Nur wenn in Deutschland wesentlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird können E-Autos zum Klimaschutz beitragen und auch nur dann, wenn verhindert wird, dass Bahn- und Fahrradverkehr durch E-Autoverkehr ersetzt wird. Außerdem darf die Zahl aller Kfz nicht zunehmen.

Ein neuer Bericht des Umwelt- und Prognose- Institut e.V. (UPI) sieht Elektromobilität positiv, aber vor allem die der Bahnen und nicht die der Autos. Entgegen der allgemeinen Annahme erzeugen E-Autos nämlich in etwa ebensoviel CO2 wie herkömmliche Kfz mit Verbrennungsmotor. Dies liegt vor allem daran, dass der Strom noch immer vorwiegend in Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken erzeugt wird. Es besteht zudem die Gefahr, dass viele Haushalte sich E-Autos als Zweit- oder Dritt-Kfz zulegen und somit den Flächenverbrauch beschleunigen. Kurz gesagt, für Parkplätze müssen dann Wälder und Felder weichen, denn der Flächenbedarf von Siedlungen wird durch Auto-Verkehrsflächen etwa verdoppelt, dadurch gehen wichtige CO2-Senken verloren.

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Der hohe Stromanteil aus fossilen Kraftwerken führt dazu, dass die CO2-Bilanz des E-Autos schlecht ausfällt (Grafik: Tkarcher, Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Voraussetzung für einen sinnvollen Einsatz, so das UPI, ist daher, dass der Anteil fossiler Kraftwerke in Deutschland erheblich abnimmt und der Beitrag von Bahn und Fahrrad an der Verkehrsleistung erhalten bleibt. Um den Verkehrsanteil der Bahn beizubehalten sei die Subventionierung der E-Autos zu beenden und es müsse eine Kostenbeteiligung an den Infrastrukturkosten des Autoverkehrs stattfinden, zu dem sonst nur Autos mit Verbrennungsmotor über die Mineralölsteuer beitrügen. Außerdem sei zu verhindern, dass die Zahl der PKW insgesamt zunimmt.

Diese Studien-Ergebnisse werden teilweise durch eine Forschungsarbeit des Öko-Instituts aus dem Jahr 2012 bestätigt. Dort wird beschrieben, dass eine E-Motorisierung des Autoverkehrs auch zu einer Zunahme der Stromabnahme aus fossilen Kraftwerken führen kann, wenn die Marktanteile der E-Autos weiter ansteigen. Für 2030 erwartet das Öko-Institut etwa 5,9 Millionen E-Kfz. Dadurch würde der Stromverbrauch insgesamt steigen. Es käme darum darauf an, dass die Erneuerbaren Energien substanziell zunähmen und dass E-Autos vor allem dann aufgeladen werden, wenn der sonstige Stromverbrauch niedrig wäre.

Soweit die stark geraffte Zusammenfassung der Studien. Interessant finde ich, dass der Begriff E-Mobilität im öffentlichen Sprachgebrauch sich meist auf Elektro-Autos bezieht, obwohl die Bahnen schon seit ungefähr hundert Jahren mit Strom fahren. In der Studie des Öko-Instituts ist dementsprechend zwar viel von E-Mobilität die Rede, aber die Bahn wird nicht ein einziges mal erwähnt. Dies macht deutlich wie eingeschränkt die Denkstrukturen teilweise schon sind. Erfreulicherweise macht das UPI diese Einschränkung nicht. Lesenswert sind beide Studien und dieser Text soll dazu motivieren sich in die Thematik zu vertiefen und die allgemein eher positiven Vorurteile zur Auto-E-Mobilität zu überprüfen.

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Nein, E-Autos tragen noch nicht zum Klimaschutz bei. Aus den Studien wird deutlich, dass sie Teil des Problems sind, denn je mehr es von ihnen gibt, desto mehr Strom muss erzeugt werden, d.h. der Zubau der Wind- und Sonnenkraftwerke kann nicht oder nur teilweise dazu dienen die fossilen Kraftwerke zu ersetzen, da der Stromverbrauch ja insgesamt durch die Zunahme der E-Kfz ansteigt. Erst wenn die Erneuerbaren in einem Ausmaß zunehmen der den Mehrverbrauch deckt und gleichzeitig zum Ersatz der fossilen Kraftwerke führt, könnten E-Kfz Teil der Lösung sein, aber auch nur, wenn die Anzahl der Kfz insgesamt nicht zunimmt und die Bahnen keine Fahrgäste verlieren.

Zur Studie des UPI

Zur Studie des Öko-Instituts

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