"Gewidmet den unschuldigen Opfern des Klimawandels"

"Der Kimawandel ist bereits präsent. Er tötet. Er raubt Lebensgrundlagen. Und er nimmt am meisten von denen, die am wenigsten haben. Aber seine Kosten sind weitgehend vor unserem Verständnis versteckt. Passivität gegenüber dem Klimawandel wird uns letztlich alle treffen. Nur gemeinsam können wir einen anderen Weg beschreiten ..." So beginnt die gerade erschienene wissenschaftlichen Studie "Climate Vulnerability Monitor", welche die menschlichen und finanziellen Kosten des Klimawandels beschreibt, herausgegeben von der internationalen Organisation DARA und dem Climate Vulnerable Forum.1)


(Grafik: Udo Schuldt)

Ähnlich wie der Stern-Report, des Ökonomen Nicholas Stern, untersucht die Studie die volkswirtschaftlichen Kosten, also die Verluste durch den Klimawandel. Viel wichtiger, aber in der Welt der Hochfinanz unbedeutender, sind jedoch die ermittelten Todesopfer aufgrund der Erderwärmung und einer Welt-Ökonomie, die auf fossilen Brennstoffen basiert.

Schon heute sterben etwa 5 Millionen Menschen - pro Jahr - aufgrund der fossilen Energieerzeugung und der Folgen des Treibhauseffekts. Dieser alleine kostet gegenwärtig etwa 400'000 Menschen jährlich das Leben. Hauptgrund hierfür sind Hunger und Infektionskrankheiten, die vor allem Kinder in den Entwicklungsländern betreffen. Etwa 4,5 Million Menschen sterben - pro Jahr - einen frühen Tod, weil sie Krankheiten infolge der Luftverschmutzung erleiden, oder aufgrund von Berufskrankheiten, wie Staublunge im Bergbau. Jedes Jahr sterben (z.B.) auch tausende Kumpel in den Kohleminen. Ursache hierfür ist die Verbrennung fossiler Energieträger und die Beschaffung der Energierohstoffe. Die jährliche Todesrate steigt bis 2030 auf etwa 6 Millionen Menschen die einen vorzeitigen Tod erleiden, darunter 700'000 Opfer des Klimawandels. Somit sterben von heute bis 2030, aufgrund der kombinierten Klima-Kohlenstoff-Problematik, mehr als 100 Millionen Menschen vorzeitig.


(Tabelle: CVM ©)

Die Welt ist bereits jetzt zu einem weiteren Temperaturanstieg von 0,5 Grad Celsius verurteilt, zusätzlich zu der bereits stattgefundenen Erwärmung. Grund hierfür ist eine Kombination aus Trägheit der Ozeane, der langsamen Reaktion der Kohlenstoffkreisläufe auf verminderte CO2 Emissionen und dem Fakt, dass die CO2 Emissionen gegenwärtig nur sehr langsam reduziert werden. So der Bericht, tatsächlich steigen die globalen CO2 Emissionen aber noch immer und sogar beschleunigt. In diesem Punkt ist die Studie sehr zurückhaltend gegenüber der Realität.


Klimaverletzbarkeit der Staaten der Erde (Grafik: CVM ©)
Rot = am stärksten betroffen
Orangerot = ernsthaft betroffen
Gelborange = stark betroffen
Hellgrün = mäßig betroffen
Dunkelgrün = gering betroffen

Die ökonomischen Verluste der Erderwärmung betrugen 2010 ungefähr 1% des globalen Bruttosozialproduktes, dies sind umgerechnet etwa 700 Milliarden Dollar. Die Kohlenstoffökonomie kostet der Menschheit jährlich weitere 0,7% des globalen BSP. Die Studie folgert, dass sich die ökonomischen Verluste des Klimawandels, am Welt-BSP, im Jahr 2030 auf etwa 2,1% - pro Jahr - belaufen. Die Folgen der Kohlenstoff-Ökonomie nehmen bis dahin ebenfalls zu, wenn auch nicht so stark, so dass zusammen mehr als 3% des Welt-Bruttosozialproduktes - per Annum - verloren gehen. 


(Tabelle: CVM ©)

Die Auswirkungen der Todesfälle und der Verringerung des BSP sind jedoch regional sehr unterschiedlich verteilt und treffen vor allem die am wenigsten entwickelten Länder. Diese hatten bereits 2010 ein um etwa 10% verringertes Bruttosozialprodukt zu verzeichnen. Mehr als 90% der oben beschriebenen Todesfälle finden in Entwicklungsländern statt und sogar mehr als 98% aller klimawandel-bedingten Todesfälle. Für 2030 wird erwartet, dass China, Indien und die USA enorme Schäden erleiden. 2,5 Billionen Dollar BSP-Verluste und 3 Millionen vorzeitige Todesfälle - pro Jahr - erwarten die Verfasser der Studie nur für diese drei Länder, die meisten Toten gäbe es dann in China und Indien.


Verletzlichkeit der Staaten aufgrund der Kohlenstoff-basierten Wirtschaft (Grafik: CVM ©)
Rot = am stärksten betroffen
Orangerot = ernsthaft betroffen
Gelborange = stark betroffen
Hellgrün = mäßig betroffen
Dunkelgrün = gering betroffen

Aber nicht nur die Entwicklungsländer sind betroffen, sondern Alle. Etwa 250 Millionen Menschen stehen unter dem Druck eines steigenden Meeresspiegels, 30 Millionen sind von Extremwettern betroffen, 25 Millionen weil der tauende Permafrost ihre Umwelt im Matsch versinken lässt und 5 Millionen Menschen leiden unter der Ausdehnung von Wüsten. Das afrikanische Land Ghana wurde in dem Bericht beispielhaft und besonders ausführlich betrachtet. Der Klimawandel kann dort zu einer Zerstörung des sozialen Zusammenhaltes und der Einkommensmöglichkeiten beitragen, was wiederum zu gewaltsamen Aufständen führen könnte.

Diesen Entwicklungen steht die Menschheit nicht hilflos gegenüber. Lediglich 0,5% BSP-Verlust würde eine Umstellung auf eine kohlenstoffarme Weltwirtschaft, auf der Basis von Wasser-, Wind-, Solar-, Gezeiten- und geothermischer Energie, kosten.

Soweit wesentliche Aussagen des Berichtes. Natürlich kann dieser kurze Vorstellungstext nur sehr unvollkommen wiedergeben, was auf 334 Seiten detailliert begründet wurde. Die komplette Studie, in englischer, französischer oder spanischer Sprache, kann man hier herunterladen.

Und die CO2-Emissionen haben 2011 einen neuen Rekord erreicht, das zeigt der
Report "Trends in global CO2 emissions" (Trends der weltweiten CO2-Emissionen)


1) DARA ist eine Einrichtung, die sich zum Ziel gesetzt hat die Hilfmaßnahmen für arme- und von Naturkatastrophen besonders betroffene Menschen zu verbessern. Das Climate Vulnerable Forum besteht aus Vertretern der Entwicklungsländer, es erforscht die Risiken des Klimawandels und sucht Lösungsmöglichkeiten der Klimakrise.