Die Politik wettert gegen die vermeintlich den Strompreis treibenden Erneuerbaren. Gleichzeitig nähert sich die Einspeisevergütung für Solarstrom teilweise schon den Gestehungskosten an. Bei dieser Konstellation mag man annehmen, dass das Interesse an PV-Anlagen merklich abnehmen müsste. Doch das ist nicht der Fall. Laut dem SolarContact-Index, der die im Internet abgegebenen Anfragen nach konkreten Angeboten für PV-Anlagen misst, ist zwar ein Rückgang in den letzten Monaten deutlich sichtbar. Das Niveau der Anfragehäufigkeit bewegt sich aber immer noch über dem 12 Monatsdurchschnitt. Woran kann das liegen?

Barometer des SolarContact-Index Juni 2013
(© DAA-GmbH)

Index spiegelt konkretes Interesse an PV-Anlagen wider

Keine andere Branche ist so schnelllebig wie die PV-Branche. Gerade kleine und mittelständische Handwerksunternehmen waren in den vergangenen Jahren mal komplett ausgelastet und mal kurz vor dem Bankrott. Um die zukünftige Auftragslage besser abschätzen zu können, hat die DAA GmbH aus Hamburg in Kooperation mit der Fachzeitschrift Sonne, Wind und Wärme den SolarContact-Anfrageindex entwickelt, mit dem sich das konkrete Interesse an einer Installation einer kleinen Photovoltaikanlage messen lässt und darauf aufbauend die Auftragslage für kleine und mittelständische Solarunternehmen bereits ein Quartal im Voraus abschätzbar wird.

Rückläufige PV-Nachfrage auf immer noch hohem Niveau

Aktuell zeigt der SolarContact-Index, dass sich die Nachfrage im typischen Kleinanlagen-Segment bis 30 kWp im Juni merklich abgekühlt hat. In den fünf Monaten zuvor wurden Fachbetriebe weitaus häufiger über das Internet für Angebote kontaktiert. Um rund ein Viertel ging das Interesse gegenüber März und April zurück. Der Trend, der sich im Mai-Index bereits angedeutet hat, setzt sich im Juni also weiter fort. Als Einbruch ist der derzeitige Nachfrage-Rückgang im Kleinanlagen-Geschäft jedoch nicht zu werten. Gemessen an den zurückliegenden zwölf Monaten liegt die Juni-Nachfrage noch leicht über dem Durchschnitt.

Übergangsphase hin zum Eigenverbrauch als Kaufmotiv

Eine einzige Ursache für die rückläufige, aber immer noch hohe Nachfrage nach PV-Anlagen kann schwerlich ausgemacht werden. Vermutlich kann angenommen werden, dass aufgrund des derzeitigen Verhältnis von Anlagenpreisen, Stromgestehungskosten und Vergütungssätzen die Entscheidung für eine Neuanlage in 2013 nicht mehr so stark von einem rein wirtschaftlichem Kalkül bestimmt wird. Vielmehr ist die derzeitige Marktsituation trotz aller politischen Querelen als Übergangsphase hin zu einer durch einen wirtschaftlichen Eigenverbrauch motivierten Nachfrage zu bezeichnen.

Aufgeklärte Verbraucher gleichen Nachfragerückgang aus

In dieser Phase gleichen wahrscheinlich die eher umweltbewussten und aufgeklärten Verbraucher, die die zukünftig steigenden Stromkosten antizipieren, die geringere Nachfrage der rein wirtschaftlich getriebenen PV-Interessenten aus und handeln bereits jetzt vorausschauend, obwohl eine reine, statische Renditebetrachtung eher für eine Zurückhaltung am PV-Markt sprechen dürfte.

Aber auch diejenigen, die nur nach wirtschaftlichem Kalkül handeln, könnten durch den Trend zu kostenoptimierten Stromspeichern zukünftig wieder mehr finanzielle Anreize finden, eine PV-Anlage installieren zu lassen.