Anmerkung: Dies ist eine Übersetzung des auf Skeptical Science unter dem Titlel "The little ape that could" von Glenn Tambliyn veröffentlichten Artikels. Die in der Ichform geschriebenen Passagen beziehen sich auf ihn.

Vor einigen Jahren machte ein Zuschauer bei einer Podiumsdiskussion im britischen Fernsehen über den Klimawandel die Bemerkung, dass er den Gedanken, die Menschheit sollte etwas so großes wie das Klima der Erde beeinflussen können, für anmaßend halte. Hier ist eine wichtige Einsicht enthalten, wenn wir den Gedanken etwas aufdröseln.

Ist es anmaßend daran zu denken, dass wir das Klima beeinflussen sollten? Ja, wahrscheinlich, abhängig vom Standpunkt. Das war aber wohl nicht gemeint. Der Punkt war, dass der Gedanke wir könnten das Klima beeinflussen, anmaßend war. Es ist aber gar nicht anmaßend; und es ist auch nicht bescheiden.

Es ist eine Messlatte.

NASA global warming

Veränderung der Oberflächentemperaturen 2000–2009 (oben) und 1970–1979 (unten), bezogen auf die Durchschnittstemperaturen von 1951 bis 1980 (Grafik: NASA; Lizenz: Gemeinfrei)

Wie mächtig muss "etwas" sein um das Klima zu beeinflussen? Und wie mächtig sind wir jetzt? Das sind beides Fragen, auf die wir quantitative Antworten schätzen können.

Die einfache Tatsache ist, dass Zeit meines Lebens - ich wurde 1957 geboren - oder vielleicht auch schon seit etwas Längerem, die Macht der Menschheit enorm gewachsen ist und wir das gar nicht so richtig bemerkt haben. Dies wird die Große Beschleunigung genannt und fand innerhalb eines Menschenlebens statt.

Schauen wir uns also einige Kennzahlen an - einige Daten, die zeigen wie mächtig wir geworden sind.

Mehr Menschen.

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte, lag die Erdpopulation unter einer Milliarde Menschen. Zu Zeiten Christi waren es vielleicht 200 bis 300 Millionen. Erst um 1800 herum, erreichten wir eine Milliarde, um 1926 zwei Milliarden und um 1960 drei Milliarden”. Seither ist die Welbevölkerung ca. alle 14 Jahre um eine Milliarde angewachsen.

 

"Populationskurve" von El T - ursprünglich zu en.wikipedia as Population curve.svg hochgeladen. Die Daten stammen von den "niedrigeren" Schätzungen auf census.gov

Für ein Kind, das nach dem Ende des 2. Weltkrieges geboren wurde, hat sich die Erdpopulation Zeit seines Lebens verdreifacht. So etwas hat es zuvor für keine andere Generation in der Geschichte gegeben und es ist unwahrscheinlich, dass es sich jemals wiederholt. Sie, wir, sind eine einmalige Generation der Geschichte.

Meine Eltern, ihre Kinder und Enkel haben die monumentalsten Veränderungen der ganzen Menschheitsgeschichte durchlebt. Nicht einfach nur den Aufstieg der Technologie, die elektronische Revolution, die Raumfahrt. Sondern noch wichtiger Hygiene, Medizin und Verhütung - mein Großvater hatte 8 Kinder, von denen nur 4 erwachsen wurden. Heutzutage wären wir davon schockiert. Für alle unsere Vorfahren war das ganz normal.

Unsere Vorfahren wären total verblüfft; unser Welt, wo solche Veränderungen möglich sind, würde ihn total fremd vorkommen.

Weil sich für sie zeitlebens nicht viel veränderte. Ein Bürger des 6. Jahrhunderts würde kaum Veränderungen bemerken, wenn er 100 Jahre in die Zukunft reisen würde; Könige und Prinzen kamen und gingen, vielleicht änderten sich ein paar Linien auf einer Landkarte, das normale Leben ändert sich aber kaum während eines Menschenlebens.

