Menschen reagieren auf kurzfristige Ereignisse. So wurde die Tatsache, dass sich dieser Schmelzwassersee in der Nähe des Nordpols gebildet hat, auf unserer Facebook-Seite mit großem Erstaunen und Erschrecken kommentiert. Aber, diese nördlichste Schmelze bedeutet noch nicht das Ende der Welt und sie war vorhersehbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit lässt es sich ohnehin nicht mehr verhindern, dass das Nordpolarmeer im Sommer eisfrei sein wird, selbst dann nicht, wenn die Menschheit ab sofort keine technischen oder landwirtschaftlichen Treibhausgase mehr verursacht.

Da die Erwärmung aufgrund der Treibhausgase mit einer Verzögerung von Jahrzehnten wirkt und das CO2 in der Atmosphäre bereits für einen weiteren Temperaturanstieg auf etwa 1,4 Grad im globalen Durchschnitt - bezogen auf die vorindustrielle Temperatur - ausreicht, wird das Nordpolarmeer weiter schmelzen. Da kann man nichts mehr machen. Die frei werdenden dunklen Wasserflächen absorbieren dann auch mehr Wärme wie die Eisflächen, was zu noch stärkerer Schmelze und Erwärmung führt. Hier wurde ein Kipppunkt überschritten. Das System ist dabei in einen neuen Zustand zu kippen. Bekannterweise neigen natürliche System ja zum umkippen, nach einer längeren Phase linearer Veränderung.

Nun wird von Klimawissenschaftsleugnern immer wieder als Gegenargument vorgebracht, dass ja bereits in den fünfziger Jahren U-Boote am Nordpol auftauchen konnten. Dieses Argument ist aber nur ein Beweis des Unwissens dieser Leugner, denn sogar im Winter bricht das Packeis am Nordpol immer wieder auf, was zu offenen Rinnen, sogenannten Polynja, führt, die schnell wieder zufrieren. Dies erklärt auch, wie es seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts U-Booten möglich war, am Nordpol aufzutauchen. Die U-Boote waren nicht in der Lage, dickes Eis zu durchstoßen und mussten deshalb nach solchen Rinnen suchen, wo das Eis dünner war.

Wie man in dem obigen Film sieht handelt es sich bei dem aktuellen Nordpolsee nicht um eine Polynja, sondern um einen Schmelzwassersee, der auf einer Eisfläche liegt. In dem Film sieht man ja deutlich wie er sich gebildet hat. "Normal" ist auch ein Wort, das sich in jüngster Zeit immer weniger auf die Artkis anwenden lässt. Die Schmelzsaison 2012 war - zum Beispiel - der letzte Höhepunkt in einer Reihe von Rekordjahren, was eindeutig gezeigt hat, dass das Eis dünner ist, als es seit sehr langer Zeit gewesen ist. 

Dieser Schmelzwassersee am Nordpol bedeutet nicht das Ende der Welt, er ist aber ein sichtbarer Grund mehr um endlich beim Klimaschutz voran zu kommen. Die Lebensbedingungen für die Menschen werden schlechter, aber wir können uns noch anpassen. Nicht anpassen können werden sich dagegen Schneehuhn, Polarfuchs oder Eisbär. Ihr Ende ist absehbar. Warum werden die meisten Menschen bloß immer erst aufmerksam, wenn es für vieles zu spät ist.