Die Energiewende steht und fällt mit dem Zuspruch aus der Bevölkerung. Und dieser scheint gerade aufgrund der steigenden Strompreise zu schwinden. Das weiß auch die Politik und versucht in ihren Koalitionsverhandlungen die Strompreissteigerungen zu bremsen. Dass sie damit auch die Energiewende bremst, scheint ein aus Regierungssicht zu vernachlässigendes Übel zu sein. Dabei müssten die Deutschen gar nicht über die Strompreise meckern. Mit einem einfachen Anbieterwechsel oder einem sparsameren Umgang mit Strom könnte jeder seine Stromkosten von jetzt auf gleich deutlich senken.

Mit diesem Plakat warb die Bundesregierung Anfang Juni noch für die Energiewende

(Foto: © energie-experten.org)

Wie die Stiftung Warentest heute bekannt gab, können Stromkunden, die noch in der Grundversorgung des örtlichen Stromanbieters sind, mit einem einfachen Wechsel des Stromanbieters mehrere Hundert Euro Stromkosten einsparen. Bei einem Jahresverbrauch von 5.500 Kilowattstunden beziffert Stiftung Warentest das Einsparpotenzial für einen solchen Haushalt in Essen auf 321 Euro im Jahr und für einen Haushalt in Frankfurt am Main auf fast 280 Euro jährlich. Das entspricht annähernd der gesamten EEG-Umlage, die auf den Strompreis momentan aufgeschlagen wird. Aus Sicht des Stromkunden bräuchte sich an der aktuellen Förderung der Erneuerbaren über das EEG daher nichts ändern. Die Deutschen, die noch nicht den Stromanbieter gewechselt haben - und das sind nach Angaben der Bundesnetzagentur noch 83 Prozent - müssten sich lediglich bequemen, ein paar Minuten in einen Anbieterwechsel zu investieren.

Überdies kann man bis zu 100 Euro Stromkosten sparen, wenn man kleine Verhaltensänderungen und Tricks beherzigt, ohne in Neugeräte investieren zu müssen. Nutzt man z. B. sein Notebook anstelle des PCs, so kann man laut Stiftung Warentest fast zwei Drittel der dafür anfallenden Stromkosten einsparen. Einsparungen sind aber auch im Haushalt drin. Wer beim Wäschewaschen mit 40° C statt mit 60° C wäscht, spart 40 Prozent des vorherigen Stromverbrauchs. Wer die Temperatur in gleichem Maße bei der Geschirrspülmaschine reduziert, spart rund 30 Prozent Strom ein. Das sind alles kleine Maßnahmen, die im Alltag unkompliziert von der Hand gehen und mit keinerlei Komforteinbußen verbunden sind.

Angesichts dieser Möglichkeiten sollte man zunächst "vor der eigenen Türe kehren", bevor man die Kürzung der Förderung der Erneuerbaren als Ultima Ratio für eine Begrenzung der Stromkosten akzeptiert. Denn was die Koalitionäre innerhalb der AG Energie gerade planen, kann das Ende der Bürgerenergiewende bedeuten. Denn bei diesen Vorschlägen geht es im Kern um einen möglichen Verlust der bisherigen Investitionssicherheit für Erneuerbare-Anlagen. Für den Bau von PV-Anlagen kann dies bedeuten, dass der Anlagenbetreiber dann nicht mehr weiß, ob sich seine Investition überhaupt rentieren wird. Die Befürchtung eines Ausbaustopps ist damit mehr als begründet. Bevor die Regierung also unabsehbare Entscheidungen am "grünen Tisch" trifft, sollte sie die Nutzung der Potenziale forcieren, die sofort erschließbar sind.