Für uns fühlt es sich dagegen normal an, dass es solch große Veränderungen gibt, weil es das ist, was tatsächlich passiert. Wir haben keine echte Referenz tief in uns, die uns wissen lässt, dass das Hier und Jetzt total erstaunlich ist; wir haben uns komplett von dem entfernt, was unsere Vorfahren für normal hielten.

Trotzdem sehen wir uns vielleicht im Spiegel noch unbewusst mit den Augen unserer Vorfahren und projizieren das auf unser heutiges Leben, weil es der Blick ist, den wir von ihnen geerbt haben. Wir realisieren gar nicht, dass wir uns von ihnen losgesagt haben, dass wir für sie "Fremde in einem fremden Land" sind.

Wenn die Kraft der Menschheit davon abhängt wieviele es von uns gibt, hat sich unsere Kraft während eines Menschenlebens verdreifacht. Wenn es jemals einen Tag geben sollte, an dem unsere Kraft so groß ist, unseren Planeten erheblich zu beeinflussen, dann ist das sicherlich heute. Schon allein der Anzahl wegen, ist unsere Kraft heute 25 bis 30 Mal größer seit der Zeit Christi.

Und kräftigere Menschen.

Wir haben aber nicht nur unsere Anzahl vervielfacht. So viele von uns, als Individuen, sind viel, viel kräftiger als es sich unsere Vorfahren jemals hätten träumen lassen können.

Vor kurzem habe ich eine Veranda an mein Haus angebaut. Dazu benötigte ich eine Maschine zum Bohren der Löcher für die Verandapfosten. Also fuhr ich mit meinem kleinen SUV samt Anhänger in eine nahegelegene Stadt um mir eine Maschine für das Ausgraben der Löcher auszuleihen und sie am selben Tag wieder zurückzubringen. Diese Maschine hatte einen 25 Pferdestärken (PS) starken Motor. Mein Auto hat einen 130 kW Motor - ungefähr 175 PS.

Nur um ein paar Löcher in den Boden zu bohren, hatte ich Zugriff auf die durchschnittliche Kraft von 200 Pferden! Wie hätte man jemanden in früheren Jahrhunderten genannt, der 200 Pferde einsetzen konnte, wenn er sie brauchte? Einen sehr reichen und mächtigen Mann; es wäre damals wahrscheinlich ein Mann gewesen. Heute hat jeder einfache Bürger die Möglichkeit darauf zuzugreifen, wenn er es braucht.

Wenn Sie ein Hemd bügeln, schauen Sie 'mal auf das Typenschild des Bügeleisens. In der Regel hat es eine Leistung von 1400 bis 1600 Watt - zwei PS. Sie haben also zwei Pferde zur Verfügung, nur um ein Hemd zu bügeln!

Als Australien von Europäern besiedelt wurde (australische Ureinwohner dürften berechtigterweise eher von einer Invasion reden), dauerte die Reise von Melbourne zur Stadt, in der ich wohne, ungefähr 10 Tage zu Fuß. Heute kann ich diese Strecke zur Arbeit innerhalb von 1 1/2 Stunden zurücklegen.

Es gibt heute so viele mehr von uns und wir sind auch so viel mächtiger als alle unsere Vorfahren. Wir bemerken das aber gar nicht, weil es für uns heute ganz normal ist. Das total Außergewöhnliche ist heute für uns ganz alltäglich. 

Einige Zahlen, aus der großen weiten Welt.

Essen Sie Fleisch? Einen Hamburger, Hühnerrisotto, Lammbraten, Schinken? Trinken Sie Milch, essen Sie Eier, Käse, Joghurt? Das alles stammt von Haustieren. Welchen Teil der Welt machen wir und unsere Haustiere aus? Welcher Teil sind noch "wilde" Tiere?

