Ob die Bilder aus den Philippinen etwas ändern werden? Zumindest sind die Klimawissenschaftsleugner etwas stiller geworden, schließlich war Haiyan der stärkste Tropensturm der in den letzten etwa zweihundert Jahren über Land gezogen ist. Gegenwärtig ist es so offensichtlich, dass die Klimawissenschaftler recht hatten als sie immer wieder sagten wärmeres Wetter würde extremere Ereignisse hervorbringen, dass die Leugnung des Klimawandels unglaubwürdig wird, weil er einfach zu offensichtlich ist. Aber wir können ebenfalls sicher sein, dass die Leugner wiederkommen, wenn die aktuellen Katastrophen des November 2013 stärker in Vergessenheit geraten sind. Trotz der Ereignisse ist nicht zu erwarten, dass die Klimaverhandlungen in Warschau wesentliche Fortschritte bringen. Es sind ja erfahrungsgemäß keine moralischen Kategorien die das Weltgeschehen bestimmen.

Teilnehmer des Klimagipfels in Warschau
Zum Foto: Teilnehmende des COP19-Klimagipfels in Warschau

(Foto: Mateusz Włodarczyk; Originaltitel: COP19 opening; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Kanadas Ölfirmen wollen auch weiterhin die Ölsande ausbeuten und sie werden dabei von der kanadischen Regierung unterstützt, ebenso wie Saudi-Arabiens Regierung ein Interesse am Verkauf möglichst seines ganzen noch in der Erde befindlichen Öls hat.

"Die Erdölkonzerne sind ein Schurkenverein, rücksichtslos wie keine andere Macht auf Erden, der Hauptfeind für das Überleben der Menschheit",

sagt Bill McKibben, der bekannte amerikanische Umweltaktivist.

McKibben erklärte schon vor einiger Zeit in einem Artikel in der Zeitschrift "Rolling Stone", dass es, wenn es nach den Öl-, Kohle- und Gaskonzernen geht, unaufhaltsam zu mehr Klimakatastrophen kommt, ähnlich derer, die nun in den Philippinen stattfinden. Drei nüchterne Zahlen seien es, welche diese Veränderung beschreiben:

  • Die Aussage von Wissenschaftlern, dass ein Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad katastrophale Folgen für die Menschheit hätte und die Menschen danach machen können was sie wollen, die Temperatur stiege weiter - aufgrund des induzierten Impulses, der dann natürliche Erwärmungsfaktoren anstößt.
  • Der Menge von 565 Gigatonnen CO2 die höchstens noch erzeugt werden dürfen um die 2 Grad-Grenze nicht zu überschreiten.
  • Die 2795 Gigatonnen CO2, die sich ergeben würden, wenn die Konzerne tatsächlich alle Reserven von fossilen Energiequellen verbrennen, über die sie jetzt schon verfügen.

Das Problem ist, dass die Öl-, Kohle- und Gaskonzerne eben genau dies tun wollen, denn das Fördern und Verkaufen der fossilen Energieträger ist ihr Geschäft. Würden sie nun sagen, wir lassen 80% unserer fossilen Vorräte in der Erde, hätte das die Konsequenz, dass sie von einem Tag auf den anderen Tag an Kapital verlören, denn ihr Wert gründet sich auch auf ihren Öl-, Kohle- und Gas-Reserven.

Anders als in den USA, Kanada oder Saudi-Arabien befinden sich die Länder der EU nicht in einer so starken Umklammerung der Konzerne, wie die Veränderungen nach Fukushima gezeigt haben. Eva Bulling-Schröter, die linke Abgeordnete und Umweltexpertin ihrer Partei fordert daher auch von den Europäern:

"Wenn das angestrebte UN-Klimaabkommen von Paris 2015 nicht genauso ein Desaster werden soll wie seinerzeit Kopenhagen, dann darf jetzt in Warschau keine Zeit verschwendet werden. Die EU sollte den anderen Staaten schon jetzt zusichern, das Klimaschutzziel für 2020 ohne Bedingungen auf 30 Prozent Treibhausgasminderung im Vergleich zu 1990 zu erhöhen – mit der Option, dieses Ziel in Paris weiter zu verschärfen".

