Neueigentümer für die energetische Sanierung motivieren

Jährlich wechseln in Deutschland etwa 150.000 Ein- und Zweifamilienhäuser den Eigentümer. Viele nutzen diesen Anlass für umfangeiche Sanierunsarbeiten. Dies ist zugleich ein guter Zeitpunkt, um das „neue“ Eigenheim auch energetisch zu modernisieren. Doch häufig verstreicht er ungenutzt. Deshalb haben das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Klima- und Verbraucherschutzexperten die Kommunikationsstrategie „Wegweiser Hauskauf – Energetisches Modernisieren zahlt sich aus“ sowie einen Leitfaden für die Umsetzung entwickelt.

Wegweiser Hauskauf
Beispiel für eine Ausgabe "Wegweiser Hauskauf" aus der Region Bremen (Foto: © ISOE/IÖW)

Obwohl sich drei Viertel aller Käuferinnen und Käufer von Wohneigentum für eine Sanierung entscheiden, werden viele sinnvolle energetische Maßnahmen derzeit noch nicht umgesetzt. „Häufig sind den neuen Besitzern die bautechnischen Möglichkeiten gar nicht bekannt“, sagt ISOE- Energieexperte und Projektleiter Immanuel Stieß. Auch änderten sich finanzielle Fördermöglichkeiten und gesetzliche Anforderungen, so dass es schwierig sei, den Überblick zu behalten. „Weil in der energetischen Sanierung aber erhebliche Potenziale für den Klimaschutz liegen, sollte das Gelegenheitsfenster beim Hauskauf für eine energetische Modernisierung unbedingt genutzt werden“, sagt Stieß.

Wegweiser Hauskauf – Energetisches Modernisieren zahlt sich aus

Mit dem „Wegweiser Hauskauf – Energetisches Modernisieren zahlt sich aus“ haben die Energieexperten eine detaillierte Kommunikationsstrategie erarbeitet. Sie wurde als Maßnahme der nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. Das zentrale Element dieser Strategie ist eine Informationsmappe für Neueigentümer. Sie umfasst Themen wie Eigentumserwerb und energetisches Modernisieren und bietet mit Infografiken und Modellbeispielen einen leicht verständlichen Überblick über die wichtigsten Schritte vom Altbau bis zum energieeffizienten Eigenheim. Sie listet außerdem Beratungsangebote und Adressen unabhängiger Klimaexperten auf.

In drei Pilotregionen wurde die Informationsmappe bereits eingesetzt. „Wir konnten mit unserer Evaluation zeigen, dass zahlreiche Neueigentümer durch die Mappe motiviert werden konnten, sich mit energetischer Sanierung zu beschäftigen. Viele suchen anschließend eine Energieberatung auf“, bilanziert Energieexpertin Julika Weiß vom IÖW. Die Interessenten hätten dann auch tatsächlich weitreichende, anspruchsvolle Maßnahmen umgesetzt.

Kommunikationsstrategie auf alle Regionen in Deutschland übertragbar

Die Kommunikationsstrategie kann auf alle anderen Regionen in Deutschland übertragen werden“, sagt Projektleiter Immanuel Stieß vom ISOE. Dazu wurde jetzt ein Leitfaden veröffentlicht. Energie- und Klimaschutzagenturen, Verbraucherzentralen, kommunale Klimaschutzmanager und auch nichtkommerzielle Einrichtungen können sich mithilfe des Leitfadens zunächst einen Überblick über alle notwendigen Schritte verschaffen, um dann eigene Kampagnen für die Zielgruppe der Eigenheimerwerber umzusetzen. „Wir haben dazu im Leitfaden aufgeführt, wer geeignete Multiplikatoren sind, welche Angebote kommuniziert werden sollen und welche Materialien sinnvoll sind“, sagt Julika Weiß. Außerdem wird beispielhaft gezeigt, wie ein regionales Expertennetzwerk aufgebaut werden kann.

ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung


Der „Wegweiser Hauskauf – Energetisches Modernisieren zahlt sich aus“ wurde im Forschungsprojekt „EiMap – Kommunikationsstrategie ‚Eigentumsübertragung‘ zur energetischen Sanierung beim Eigenheimerwerb“ entwickelt. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Kooperationspartner waren das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Die Klimaschutzagentur Bremer Energie-Konsens GmbH, die Klimaschutzagentur Region Hannover GmbH und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. haben ihre Expertise als Praxispartner in das Projekt eingebracht und den Wegweiser in den Pilotregionen Aachen, Bremen, Hannover und Siegburg erstmals in der Beratung eingesetzt.

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