Hier sind einige Beispiele für die Individuenzahl verschiedener Arten:

  Arten Anzahl (ungefähr) Domestiziert
Menschenaffen und Affen   Homo Sapiens  7.300.000.000  Ja?
 Borneo Gibbon  250-375.000  Nein
Schimpanse 170-300.000  Nein
 Westlicher Flachlandgorilla 95.000  Nein
 Orang-Utan 45-70.000  Nein
Die meisten kleinen Affenarten 1000 bis 90.000 Nein
     
       
 Fleischfresser  Hunde 400.000.000 Ja
 Katzen 600.000.000 Ja
Amerikanischer Schwarzbär 900.000 Nein
Braunbär 200.000 Nein
Waldhund 110.000 Nein
Seeotter 100.000 Nein
Leopard 75.000 Nein
Löwe 30-40.000 Nein
Eisbär 20-25.000 Nein
Tiger 4.000 Nein
Seelöwen und Seehunde Mehrere Millionen Nein
       
Huftiere Rinder & Büffel 1.400.000.000 Ja
Schafe & Ziegen 1.900.000.000 Ja
Schweine 980.000.000 Ja
Maultiere 10.000.000 Ja
Esel 40.000.000 Ja
Pferde 58.000.000 Ja
Impalas. 2.000.000 Nein
Springböcke 2.000.000 Nein
Zebra 660.000 Nein
Wapiti 1.500.000 Nein
Blauducker 7.000.000 Nein
Gnu 1.500.000 Nein
Flusspferd 125-148.000 Nein
Giraffe 80.000 Nein
Elefant ~ 500.000 Nein
die meisten anderen Huftiere Hundertausende Nein

Und es gibt fast 20 Milliarden Hühner!

Insgesamt wird geschätzt, dass von der gesamten Masse aller Landwirbeltiere, wir Menschen und unsere Haustiere über 95% ausmachen. Wenn wir das Gewicht der höher entwickelten Landtiere - Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien - betrachten, sind weniger als 5% noch wild. Wir haben schon fast die ganze Wildnis domestiziert.

Wieviel Land haben wir eigentlich zur Verfügung?

Unsere Population umfasst ungefähr 7,3 Milliarden Menschen. Die Landfläche der Erde beläuft sich auf etwa 15 Milliarden Hektar. Das sind also ungefähr 2 Hekar pro Person (20.000 qm2). Nicht das ganze Land ist nutzbar; ein Teil sind Eiskappen, Berge, Wüsten. Als vielleicht 1,75 Hektar pro Person.

Die Landmasse nimmt nicht zu, aber unsere Anzahl schon. Als ich geboren wurde, lag die Fläche noch bei ungefähr 5 Hektar pro Person. Wenn unsere Anzahl wie projiziert bis gegen Ende des Jahrhunderts auf 10 bis 11 Milliarden anwächst, wird sich diese Fläche auf nicht viel mehr als einen Hektar (10.000 qm2) pro Person verringern.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf einem Hektar "durchschnittlichen Landes" überleben.

Typisches Farmland in der Näche von Canberra, Australien

Ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen, Ihre Kleidung herstellen, ein Dach über dem Kopf, Besitztümer, Werkzeuge und Gerätschaften, Wasserversorgung haben und ihre Nahrung nur mit dem Regen wachsen lassen, der auf Ihr Land fällt, für Strom, Wärme und Kühlung für Ihren eigenen Verbrauch sorgen und all Ihren Abfall und Müll entsorgen - wenn Sie das Bad nutzen oder Ihren Müll 'rausschmeißen, verlässt nichts ihr Land. Sie müssen das Wasser, das Sie verwenden, filtern, ja sogar den Sauerstoff, den Sie zum  Atmen brauchen, durch Pflanzen auf Ihrem Land ersetzen.

