Klimawandel

China: Klimawandel könnte Wachstum und Ernährung beeinträchtigen

Ende letzten Jahres erschien in China ein neuer Report zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt und die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Auf 710 Seiten wurde beschrieben wie sich die CO2-Emissionen voraussichtlich entwickeln und welche Veränderungen dadurch zu erwarten sind. "China wird unter dem Einfluss andauernder Erderwärmung mit extrem harten ökologischen- und Umweltbedingungen, sowie Veränderungen in seiner regionalen Umwelt konfrontiert werden", schreiben die Autoren des Berichts.


Ausgetrocknetes Flussbett in Ningxia/China (Foto: Bert van Dijk; Lizenz: 
CC BY-NC-SA 2.0)

Dieser "Zweite nationale Report zur Bewertung des Klimawandels" kommt zu dem Ergebnis, dass die CO2-Emissionen ihren Höhepunkt erst in 20 Jahren erreichen und eine bedeutende Reduzierung erst in 40 Jahren zu erwarten ist.

Dies bedeute einen erheblichen Anstieg des CO2-Anteils in der Atmosphäre und ein Verfehlen des Zieles, die Erderwärmung bei 2 Grad Celsius, im globalen Durchschnitt, zu stabilisieren. Die daraus resultierenden Klimaveränderungen würden den Ertrag der landwirtschaftlichen Felder um bis zu 20% reduzieren. Darüber hinaus würden die Klimaveränderungen zu größeren Unregelmäßigkeiten bei der Wasserversorgung führen. In den meisten Landesteilen könnten die Niederschläge zunehmend im Frühjahr und Sommer erfolgen, bei häufigeren Dürren und Überflutungen. Über das Jahr gesehen entstände ein Wassermangel in vielen Provinzen. Der Report warnt ebenfalls vor einem Rückgang der Gletscher, welche chinesische Flüsse speisen, dem Anstieg des Meeresspiegels, intensiveren Wirbelstürmen und Sturmfluten. Insgesamt könnten diese Verhältnisse zu einer Verringerung des Wirtschaftswachstums der Volksrepublik führen.


Shanghai Road, Gulou District, Nanjing/China, Juli 2011 (Foto: thevamphyri; Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Während der Bericht die Zukunft Chinas unter dem Klimawandel abschätzt, litt das Land bereits in der Vergangenheit unter extremen Wetterereignissen. Anfang 2011 berichteten auch deutsche Quellen über die ausgeprägte Trockenheit in Nordchina, welche die schlimmste Dürre seit 60 Jahren sei. Wegen der ausfallenden Getreideproduktion aus diesen Landesteilen versorgte sich die Volksrepublik auf dem Weltmarkt mit Getreide und trieb den Preis dafür in die Höhe. Im Jahr davor erlebte China die schlimmste Flutkatastrophe seit 50 Jahren. Damals waren mehr als 25 Millionen Menschen im Osten des Landes von den Wassermassen betroffen. Östliche Provinzen wurden im Juni 2011 erneut von gewaltigen Regenfällen überflutet, ebenso wie Teile im Süden des Landes.


Windfarm in Ningxia (Foto: Land Rover Our Planet; Lizenz: CC BY-ND 2.0)

Diese und ähnliche Erfahrungen führten schon vor dem Erscheinen des neuen Reports dazu, dass Umweltpolitik einen sehr viel höheren Stellenwert im politischen Ranking bekam. Der letzte Fünfjahresplan ist bereits sehr stark von Umwelt- und Klima-Aspekten durchdrungen. Vor wenigen Tagen wurde gemeldet, dass in China diskutiert werde, einen Deckel für den Kohleverbrauch zu beschließen. Darüberhinaus soll eine Kohlendioxid-Steuer eingeführt werden, die zunächst gering ausfallen, dann aber ansteigen soll. Die Ausbauziele für die Solarstromerzeugung wurden um 50% erhöht. Bereits jetzt werden in keinem Land der Erde mehr Windenergieanlagen installiert und bis 2015 hat auch im Reich der Mitte die Glühbirne ausgedient. Gerade heute meldeten die Ticker auch, dass in Peking nun die Luftschadstoffe nach internationalen Standards gemessen werden. Auch auf internationaler Ebene, bei den Klimaverhandlungen, hat China seine Blockadepolitik aufgegeben und erklärt, dass es ab 2020 verbindlichen Reduktionszielen bei den Treibhausgasen - für das eigene Land - zustimmen würde.


Könnte bald Vergangenheit sein (Bild: yfchan; Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Man kann also davon ausgehen, dass der neue Report von der chinesischen Regierung aufmerksam gelesen und beachtet wird. Bei der Umweltpolitik ist dort politisch allerhand in Bewegung - im positiven Sinne. 

Informationen zum Inhalt des Reports: 

1. Climate change resulting in wild weather in China

2. China report spells out ”grim” climate change risks

3. Report: Climate Change Could Hamper China’s Rise