedoch auch die Chance, Systeme in der Gesamtheit neu zu überdenken und grundsätzlich neue Wege zu gehen.

Notwendig sind also systemische Innovationen. Wahrscheinlich können diese auf lokaler Ebene eher geleistet werden. Suffizienz ist hierbei ein zentrales Konzept, wobei diese nicht einfach nur als „Beschränkung“ erfahren werden muss, sondern zunächst als politisch radikales Konzept, das auch ein „weniger als heute“ als „genug“ erachtet. Ziel muss zunächst eine Mindestversorgung hinsichtlich real gelebter Menschenrechte und Bedürfnisbefriedigung aller Menschen sein.  Der so skizzierte, radikale Wandel kann dann gelingen, wenn wir ihn als Freiheit kennen lernen. Die Freiheit, suffizient leben zu dürfen, anstatt immer mehr haben wollen zu müssen.


Ian Jonson – „The shadow price of carbon is rising”

Der Generalsekretär des Club of Rome weist in seinem abschließenden Beitrag zunächst auf die historisch positiven Aspekte der Ressourcenausbeutung hin, ohne die der ungeheure Fortschritt der vergangenen 200 Jahre nicht denkbar gewesen wäre. In den vergangenen Jahren entsprachen die Kosten der Ressourcenausbeutung, die die Unternehmen zu tragen hatten, allerdings in keiner Weise mehr den Kosten, die für die Gesellschaft entstehen. Und eben diese Lücke wächst immer mehr. Die Schattenpreise des Kohlenstoffs nehmen ständig zu.

Wir haben von der Ausbeutung des Planeten profitiert, wir zahlten aber auch einen Preis dafür. Die Frage ist, ob wir diesen Preis weiterhin bezahlen können. Der reale Preis pro Barrel Öl müsste heute einer Studie zufolge – alle Kosten einberechnet – 400$ betragen.

Noch können wir uns entscheiden – allerdings werden die Entscheidungen selbst heute hart ausfallen müssen. Jonson drückt die Hoffnung aus, dass das vorgestellte Buch, das von ihm als „brilliant“ bewertet wird, die dringend notwendige Diskussion um neue Lösungen stimulieren wird.


Fazit

Wie Ugo Bardi sagte – „Jemand muss den Preis bezahlen“, („Somebody has to pay the price“) den wir unserer Erde durch rücksichtslose Ausbeutung und Verschmutzung zugefügt haben. Je eher wir damit beginnen, desto geringer wird dieser Preis sein. Diese Aussage schwebte als gemeinsame Überzeugung über allen Vorträgen und den wesentlichen Statements der Referenten.

Eine Beschränkung wäre in den 1970er Jahren noch relativ einfach zu bewerkstelligen gewesen, heute ist dies schon deutlich schwieriger. Dennoch – wir haben keine Alternative, außer wir entscheiden uns, dass unsere Kinder und Enkel den Preis alleine bezahlen. Lässt sich dies ethisch verantworten? Ich meine, nein.