Und Sie müssen all dies für Immer und Ewig tun; wenn Sie sterben (und auf Ihrem 1 Hektar begraben oder eingeäschert werden), müssen Sie das Land so an die nächste Person weitergeben, dass diese davon leben kann und danach die nächste. Sie müssen den Nährstoffgehalt des Bodens erhalten, damit Sie und sie weiterhin Nahrung anbauen können. Sie müssen die Bodenerosion und das Austrocknen begrenzen, damit der Boden nicht schneller verloren geht als neuer gebildet werden kann.

Könnten Sie das tun? Könnten sie komplett und für immer auf nur einem Hektar "durchschnittlichen" Landes überleben? Oder überleben Sie nur, weil Sie Ihren Hektar aufbrauchen und nichts für später übriglassen? Plötzlich hört sich der Unterschied zwischen 6 Hektar pro Person als ich auf die Welt kam und nur noch 1 Hektar pro Person später in diesem Jahrhundert sehr nach einer großen "Herausforderung" an. Zu Zeiten Christi lag die Zahl noch bei über 50 Hektar pro Person.

Na, immer noch überzeugt davon, dass wir keine große Bedeutung haben?

Wieviel Energie verbrauchen wir?

Der gesamte Energieverbrauch der Menschheit wird auf ungeführ 18 Billionen Watt geschätzt. Und wenn jeder Mensch auf unserm Planeten wie wir in den entwickelten Ländern und mit unserem Energieverbrauch leben würde, läge diese Zahl wohl eher zwischen 60 und 80 Billionen Watt.

Dies ist eine große Zahl; aber wie groß? Ein Vergleich: der gesamte Wärmestrom aus dem Innern der Erde, also die ganze geothermische Wärme, wird auf 44-47 Billionen Watt geschätzt. Und dies ist der Wärmestrom, der als Antrieb für geologische Prozesse dient - das Erschaffen von Bergen, die Kontinentaldrift, Vulkanausbrüche, Erdbeben.

Unser Energieverbrauch hat bereits geologische Ausmaße angenommen. Und möglicherweise wird er noch bis auf fast das Doppelte geothermischer Wärme ansteigen. Weil es so viele von uns gibt und weil wir Zugriff auf so viele "Pferde" haben.

Noch ein paar weitere Zahlen zur Energie.

Wenn wir die "nebensächlichen" Probleme wie den Klimawandel einfach 'mal ignorieren, und die Menschheit in der Lage wäre, sämtliche verfügbaren Kohlevorräte zu verfeuern, würde es vielleicht mehrere Jahrhunderte dauern, bevor wir sie komplett aufgebraucht hätten. Diese Kohle wurde aber über einen Zeitraum von über hunderte von Millionen Jahren abgelagert. Die Spitze der Kohlebildung lag im Karbon, aber einiges an Kohle wurde innerhalb der letzten 400 Millionen Jahre abgelagert. Und wir könnten das alles innerhalb weniger Jahrhunderte verbrauchen! 

Die Menge von Kohle, die Jahrhunderte benötigte um sich zu bilden, verfeuern wir an einem TAG!

Wie schnell steigt die CO2-Konzentration?

Wir können uns Daten aus Eisbohrkernen anschauen, um festzustellen, wie schnell sich die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre während der vergangenen Eiszeitzyklen innerhalb von Hunderttausenden von Jahren verändert hat, als sich riesige Eispanzer ausdehnten und zurückzogen.

Eisbohrkerndaten aus Vostok in der Antarktis: Konzentration von Kohlendioxid (Petit 2000) und Temperaturveränderungen (Barnola 2003).  Zum Vergleich: die aktuelle Konzentration von ca. 400 ppm ist über zweimal so hoch wie die Höhe der Grafik.

Die schnellsten Veränderungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre lag bei ungefähr 1 Teilchen pro Millionen Teilchen (ppm vom englischen "parts per million") pro Jahrhundert.

Heute steigt die CO2-Konzentration um ungefähr 1 ppm alle 23 Wochen an!

