Europas größte Stadtfarm für Fisch und Gemüse eröffnet in Berlin

17-35% der weltweiten CO2-Emmissionen resultieren laut WWF und UN aus Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Zusätzlich wird dabei 70% des weltweiten genutzten Süßwassers verbraucht. Schon heute sind über 1 Milliarde Menschen von Fisch als Proteinquelle abhängig, hingegen sind 85% der Weltmeere überfischt oder stehen kurz davor. Lebensmittel legen oft weite Wege von der Produktion zum Verbraucher zurück. Kühlketten und der Transport mit dem Flugzeug verursachen beträchtliche Mengen CO2. Diesem Problem begegnet das Cleantech-Start-Up ECF Farmsystems durch sogenannte Aquaponik-Farmsysteme, die eine ressourcenschonende und transparente Produktion von Fisch und Gemüse direkt in der Stadt ermöglichen. Die größte innerstädtische Aquaponik-Farm Europas hat das Team von ECF gerade fertiggestellt. Die Anlage in Berlin-Schöneberg ist 1.800 m2 groß und ist für die Produktion von 25t Fisch und 35t Gemüse ausgelegt.

ECF Farm Berlin
(Foto: © ECF)

Wie funktionieren Aquaponik-Farmsysteme?

Das ressourcen- und klimaschonende Aquaponik-Verfahren kombiniert die Aufzucht von Fisch mit dem Anbau von Gemüse. Durch einen geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf wird im Vergleich zur herkömmlichen Gemüse- und Fischproduktion bis zu 90% Wasser eingespart. Darüber hinaus wird bei Aquaponik-Farmen bis zu 70% weniger Fläche als in der herkömmlichen Landwirtschaft benötigt. Die CO2-Gesamtbilanz ist sehr gering, da Abwärme und Energie aus bereits erschlossenen Gebäuden genutzt wird und die Produktion und der Verkauf direkt vor Ort stattfinden. Transportwege und Kühlketten werden reduziert und der Verbraucher erhält die maximale Transparenz. Aquaponik-Farmen setzen auf biologischen Dünger und biologischen Pflanzenschutz, eine nachhaltige Besatzdichte sowie beim Bau der Farmsysteme auf die Verlängerung von Produkt-Lebenszyklen, beispielsweise durch Upcycling ausrangierter Container.

Unterstützung durch EU-Klimanetzwerk Climate-KIC

Die Gründer von ECF Farmsystems haben den Aufbau ihres Unternehmens seit 2012 zunächst ausschließlich mit eigenem Kapital vorangetrieben. Im Frühjahr 2013 erhielten sie erste Unterstützung von Climate-KIC, Europas größter Initiative für Klima-Innovationen. Mit einer Start-Up-Förderung im Rahmen des Climate-KIC Accelerators inklusive Büroräumen in der Green Garage, Deutschlands erstem Cleantech Inkubator, sowie Kontakten zu Investoren und einem großen europäischen Netzwerk wurde die Businessidee langsam Realität. Im März 2014 konnte ECF eine siebenstellige Gesamtfinanzierung sichern.

Das Investment der IBB Beteiligungsgesellschaft mbH und eines Privatinvestors ermöglichte den Bau der ECF Farm Berlin. Sie dient als Referenzfarm für den Verkauf weiterer Farmsysteme und deren Anlagenkomponenten an Unternehmer, die Interesse an einem nachhaltigen Geschäftsmodell haben.

Einweihung der ECF Stadtfarm am 6. März in Berlin

Wer sich persönlich einen Eindruck von der klimaschonenden Lebensmittelproduktion mitten in Berlin verschaffen möchte, ist am 6. März 2015 herzlich zur Eröffnungsfeier eingeladen. Der Eintritt ist kostenfrei, setzt allerdings eine Online Anmeldung voraus. Ab 16 Uhr kann die ECF Farm und der Hofladen ECF Farmer’s Market in Berlin-Schöneberg besichtigt werden. Wer möchte kann auch im Hofladen frische Kräuter und Salate direkt aus der Produktion erwerben. Die Barsche in der Farm müssen noch ein bisschen wachsen und werden ab Oktober im Farmer’s Market angeboten.

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