Das geltende 20-Prozent-Minderungsziel der EU wird ja ohne Anstrengung zu erfüllen sein. Bereits 2011 lagen die Emissionen um 18,4 Prozent unter dem Wert von 1990. So ein wenig ambitioniertes Ziel hätte schon in der Vergangenheit die Glaubwürdigkeit der europäischen Klimapolitik beschädigt, sagt die Politikerin. Auch angesichts der großen Tragödie auf den Philippinen – durch den stärksten Taifun seit Menschengedenken verursacht - sei es dringend geboten, ernsthafte Angebote zu machen. Schließlich gäbe es schwerwiegende Hinweise darauf, dass die Stärke von Taifunen durch den Klimawandel zunimmt. Die Industrieländer müssten auch endlich ihre Zusagen erfüllen und die bis 2020 auf 100 Milliarden Euro jährlich steigende Klimafinanzierung an den globalen Süden bereitstellen, daraus sollten dann auch Treibhausgasminderungs-, Anpassungs- und Waldschutzmaßnahmen bezahlt werden. Die Mittel dafür dürften aber keinesfalls aus anderen Töpfen abgezweigt werden, es muss sich um zusätzliche Gelder aus öffentlichen Haushalten handeln. Soweit Eva Bulling-Schröter, die sich in dieser Frage auch in Übereinstimmung mit der Koalition "Action of Churches Together" befindet, zu der auch "Brot für die Welt" gehört.

Die Förderung der Erneuerbaren Energien hat nach einem kürzlich erschienen Report der "Emissions Database for Global Atmospheric Research (EDGAR)" im Jahre 2012 zu einer leichten Abschwächung bei der Zunahme der Emissionen geführt, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass 34,5 Milliarden Tonnen menschengemachtes CO2 einen neuen Rekord darstellen. Die Zunahme der Emissionen sank jedoch von 1,4% (2011) auf 1,1% im letzten Jahr. Möglicherweise handelt es sich tatsächlich um eine Trendumkehr, denn im Durchschnitt der letzten 10 Jahre betrug die jährliche Zunahme der CO2-Emissionen 2,9%. Das Programm der zukünftigen deutschen Regierung muss daher auf Erneuerbare Energie setzen. Es wäre also hilfreich, wenn Union und SPD bei den Koalitionsverhandlungen eine beschleunigte und dauerhaft sozialverträgliche Energiewende festschreiben würden. Leider sieht es danach bislang nicht aus.

Deutschland und die EU könnten beispielgebend sein. Dies ist wichtig, gerade weil die Verhandlungen bei den Klimakonferenzen so zäh sind. Notwendig sind auch Verhaltensänderungen der Bürgerinnen und Bürger. Masseneffekte wie die des Autoverkehrs oder ein massenhafter Konsum fossil erzeugten Stromes entfalten ihre Wirkung. Was wir vorgemacht haben, machen Chinesen, Inder und andere uns nach. Konsumverhalten ist auch ein Machtfaktor, im positiven wie im negativen Sinne. Darum ist die zunehmende Hinwendung zu Ökostromerzeugern und alternativen Verkehrsmitteln wie dem Fahrrad vielleicht Erfolg versprechender als das Warten auf Verhandlungsergebnisse. So war es schließlich auch beim Ausbau der Erneubaren Energien. Diese wurden von einer großen Zahl von Menschen auf unterschiedliche Weise gefördert. Wenn "EDGAR" (siehe den vorherigen Absatz) recht hat, dann haben die Handlungen der Individuen mehr Anteil an einer bevorstehenden Trendwende der CO2-Emissionen, wie die Delegationen bei den Klimagipfeln. Also, warten wir lieber nicht auf ab, sondern handeln selbst, was aber die Verhandler nicht von ihrer Verantwortung entbindet.