Wenn wir in die Tiefen der geologischen Zeit eintauchen und ungefähr 500 Millionen Jahre zurückgehen, scheint es nur eine Periode gegeben zu haben, in der es wahrscheinlich ähnlich schnelle oder sogar schnellere Veränderungen bei der CO2-Konzentratiion als heute gab. Das war vor ca. 250 Millionen Jahren am Ende des Permzeitalters. Das war die Zeit des größten Massenaussterbens in der Geschichte. 75% aller Landsäugetierarten starben aus; 96% aller Arten der Ozeane. Meerestemperaturen in Äquatornähe erreichten fast 40°C, das Festland war noch wärmer. Vermutlich wurde in den 10 Millionen Jahren nach diesem Ergeignis keine neue Kohle gebildet - es kam zur sogenannten "Kohle-Lücke" weil die Waldfläche auf der Erde extrem zusammenschrumpfte. Große Mengen von Boden wurde ins Meer geschwemmt als Erosion die Kontinente abschabte.

Kein anderes Ereignis aus der Vergangenheit kommt an das heran, was wir heutzutage mit der CO2-Konzentration anstellen.

Weil wir mit so vielen Menschen und so vielen "Pferden" und so viel Technologie, Dinge viel viel schneller ausgraben und verfeuern können als Mutter Natur sie jemals erschaffen konnte.

Wir sind sehr sehr gut darin, "Zeugs auszugraben"!

Hier ist eine Überschlagsberechnung; wieviel "Zeugs" graben wir jedes Jahr aus?

Wir schürfen ungefähr 9 Milliarden Kohle pro Jahr, 3,5 Milliarden Tonnen Eisenerz. Vielleicht 1 Milliarde Tonne an Kupfererzen, 300 Millionen Tonnen Aluminiumerze. Dann sind da noch die vielen Dutzende anderer Mineralien und Erze, die wir im Umfang von 100-Millionen oder 10-Millionen von Tonnen schürfen. Irgendwo auf der Welt liegen noch viele viele Kilo Schlacke herum, die vom Schürfen des Goldes stammen, aus dem mein Hochzeitsring hergestellt wurde.

Also insgesamt vielleicht 20 - 30 Milliarden Tonnen wenn alle Erze berücksichtigt werden.

Wie Ihnen aber jeder Bergbauingenieur oder Geologe erklären wird, gräbt man nicht nur das Erz aus. Zunächst muss man erst einmal an es herankommen. Man muss normales Gestein entfernen, um an den Erzgang zu gelangen. Dies wird dann, vielleicht geringschätzig, "Abraum" genannt. Üblicherweise muss zwei- bis dreimal so viel Abraum entfernt werden, wie es Erz zum Abbauen gibt. So hatte beispielsweise der Plan für die jüngst gestoppte Erweiterung der Olympic Dam Uran- und Kupfermine in Südaustralien die Beseitigung von 40 Milliarden Tonnen Abraum vorgesehen, um an das Erz heranzukommen.

Also 20 - 30 Milliarden Tonnen Erz pro Jahr und 2 - 3 Mal diese Menge als Abraum; das gibt zusammen zwischen 60 und 120 Milliarden Tonnen im Jahr.

Und wie sieht es mit Zement aus? Weltweit liegt die jährliche Produktion von Zement bei etwas 4 Milliarden Tonnen. Und wie Ihnen jeder heimwerkende Vater bestätigen wird, besteht die Mischung für Beton aus 1 Teil Zement, 2 Teilen Sand und 4 Teilen Kies.  Es werden also 18 Milliarden Tonnen Sand und Kies benötigt, um diesen Zement zu Beton zu machen. Da hört es aber noch nicht auf; wir verwenden "Gesteinskörnung" - Sand, Kiesel, Felsbrocken - als Basis für Straßen, Füllung von Staudammwänden, Stützmauern, Zufahrten aus Kies, Deichen, was auch immer. Weltweit liegt der Abbau von Gesteinskörnung bei 40 - 50 Milliarden Tonnen pro Jahr.

