Der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen der Erde hat sich in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Thema entwickelt. Im Bereich der Wärmeversorgung gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, den fossilen Energiebedarf deutlich zu senken oder gänzlich zu substituieren. Dennoch besteht noch eine große Abhängigkeit der Volkswirtschaften von den Rohstoffen Öl und Erdgas, sodass diese auch in den kommenden Dekaden nahezu unverzichtbar bleiben werden. Paradoxerweise werden die Preise trotz neu entdeckter Energieressourcen jedoch nicht mehr sinken.

Irrtum Energieressourcen: Erdöl- und Erdgasreserven unsicher (Foto: daemmen-und-sanieren.de / RD)

Erdölressourcen weiterhin ausreichend vorhanden

Laut einer aktuellen Studie des World Energy Council (WEC) werden die weltweiten Ölvorkommen auch einen weiterhin steigenden Bedarf noch auf Jahrzehnte hin decken können. Laut WEC seien die weltweiten Ölressourcen seit 1993 sogar um ein Viertel angewachsen, während die Förderung hingegen nur um 20 Prozent anstieg. Derzeit liegen die Ölreserven nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bei rund 216 Milliarden Tonnen, während diese noch zur Jahrtausendwende 76 Milliarden Tonnen weniger waren. Weitere geschätzte 466 Milliarden Tonnen befinden sich in geologisch noch nicht erfassten und technisch schwer zugänglichen Gebieten. Diesen Mengen stünden "nur" ein jährliches Förderungsvolumen von 4,05 Milliarden Tonnen gegenüber. Grund für dieses scheinbare Überangebot sind neue Erschließungs- und Produktionstechniken, die die Förderung in schwer zugänglichen Lagerstätten ermöglichen, sowie die Nutzung unkonventioneller Quellen wie etwa Schiefergestein.

Erschließbare Reserven schwer zu prognostizieren

Die aus der Erschließung dieser Schiefergasvorkommen in der Praxis realistisch zu erwartenden Fördermengen werden in ihrem prognostizierten Umfang von Experten jedoch angezweifelt. So berichtet die Heinrich Böll Stiftung in "Ressourcenschwindel Schiefergas", dass die festgestellten Ressourcen in USA in keinster Weise darauf hinweisen, wie viel davon wirklich wirtschaftlich gefördert werden könnten. So sei es z.B. möglich, dass mehr Energie für die Förderung benötigt wird, als in den Ressourcen enthalten ist. Die praktisch förderbare Energiereserve wird daher sehr viel niedriger und vor allem wesentlich schwerer prognostizierbar sein. Die Kombination aus überschätzten Vorkommen und aktuell sehr niedrigen Preisen wird laut Böll Stiftung zu signifikanten Preisschwankungen führen, die wiederum einen unvermeidbaren Anstieg des Gaspreises in der nahen Zukunft hervorrufen werden. Zudem sei das US-Beispiel aus geologischer, geographischer, wirtschaftlicher und politischer Sicht auch nicht auf die Situation in Europa übertragbar.

Ölpreis wird trotz breiteren Angebots weiter steigen

Eine aktuelle Studie von Roland Berger Strategy Consultants bringt es daher auf den Punkt: Öl und Gas wird es noch länger in ausreichendem Maße geben, aber die Unsicherheit in fast allen Belangen der Erschließung und letztendlichen Förderung wird den Preis für diese Energien mit Sicherheit steigen lassen: Denn auch wenn das Angebot breiter wird: Die Förderung aus unkonventionellen Quellen ist teuer und treibt die Grenzkosten in der Produktion in die Höhe. Der Preis pro Barrel wird also in den kommenden Jahren kaum unter 70 US-Dollar fallen, schätzen die Roland Berger-Autoren. Diese Preissteigerungen verteuern dann natürlich auch das Heizen mit Heizöl, das in etwa 5 Millionen Heizungen in Deutschland immer noch zum Einsatz kommt.