Am Montag, um zehn Uhr, besetzten Aktivist*innen der Reclaim Power Fahrradkarawane den Eingang und das Dach des Pförtnerhauses des Sitzes der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover (Stilleweg 1). Die Aktivist*innen wenden sich gegen die Rolle der Behörde bei der Rohstoffausbeutung sowie ihre Verflechtungen mit großen Energiekonzernen und fordern eine unabhängige Wissenschaft.


(Foto: © RPT)

Das BGR soll eine unabhängige Institution sein, die die Bundesregierung berät. Die Arbeiten des BGR stehen jedoch nicht nur im Dienste der deutschen Wirtschaft, sondern werden auch durch sie finanziert. So wurden z.B. zwei Stellen zu einer CCS-Studie durch den RWE Konzern finanziert. Im Kuratorium des BGR sitzen die großen Energiekonzerne wie Exxon Mobile, Wintershall oder RWE. Die Auswirkung dieser Lobbyarbeit zeigt sich darin, dass sich das BGR positiv für Braunkohleabbau und die umstrittenen Fracking- und CCS- Technologien ausspricht. Außerdem unterstützt die Behörde seit Jahren mit ihren Gutachten die Durchsetzung des Standpunktes Gorleben als Endlager für Atommüll.

Das BGR spielt eine zentrale Rolle bei der Rohstoffausbeutung der deutschen Wirtschaft innerhalb und außerhalb Deutschlands. Dafür werden die Rohstoffvorkommen weltweit gesichtet, erforscht und auf die Möglichkeiten ihrer Ausbeutung geprüft. Das BGR liefert das strategische Wissen für die sogenannten „bilateralen Rohstoffpartnerschaften“ mit der Mongolei, Chile, Kasachstan oder Peru. Durch den harmlos klingenden Rohstoffabbau werden die überlebensnotwendigen Subsistenzstrukturen und die Umwelt der örtlichen Bevölkerung zerstört.

Gegen diese Logik stellt sich die Reclaim Power Tour. Die Fahrradkarawane ist zur Zeit auf dem Weg vom Klimacamp in der Lausitz zum Klimacamp im Rheinland und macht unterwegs Halt an energiepolitisch umstrittenen Orten, um Gruppen zu vernetzten, die gegen Kohle, Atom oder Fracking aktiv sind. „Wir setzen uns für das Leben auf dieser Erde von Menschen, Tieren, Pflanzen etc. ein“, sagt der Aktivist Hannes Butke. „Dieses Leben wird tagtäglich durch die Folgen der kapitalistischen Wirtschaftsweise zerstört, wie sie das BGR unterstützt. Klimawandel findet jetzt statt und hat seine Ursachen vor allem in der fossilen Energiepolitik. Täglich sterben außerdem Menschen durch Uranabbau oder den Abbau von ‚Rohstoffen‘ für sogenannte Erneuerbare Energieträger.“

„Wir fordern eine selbstorganisierte Energiepolitik“, sagt Claudia Heinrich von der Reclaim Power Tour. „Sie muss von Energienutzer*innen und den durch die Rohstoffausbeute Betroffenen bestimmt werden. Sie muss als Ziel haben, Energie zu erzeugen, ohne Leben zu gefährden. Diese Ziele können nur durch eine Bewegung von unten durchgesetzt werden, die sich zugleich gegen eine zerstörerische Energiepolitik wehrt. Sie stehen der Wachstumsideologie entgegen, daher muss ihre Durchsetzung von Regierungen unabhängig sein.“