Wir buddeln also jedes Jahr zwischen 100 und 170 Milliarden Tonnen "Zeugs" aus; und da sind "Kleinigkeiten" wie das Bestellen von Feldern noch gar nicht berücksichtigt.

Was entspricht also dieser Menge von über 100 Milliarden Tonnen Gestein, die wir jährlich ausgraben?

Schauen wir uns 'mal den Himalaya an.

Zusammen mit dem Hindukusch bedeckt er ungefähr 1 Million Quadratkilometer. Beide wachsen etwa 5 Millimeter pro Jahr in die Höhe. Das sind 5 Milliarden Kubikmeter an zusätzlichem Felsgestein, das jedes Jahr hochgedrückt wird; die Kraft der Geologie im Einsatz.

Die Dichte des Felsgesteins ist unterschiedlich groß, aber ein typischer Wert liegt bei ungefähr dem 2,7-fachen der Dichte von Wasser. Der Himalaya, drückt also ungefähr 13,5 Milliarden Tonnen zusätzliches Gestein pro Jahr nach oben.

Durch Abschürfen und Abbau fördert die Menschheit aber 100 bis 170 Milliarden Tonnen pro Jahr; also 7 - 11 Mal so viel. Wenn wir alle Bergbauarbeiter und Steinbrecher der Welt zum Himalaya schicken und ihnen sagen würden "legt 'mal los", was wären sie in der Lage zu erreichen? Nun, der Himalaya würde nicht mehr 5mm pro Jahr ansteigen, sondern um 30 - 50 mm pro Jahr schrumpfen! Hört sich nicht nach besonders viel an, oder? Das sind nur 30 - 50 Meter alle 1000 Jahre; 3.000 bis 5.000 Meter in 100.000 Jahren. Also vielleicht doch nicht so ganz trivial.

Unsere heutigen Schürf- und Abbauaktivitäten rund um den Globus entsprechen dem Plattmachen des Himalaya innerhalb von 100-200.000 Jahren. Und der hat 10-20 Millionen Jahre benötigt, um in die Höhe zu wachsen! Wir graben Gestein 100 mal schneller aus als die Kräfte, die den Himalay empordrücken. Wenn wir unsere Bergbauarbeiter und Steinbrecher auf alle Gebirgszüge der Welt loslassen würden - also nicht nur den Himalaya sondern auch die Anden, die Rocky Mountains und Sierras, die Alpen und Pyrennäen, das Atalasgebirge, den Ural und die Karakoram Berge - würden sie sie binnen 1 bis 2 Millionen Jahren plattmachen.

Kostenlos nutzbare Bilder wunderschöner Landschaften

Alle großen Gebirgszüge der Welt, die 10-Millionen von Jahre benötigten, um sich zu formen, könnten wir in weniger als einem Zehntel der Zeit einebnen.

Das ist der Umfang dessen, was wir genau jetzt - heute - machen!

Wir sind mittlerweile die mächtigste geologische Kraft des Planeten. Weil es so viele von uns gibt, weil wir so viele "Pferde" für uns arbeiten lassen, weil wir technologisches Wissen und all die Energie aus den uralten fossilen Energieträgern zur Verfügung haben, können wir Berge versetzen. Alle von ihnen, wenn wir wollten.

Eine nur wenig bekannte Kommission, die Internationale Kommission für Stratigraphie (ICS), denkt gerade über einen Namen nach. Die ICS legt die genaue Beschreibung der Definitionen für die Namen und die Periode jedes geologischen Zeitalters und jeder Epoche fest; "diese Epoche wird durch diese Schichten an diesen Orten und zwischen dieser Zeit und jener Zeit definiert".

Im Moment denken sie gerade über die Definition des aktuellen geologischen Zeitalters nach. Es wird umgangssprachlich schon seit etwa 1980 verwendet. Sie möchten es aber formal beschließen.

