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Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wird der erhöhte Verbrauch von Wärmeenergien sowie der erhöhte Einsatz von Kohle in Kraftwerken voraussichtlich zu einer Steigerung des CO2-Ausstoßes in Deutschland führen. Seit 1990 sei die Kohleverstromung nun auf einem Rekordwert sagt GermanWatch. DIE LINKE fordert darum ein Kohleausstiegsgesetz.

Kraftwerk Frimmersdorf
Info zum Foto: Kraftwerk Frimmersdorf mit Braunkohletagebau (Foto: Bodoklecksel; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Positiv: Die Kernenergie verringerte ihren Beitrag zur Energiebilanz infolge einer geringeren Verfügbarkeit um 2,5 Prozent. Deren Anteil am Energiemix fiel auf 7,6 Prozent. Die Nutzung erneuerbarer Energien erhöhte sich 2013 insgesamt um knapp 6 Prozent. Die Erneuerbaren steigerten damit ihren Anteil am Gesamtverbrauch leicht auf 11,8 Prozent (Vorjahr 11,5 %). Die Windkraft verzeichnete gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 2 Prozent. Bei der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) gab es ein Minus von 2,5 Prozent. Die Photovoltaik legte um knapp 7 Prozent zu. Die Nutzung der Biomasse stieg kräftig um rund 11 Prozent. Bei den sonstigen Energieträgern, vor allem Siedlungs- und Industrieabfällen, gab es ein Minus von knapp 5 Prozent. Der Stromaustauschsaldo schloss nach ersten Schätzungen mit einem deutlich angestiegenen Ausfuhrüberschuss ab.

Negativ: Der Verbrauch von Steinkohle erhöhte sich 2013 um rund 4 Prozent auf 1.779 PJ (60,7 Mio. t SKE). Diese Entwicklung ist vor allem auf einen um knapp 7 Prozent höheren Einsatz zur Strom- und Wärmeerzeugung zurückzuführen. Die Stahlindustrie verringerte dagegen ihre Nachfrage nach Koks und Kohle um knapp 2 Prozent. Der Anteil der Steinkohle am gesamten Energieverbrauch stieg 2013 leicht auf 12,7 Prozent (Vorjahr 12,5 %). Der Verbrauch an Braunkohle verminderte sich um gut 1 Prozent auf 1.625 PJ (55,4 Mio. t SKE). Die im Vorjahr erfolgte Inbetriebnahme neuer Kraftwerke und die Abschaltung alter Anlagen führten zu einem insgesamt höheren durchschnittlichen Wirkungsgrad bei der Braunkohlenstromerzeugung. Die Effizienzsteigerung sorgte bei verringertem Brennstoffeinsatz für eine Erhöhung der Stromerzeugung aus Braunkohle um etwa 1 Prozent. 2013 betrug der Anteil der Braunkohle am gesamten Energieverbrauch 11,6 Prozent (Vorjahr 12,1 %), so die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzenz.

Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen - Zerfall der CO2-Preise im Emissionshandel lässt viele neue, hocheffiziente Gaskraftwerke still stehen

Als dramatischen Weckruf für die Große Koalition bezeichnet Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, den Rekordwert beim Braunkohlestrom seit 1990 in Deutschland. "Die Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für ambitionierte Klimaziele und eine zügige Reform des CO2-Handels einsetzen", fordert Bals. "Bleiben die Verschmutzungserlaubnisse so billig, fährt der Klimaschutz in der EU vor die Wand. Die Kohleverstromung stieg seit 2010 um 23 Terawattstunden (TWh) auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Genau im gleichen Maß, auch um 23 TWh, wurde parallel die Verstromung von Gas zurückgefahren."

Diese Entwicklung gefährdet nach Ansicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die gesamte Konstruktion der Energiewende. Neue hocheffiziente und klimaschonendere Gaskraftwerke produzieren bundesweit immer weniger Strom oder werden sogar komplett stillgelegt. "In vielen Fällen wurden die Gaskraftwerke erst in den letzten Jahren gebaut und liegen nun als Investitionsruinen brach", sagt Bals. "Viele Stadtwerke, aber auch große Energieversorger wie E.ON oder RWE leiden darunter. Flexible Gaskraftwerke würden zur Energiewende passen, da sie die Schwankungen bei der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien am besten ausgleichen können. Der Kohlestrom wird hingegen in Zeiten mit viel erneuerbarem Strom meist exportiert."

Germanwatch fordert darum den neuen Bundeswirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, sich in der EU für eine umfassende Reform des Emissionszertifikate-Handels und in Deutschland für ein entsprechendes Marktdesign stark zu machen. "Verschmutzungsrechte müssen deutlich teurer werden, damit die Kohleverstromung zurückgeht und sich der Einsatz der neuen Gaskraftwerke endlich lohnt", fordert Bals. Um den Einsatz klimaschonenderer Kraftwerke dauerhaft rentabel zu machen, müsste ein Emissionspreis von mindestens 25 Euro pro Tonne CO2 erreicht werden. Derzeit pendelt er zwischen 4,50 und 5 Euro.

Die Partei DIE LINKE setzt hingegen nicht mehr auf angeblich marktwirtschaftliche Lösungen. "Der Emissionshandel hat versagt. Wenn die Energiewende nicht zur Farce verkommen soll, muss der Ausstieg aus der Kohleverstromung jetzt per Gesetz festgezurrt werden", kommentiert Eva Bulling-Schröter den Rekordwert bei der Braunkohleverstromung im Jahr 2013. Die Umweltexpertin der Fraktion DIE LINKE weiter:

"In ihrem Koalitionsvertrag sprechen sich Union und SPD explizit gegen eine grundlegende Reform des Emissionshandels aus. Die Koalition bietet der Kohlewirtschaft damit faktisch eine Bestandsgarantie und öffnet einer weiteren Zunahme der Braunkohleverstromung Tür und Tor. Die Kohleverstromung begünstigen, aber den Ökostromzuwachs deckeln – das ist Energiewende absurd. Statt wie die große Koalition beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Bremse zu treten, müssen wir einen klaren Plan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung entwickeln.

DIE LINKE setzt im Stromsektor nicht mehr auf den gescheiterten Emissionshandel, sondern fordert ein nationales Kohleausstiegsgesetz. Der Neubau von Kohlekraftwerken und der Neuaufschluss von Tagebauen müssen gesetzlich verboten werden. Angelehnt an das Atomausstiegsgesetz wollen wir zudem die jährliche Strommenge aus Kohlekraftwerken ab 2015 begrenzen und stetig reduzieren. Spätestens 2040 könnte dann das letzte deutsche Kohlekraftwerk vom Netz gehen."

AG Energiebilanzen

GermanWatch

Bundestagsfraktion DIE LINKE

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