Die letzten Wochen hat ein neues Buch in der Energiewelt für Furore gesorgt. Matthias Willenbacher – einer der erfolgreichsten Energiewende-Unternehmer Deutschlands haut auf den Tisch. Er stellt der Kanzlerin ein unmoralisches Angebot indem er verspricht seine Unternehmensanteile an Energiegenossenschaften zu verschenken, wenn sie echte Weichen für eine Energiewende stellt.  Das ist ihm vor allem deshalb so wichtig, weil er die Energiewende derzeit in einer Schieflage sieht.

Buch "Unmoralisches Angebot"
(Foto: © Cornelia Daniel-Gruber)

Das Projekt für welches Deutschland weltweit Bewunderung und durchaus auch Skepsis erntet, ist in Gefahr, weil die Energieriesen erkannt haben, dass die Erneuerbaren doch nicht so ungefährlich bzw. unbedeutend sind, wie zu anfangs gedacht.

Die Althasen nicken, die Neuen staunen

Für viele Altenergiehasen, die das Buch verschlungen haben (die meisten in 8 Stunden auf einmal), ist das Buch deshalb so leicht zu lesen, weil man sich voll und ganz mit der Geschichte identifizieren kann und Matthias viele Geschehnisse und Umstände auf den Punkt bringt. Manch einer könnte vom fortwährenden Nicken beim Lesen auch eine Genickstarre bekommen haben. Für Laien ist es hingegen eine Reise in eine vollkommen unbekannte Welt mit unglaublichen Erkenntnissen. Matthias zeigt, dass es jetzt nur mehr um den Willen geht, nicht mehr um die technische Umsetzung. Alles ist möglich, wir müssen nur wollen und Lösungen für die nicht zu unterschätzenden Herausforderungen finden. Genau an diesem „Wollen“ mangelt es der derzeitigen Regierung, die von der alten Energiewirtschaft kräftig in die Mangel genommen wird. Mit den Energieversorgern geht Matthias dann auch wirklich hart ins Gericht indem er sagt, dass nur einer überleben kann. Die alte oder die neue Energiewirtschaft. So weit würde ich noch nicht gehen, aber er hat definitiv schon mehr erlebt und erklärt sehr genau, warum er das so sieht.

Masterplan mit Ausbaubedarf

Matthias wäre kein erfolgreicher Unternehmer, wenn er zu den zitierten Problemen nicht auch gleich Lösungen anbieten würde. Deshalb hat er auch einen Masterplan für die 100% Versorgung geschrieben.  Damit die Rezension nicht ganz so einseitig wirkt, würde ich sagen, dass dies vielleicht noch das Kapitel mit dem größten Verbesserungsbedarf ist. Die Zukunft der Energieversorgung lässt sich nun mal schwer auf wenigen Seiten zusammenfassen, dafür ist die Thematik viel zu komplex.  Er schreibt auch selbst, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss ist und keinerlei wissenschaftlichen Anspruch hat. Ich bin aber in jedem Fall seiner Meinung, dass die Regierung einen solchen Masterplan bis 2020/2030 haben muss und vor allem nicht mit so lächerlichen Zielen wie es derzeit der Fall ist, sowohl in Österreich als auch in Deutschland.

Volllaststunden und Autobahnen

Abschließend sei noch seine symphatische Art, über technische Zusammenhänge zu schreiben, erwähnt. Volllaststunden werden mit Pferden und Netzausbaupläne mit zehnspurigen Autobahnen verglichen. Plakativer geht’s fast nicht und ich persönlich fand das Kapital mit den Volllaststunden höchst spannend, da auch ich dieses Thema als eines der Schlüsselelemente bei der Planung der neuen Energiewirtschaft im Auge habe. Die Autobahngeschichte hilft mir außerdem die Netzausbaupläne besser zu verstehen.

Insgesamt jedenfalls wirklich lesenswert und ich hoffe, dass auch viele Nicht-Energie-Menschen es in die Finger kriegen. Definitiv auch ein „Krimi“ für den Strandurlaub. Ach ja, wer meint der Autor würde sich mit dem Buch bereichern wollen liegt übrigens falsch. Die Erlöse werden gespendet und er konnte auch den Verlag diesbezgüglich in die Pflicht nehmen. Wer der Kanzlerin auch ein unmoralisches Angebot machen will, kann dies übrigens mit einer Postkarte tun, die auch wirklich ans Kanzleramt verschickt wird!

Weitere Informationen auf der Buchwebseite