Das Bundeskabinett hat Mitte der Woche eine Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) beschlossen, nachdem diese bereits am vergangenen Freitag den Bundesrat passierte. Die EnEV regelt die technische Gebäudeausstattung mit der festgelegte Energieverbrauchsobergrenzen erreicht werden sollen. Geregelt wird darin, dass dies durch Wärmedämmung oder andere technische Maßnahmen erreicht werden kann. Der Hauseigentümer hat hier einen gewissen Spielraum bei der Wahl seiner Mittel. Nach der neuen Verordnung müssen Hausbesitzer bis 2015 Öl- und Gasheizungen, die vor dem 1. Januar 1985 eingebaut wurden, gegen zeitgemäße Heizsysteme austauschen. Diese Maßnahme ist aus der Sicht verschiedener Verbände der Erneuerbaren Energiewirtschaft viel zu lasch.

Passivhaus Thermogramm
Wärmebild zum Vergleich eines Passivhauses (rechts) mit einem schlechter gedämmten Haus (links)
(Foto: Passivhaus Institut; Originaltitel: Thermogram of a Passivhaus building, with traditional building in background; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Eine Verschärfung der energetischen Anforderungen gilt vor allem für Neubauten. Diese müssen ab dem 1. Januar 2016 mit einem um 25 Prozent verringerten zulässigen Jahres-Primärenergiebedarf auskommen und um durchschnittlich 20 Prozent bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle - dem sogenannten zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten - zulegen. Die Anhebung der Neubauanforderungen ist ein wichtiger Zwischen-Schritt hin zum EU-Niedrigstenergiegebäudestandard, der spätestens ab 2021 gilt.

Ab dem Jahr 2021 müssen nach europäischen Vorgaben alle Neubauten im Niedrigstenergiegebäudestandard errichtet werden. Für Neubauten von Behördengebäuden gilt dies bereits ab 2019. Das sieht im Wege einer Grundpflicht das bereits geänderte Energieeinsparungsgesetz, das im Juli dieses Jahres in Kraft trat, vor. Bei der Sanierung bestehender Gebäude ist keine Verschärfung vorgesehen. Die Anforderungen bei der Modernisierung der Außenbauteile seien hier bereits sehr anspruchsvoll, meint die Bundesregierung. Das hier zu erwartende Energieeinsparpotenzial wäre bei einer zusätzlichen Verschärfung im Vergleich zur EnEV 2009 nur gering.

Auf Wunsch des Bundesrates wurde die Pflicht zum Austausch alter Heizkessel (Jahrgänge älter als 1985 bzw. älter als 30 Jahre) erweitert. Bisher galt diese Regelung für Kessel, die vor 1978 eingebaut wurden. Nicht betroffen sind Brennwertkessel und Niedertemperaturheizkessel, die einen besonders hohen Wirkungsgrad haben. Erfasst werden nur sogenannte Konstanttemperaturheizkessel. Der Anwendungsbereich der Pflicht ist also begrenzt. In der Praxis werden die Kessel ohnehin im Durchschnitt nach 24 Jahren ausgetauscht, so die Bundesregierung. Außerdem sind viele selbstgenutzte Ein- und Zweifamilienhäuser von der Pflicht ausgenommen. Hier gilt die bereits seit der EnEV 2002 bestehende Regelung fort, nach der Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die am 1. Februar 2002 in diesen Häusern mindestens eine Wohnung selbst genutzt haben, von der Austauschpflicht ausgenommen sind. Im Falle eines Eigentümerwechsels ist die Pflicht vom neuen Eigentümer innerhalb von zwei Jahren zu erfüllen

Es gäbe für zu viele Altanlagen Ausnahmen, meint der Spitzenverband der Erneuerbaren Energiewirtschaft. „Mit jedem Heiztag verpufft durch diese Museumsstücke bares Geld“, sagt Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). 80 Prozent der Deutschen heizen mit veralteter Technik. Dennoch erfasse die EnEV 2014 nur wenige dieser überholten Heizungen. Dem BEE gehen die Änderungen deshalb auch nicht weit genug: „Der neue Stichtag zum verpflichtenden Heizungstausch erfasst gerade einmal 13 Prozent dieser Energieschleudern“, so Falk.

Rund 11 Millionen  alte Niedertemperaturheizungen fallen nicht unter die Austauschpflicht, entsprechen aber auch nicht dem Stand der Technik. Die Bundesländer haben zwar erkannt, dass „das hohe Energieeinsparpotenzial im Gebäudebestand zurzeit nur unzureichend genutzt wird“. So steht es im Bundesratsbeschluss von Freitag. „Dennoch passiert nichts. Auch die EnEV 2014 bleibt wirkungslos und ist nicht geeignet, endlich die Energiewende im Wärmesektor  voranzutreiben“, bedauert Falk.

Heizkessel für Öl oder Gas müssen entsprechend der neuen EnEV künftig nach spätestens 30 Jahren ausgetauscht werden. Die Stichtagsregelung bleibe damit weit hinter Expertenempfehlungen zurück, so der BEE-Geschäftsführer. Bereits nach 15 bis 20 Jahren gelten Heizungen in der Regel als nicht mehr auf dem Stand der Technik. Moderne Heiztechnik sei effizienter und entlaste mit Erneuerbaren Energien die Umwelt und den Geldbeutel. „Statt die Energiewende im Wärmesektor endlich einzuleiten, werden die Deutschen weiterhin große Teile ihres Einkommens verheizen. Diese Minireform sieht weder echte Nachrüstpflichten noch verschärfte Einsparregeln für den Gebäudebestand vor. Der Sanierungsstau in deutschen Heizungskellern wird immer dramatischer Die neue Bundesregierung muss sich endlich dem Thema Erneuerbare Wärme mit Engagement widmen, sonst wird Deutschland seine Klimaziele für das Jahr 2020 nicht erreichen“, warnt Falk.

Heizkosten betragen über 1000 Euro im Jahr und machen rund ein Drittel der Energiekosten eines Durchschnittshaushalts aus. Nach Auffassung des BEE könne eine Familie ihre Heizkosten durch eine umweltfreundliche Kombiheizung mit Solarthermie und Pellets sogar halbieren. Heizungsmodernisierung werde zudem mit Zuschüssen gefördert: Für den Einbau eines neuen Heizkessels plus Solaranlage gäbe es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mindestens 2000 Euro dazu. Zusätzlich helfe die staatliche Förderbank KfW bei der Finanzierung mit bis zu 50 000 Euro zu attraktiven Kreditkonditionen.

Nach eigener Aussage arbeitet der Bundesverband Erneuerbare Energie beim Thema Wärme eng mit seinen Mitgliedsverbänden Bundesverband Solarwirtschaft, Bundesverband Wärmepumpe, Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband und Bundesverband BioEnergie zusammen. Natürlich haben diese Verbände auch ein wirtschaftliches Interesse, nämlich die Förderung des Absatzes moderner Heizungen. Darum sei der Vollständigkeit zuliebe angemerkt, dass es im Sinne des Klimaschutzes noch sinnvoller wäre, wenn statt des Einbaues einer modernen Heizungsanlage eine so gute Wärmedämmung des Gebäudes stattfinden würde, dass man fast überhaupt keine Heizung mehr braucht. Die dann noch nötige Restwärme sollte dann selbstverständlich mit Hilfe einer modernen, nachhaltigen und regenerativen Anlage erzeugt werden.

Zum selben Thema hat auch Engergieblogger Andreas Kühl geschrieben

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