Diese Epoche wird das Anthropozän genannt. Das geologische Zeitalter des Menschen. Als die Menschheit so mächtig wurde, dass wir unsere Spuren sogar in den Felsen hinterließen.

Zukünftige Geologen werden die Veränderungen sehen, die wir herbeigeführt haben. Merkwürdig abgehackte und fehlende Erzgänge, riesige mit neuerem Sediment gefüllte Löcher in der Erde, die Signaturen chemischer Veränderungen in den Meeren und der Atmosphäre, unser versteinerter Technologieschrott. Dass ein gewaltiger Umbruch, so gewaltig wie viele geologische Ereignisse der Vergangenheit und doch nur einen Wimpernschlag geologischer Zeit benötigend, die Erde verwandelte.

Wir sind heute wirklich mächtig. Und doch haben wir es tief in unserem Innersten noch nicht bemerkt, haben es noch nicht "geschnallt". In der Regel leben wir einfach immer weiter vor uns hin, übertragen unser eigenes Leben und die alltäglichen Erfahrungen auf die weite Welt um uns herum und finden es extrem schwer zu begreifen, wie die Veränderung des Umfangs unserer Aktivitäten, alles andere verändert.

Ein Chihuahua in einem Porzellanladen kann keinen großen Schaden anrichten. Ein Stier kann das aber sehr wohl. Der Stier muss also sehr viel vorsichtiger sein. Wir sind jetzt wie dieser Stier. Wir müssen so vorsichtig sein, weil wir so mächtig geworden sind.

                             

Wenn Sie sich auf der Welt umschauen und wie wir unser Leben leben, wie alles organisiert und verwaltet ist, sehen Sie dann, dass sich die Notwendigkeit für Sorgfalt in all unseren Entscheidungen und Aktivitäten widerspiegelt? Stärke, Macht können wundervolle Dinge leisten, sie können aber auch furchtbare Dinge machen; Macht ist neutral. Es liegt an unserer Sorgfalt bei den Entscheidungen, die wir treffen, was daraus wird.

Oder sind wir wie der Chihuahua: glücklich und ausgelassen und sorglos, weil er noch nicht bemerkt hat, wie stark er geworden ist? Den Porzellanladen zerdeppernd.

Wir sind wirklich sehr mächtig geworden - klein aber oho! Die meisten von uns haben es aber noch gar nicht bemerkt.


Greg Craven hat sich auch schon Gedanken dazu gemacht: hier.

Einige überzeugende Daten, wie unsere Fähigkeit "Dinge zu verändern", viele andere Arten beeinträchtigt, gibt es hier.

Hans Rosling liefert einige interessante Informationen über die Rolle der Bevölkerungsgröße und was wir machen können und was nicht hier.

Um eine Vorstellung der Zeiträume, der Größe und wie wir uns einfügen zu bekommen, schauen Sie sich dies an.

Und, gerade als ich mit dem Entwurf für diesen Artikel fertig geworden war, wurde folgendes in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht.

AbstraKt:
Human activity is leaving a pervasive and persistent signature on Earth. Vigorous debate continues about whether this warrants recognition as a new geologic time unit known as the Anthropocene. We review anthropogenic markers of functional changes in the Earth system through the stratigraphic record. The appearance of manufactured materials in sediments, including aluminum, plastics, and concrete, coincides with global spikes in fallout radionuclides and particulates from fossil fuel combustion. Carbon, nitrogen, and phosphorus cycles have been substantially modified over the past century. Rates of sea-level rise and the extent of human perturbation of the climate system exceed Late Holocene changes. Biotic changes include species invasions worldwide and accelerating rates of extinction. These combined signals render the Anthropocene stratigraphically distinct from the Holocene and earlier epochs.

Einige Grafiken aus der Studie, die einen Eindruck von einigen der Dinge geben, die wir machen:

 


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