Greenpeace Österreich veröffentlichte diese Woche eine Presseerklärung nach der Atomenergie die teuerste und gefährlichste Technologie sei. Leider ein Irrtum. Teurer und gefährlicher ist das Verkehrsmittel Auto. Anschließend folgen, mit nur leicht verringerter Gefahr, die Waffen. Und auch danach ist die Atomenergie immer noch nicht die gefährlichste Technik, denn die fossile Energieerzeugung ist auch noch gefährlicher. Dies spricht aber nicht für Atomkraft, denn sie ist immer noch gefährlich genug. Insbesondere die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen und die ungelöste Atommüllfrage stellen eine Bedrohung für die Menschheit dar.

Unfall eines Gefahrguttransporters - die eigentlich gefährlichste Technologie ist das Auto.

(Foto: Public Domain)

Die Kämpfer für den grünen Frieden machten diese Aussage anlässlich der am Montag beginnenden Strategischen Umweltverträglichkeitsprüfung für die tschechische Energiestrategie. Laut Aussagen des stellvertretenden tschechischen Industrieministers Pavel Solc will das österreichische Nachbarland den Anteil an Atomkraft weiter ausbauen. Greenpeace warnt nun vor einem Ausbau der Atomkraft in Tschechien und fordert die österreichischen VertreterInnen in Brüssel auf, entschieden gegen die Pläne der tschechischen Regierung vorzugehen:

"Die Pläne der Tschechischen Regierung sind halsbrecherisch gefährlich und machen ökonmisch keinen Sinn. Erneuerbare Energien können bereits jetzt günstigeren Strom erzeugen, obwohl Atomkraft europaweit noch immer mit mehr Steuermitteln gefördert wird. Die österreichische Bundesregierung muss gemeinsam mit Verbündeten aus anderen Ländern in der EU-Energiestrategie für das Jahr 2030 sicherstellen, dass Atomkraft als gefährlichste und teuerste Technologie außerhalb der Geschichtsbücher keinen Platz mehr in Europa hat", so Greenpeace Geschäftsführer Alexander Egit. Österreich müsse 35 Jahre nach der Volksabstimmung gegen die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf die Verantwortung als Vorreiter gegen Atomkraft in Europa wahrnehmen.

So richtig es ist die tschechische Regierung zum Ausstieg aus der Atomenergie aufzufordern, so falsch ist die Aussage, dass Atomenergie die gefährlichste Technik ist. Anders sieht es mit der Aussage aus, dass Atomenergie laut Finanzanalysten als unwirtschaftlich gelte, dem ist unbedingt zuzustimmen. Aber zurück zur Gefährlichkeit menschlicher Technologien. Gegenwärtig ist der Autoverkehr mit jährlich über 1 Million Unfall-Toten, ca. 3 Millionen Toten aufgrund von Atemwegserkrankungen durch Abgase und mehreren zehnmillionen Verletzten und Erkrankten eindeutig führend. Während bis zur Mitte des 20 Jahrhunderts die Kriegswaffen die Technologie waren, die am meisten Opfer forderten, überholten die Opferzahlen des Automobilismus die der Waffentechnik in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Im 21. Jahrhundert ist der Automobilismus jedoch einsamer Spitzenreiter bei den Todeszahlen, daran hat auch Fukushima nichts verändert.

Kohleverbrennung in Kohlekraftwerken fordert nochmal zehntausende von Todesopfern, weltweit, pro Jahr, das hat Greenpeace selbst vor einiger Zeit festgestellt. Arsen, Quecksilber und Feinstäube sind einfach extrem ungesund und sie entstehen bei der Verbrennung von Stein- und Braunkohle und werden von den hohen Schornsteinen über das Land getragen. Die Kohleverstromung ist mit diesen Zahlen bereits gefährlicher als die Atomenergie. Hinzu kommen weitere Todesopfer, die Zahl der in den Kohlegruben gestorbenen Kumpel liegt zum Beispiel bei mehreren Tausend pro Jahr.

Natürlich ist auch Atomenergie gefährlich, aber eben nicht so gefährlich wie die zuvor genannten Technologien. Potenziell ist sie allerdings extrem gefährlich, wenn man die Atomwaffen ebenfalls als eine Form der Atomenergie betrachtet, die tatsächlichen Opferzahlen der anderen Technologien überwiegen aber seit Beginn der Industriealisierung. So liegt die größte Gefährlichkeit der Atomenergie auch in der Förderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Autoverkehr, Kriegswaffen und fossile Kraftwerke dürfen aber nicht verniedlicht werden. Das geschieht jedoch, wenn die Reihenfolge der tatsächlichen Gefährlichkeiten umgekehrt wird. Dabei sollte niemand vergessen, dass auch die Verbrennung fossiler Energie das Potenzial einer Massenvernichtungswaffe hat, wenn die menschengemachte Erderwärmung nicht gestoppt wird.

Dem Fazit von Greenpeace ist dennoch teilweise zuzustimmen: "Atomkraft darf außerhalb der Geschichtsbücher keinen Platz mehr in Europa haben." Teilweise deshalb, weil Atomkraft auch außerhalb Europas nur noch einen Platz in den Geschichtsbüchern haben sollte.

Link nach Greenpeace Österreich

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Siehe auch: Luftverschmutzung durch LKW kostet jährlich über 350000 Menschen in Europa das Leben