Nachdem Anfang des Sommers der Stilllegungspfad für die deutschen Braunkohlekraftwerke beschlossen wurde, stehen nun die ersten stillzulegenden Steinkohlekraftwerke fest. Im Rahmen einer Ausschreibung, durch die Bundesnetzagentur, wurden 11 Kraftwerke ausgewählt. Diese Anlagen dürfen ab 1. Januar 2020 insgesamt 4,788 Gigawatt an Kraftwerksleistung nicht mehr neu vermarkten.

Kohlekraftwerke
(Grafik: © Bundesnetzagentur)

Abgeschaltet werden nun unter anderem große Blöcke der Kohlekraftwerke Moorburg (Hamburg), Ibbenbüren, Heyden und Walsum (alle NRW). Insgesamt erhalten die stillzulegenden Kohlemeiler-Betreiber 317 Millionen Euro. Im Großen und Ganzen lagen die Gebote aber deutlich unter dem Höchstpreis von 165.000 Euro je Megawatt, der für die Auktion festgelegt war.

"Die Ausschreibungen stoßen bei den Betreibern auf positive Resonanz. Die Runde war deutlich überzeichnet", sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt deutlich unter dem gesetzlichen Höchstpreis."

Sönke Tangermann, Vorstand der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy sieht diese Zahlungen an die Kohle-Kraftwerksbetreiber dennoch kritisch: „Offensichtlich ist der Druck unter den Betreibern groß, weil ihre Kohlemeiler bereits unrentabel sind oder es bald werden“, Tangermann weiter, „der Staat vergoldet den Betreibern also die Abschaltung von Kraftwerken, die sich wirtschaftlich ohnehin nicht mehr richtig rechnen.“

Für Antje von Broock, Geschäftsführerin Politik und Kommunikation beim BUND, sind die gefassten Stilllegungsbeschlüsse eine Bestätigung der Arbeit ihres Umweltverbandes:

"Es ist eine positive Nachricht für den Klimaschutz, dass auch das Kraftwerk Moorburg in Hamburg und das RWE-Kraftwerk in Hamm nun stillgelegt werden. Vattenfall und RWE hatten die Kraftwerke zur ersten Stilllegungs-Auktion gemeldet und sich bei der Bundesnetzagentur um die Prämie beworben. Der BUND war von Anfang an gegen die Kraftwerke und hat bereits vor der Inbetriebnahme auf die fehlende wirtschaftliche Perspektive speziell bei Moorburg hingewiesen. Unser zäher Kampf gegen diese Klima-Killer hat sich ausgezahlt. Wenn zwei neuere Steinkohlekraftwerke bereits in der ersten Ausschreibungsrunde vom Netz gehen, verdeutlicht das, wie überholt das Kohlegesetz ist und wie zweifelhaft die hohen Entschädigungszahlungen sind. Auch die deutliche Überzeichnung der Gebotsmenge zeigt, dass der Kohleausstieg deutlich schneller erfolgen kann. Hier muss eine neue Bundesregierung nachsteuern".

Tabelle: Übersicht über die "bezuschlagten" Gebote
zum Gebotstermin 1. September 2020

Name des Bieters

Name der Anlage

Bezuschlagte Gebotsmenge (MW)

STEAG GmbH Kraftwerk
Walsum 9
370
Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG HKW Werk Jülich 22,86
swb Erzeugung AG & Co. KG Kraftwerk Hafen Block 6 303
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG Kohleblock HKW 50,945
RWE Generation SE Kraftwerk Westfalen 763,7
RWE Generation SE Kraftwerk Ibbenbüren 794
Vattenfall Heizkraftwerk Moorburg GmbH Heizkraftwerk Moorburg Block B 800
Vattenfall Heizkraftwerk Moorburg GmbH Heizkraftwerk Moorburg Block A 800
Uniper Kraftwerke GmbH Kraftwerk Heyden 875
Südzucker AG Kraftwerk der Zuckerfabrik Brottewitz 3,571
Südzucker AG Kraftwerk der Zuckerfabrik Warburg 4,6


Nach Angaben der Bundesnetzagentur überprüfen die Übertragungsnetzbetreiber nun die Systemrelevanz für die bezuschlagten Anlagen. Gegebenenfalls stellen sie entsprechende Anträge an die Behörde. Falls diese auf Antrag eines Übertragungsnetzbetreibers die Systemrelevanz einer Anlage genehmigt, verbleibt diese als weitere Netzreserve. Sie darf damit keinen Strom am Strommarkt mehr verkaufen, steht aber in kritischen Situationen noch zur Absicherung des Stromnetzes zur Verfügung.

Die Stilllegung weiterer Steinkohlekraftwerke geht am 4. Januar 2021 in die nächste Runde. Zu diesem Termin können die Kraftwerksbetreiber dann weitere Steinkohlekraftwerke zur Stilllegung vorschlagen. Informationen hierzu sind voraussichtlich ab dem 7. Dezember 2020 auf der Internetseite der Bundesnetzagentur abrufbar.

Weitergehende Informationen zu den Verfahrensschritten auf der Internetseite der Bundesnetzagentur unter www.bundesnetzagentur.de/kohleverfahren.

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8.12.20: Überschrift geändert