Fakten aufzeigen um Mythenbildung zu verhindern

Soll man falschen Gerüchten entgegentreten und sie korrigieren? Soll man versuchen zu verhindern, dass die Würde von Menschen verletzt wird und die zu Unrecht angeprangerten verteidigen? Ich denke ja und darum gibt es diesen Text. Es ist schon erstaunlich mit wieviel Selbstsicherheit manche Menschen Unsinn verzapfen und Gerüchte verbreiten. Dietrich K. Jahrgang 1954, ebenso wie ich, hat einen Artikel gegen den Klimaschutz geschrieben. Er findet Klimaschutz lächerlich und will uns weis machen, dass die meisten Klimawissenschaftler keine Wissenschaftler aber dafür geldgierige Lügner wären. Da er damit in die Öffentlichkeit ging und der Link zu seinem Artikel auf unserer Klimaschutz-Netz-Facebook-Seite landete, möchte ich nun auf seinen Angriff antworten, wie gesagt, vor allem schreibe ich um falschen Gerüchten und der Verletzung der Würde der Klimawissenschaftler zu begegnen.

Glaskugel gucken hilft nicht
Wissenschaft ist kein Glaskugel gucken. Bei manchen Leugnern hat man hingegen den Eindruck, dass dies ihr Medium ist. (Grafik: Public Domain)

Herr K. hat eine Schul- und eine juristische Ausbildung, das qualifiziert ihn nach eigener Auffassung offenbar mehr als Klimawissenschaftler die Physik-Professoren sind, wie z.b. Prof. Stefan Rahmstorf oder Prof. Mojib Latif - um nur mal einige bekanntere Klimawissenschaftler zu nennen. Was dabei rauskommt wenn "Juristen" meinen es besser zu wissen als Fachwissenschaftler kann man dann auf der Webseite des Internet-Magazins "rantlos" nachlesen. 1)

Schlüsselerlebnis von Dietrich K. war - angeblich - die Lektüre des Berichts an den Club of Rome "Die Grenzen des Wachstums" von 1972. Er schrieb: "Hieraus nur ein Punkt: Die Weltmeere würden 1984 vollständig „umgekippt“ sein. Alles Leben darin: einfach tot! Und die Folgen für die Menschheit: unabsehbar, aber jedenfalls katastrophal. Ich war damals 16 und dachte: Ach Du …. ."

Aber diese Aussage steht nicht in dem Bericht. Nirgends in dem 183 Seiten umfassenden Buch, welches noch heute im Buchhandel erhältlich ist, ist die Aussage zu finden, dass die Weltmeere 1984 vollständig "umgekippt" sein würden und alles darin tot wäre.  Warum setzt er eigentlich nur das Wort "umgekippt" in Anführungszeichen? Warum zitiert er nicht den ganzen Satz auf den er sich bezieht und zwar unter Angabe der Seitenzahl, damit man das Zitat leichter findet? Antwort: Weil er es nicht kann. Es gibt diese Aussage nicht in dem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" von 1972, wie jeder leicht feststellen kann, indem er das Buch zur Hand nimmt und es durchliest. Abgesehen davon muss Herr K. 1972 bereits 18 Jahre alt geworden sein und nicht 16 wie er schreibt, wenn er 1954 geboren wurde. Das ist nun wirklich Grundschulmathematik und sollte wenigstens stimmen, aber nicht mal das ist korrekt.

Die Grenzen des Wachstums
Das Buch zur Hand genommen und nachgelesen (Foto: Udo Schuldt)

Etwas anderes steht jedoch in dem Buch von 1972: "Die Computer Durchläufe, die einige Seiten weiter abgebildet sind, zeigen Werte für die Weltbevölkerung, das Kapital und andere variable Größen über den Zeitraum zwischen 1900 und 2100. Es handelt sich hierbei nicht um exakte Voraussagen über diese Größen in der Zukunft. Die Werte stellen nur Hinweise auf die für das Weltsystem charakteristischen Verhaltensweisen dar." Das Wort "nicht" wurde bereits im Buch besonders hervorgehoben.2) Wenn ein Bericht nur Hinweise auf charakteristische Verhaltensweisen des Weltsystems geben will, dann wird da bestimmt nicht drin zu lesen sein, dass die Ozeane 1984 "vollständig "umgekippt" sein" werden und dass dieses Ereignis angeblich schon 12 Jahre nachdem das Buch erschien stattfinden soll. Offenbar ist Herr K. hier Opfer eines in die Welt gesetzten Märchens geworden oder sein Gedächtnis spielt ihm einen Streich. Jedenfalls kann man von nun an eigentlich seinen weiteren Text getrost vergessen, da die Methode mit der Herr K. arbeitet absolut unwissenschaftlich ist und noch nicht mal journalistischer Sorgfaltspflicht genügt. Damit meine Aussagen überprüft werden können gebe ich selbstverständlich meine Quellen an, siehe die Fussnoten unten und die Textlinks. Hat Herr K. eigentlich Quellenangaben gemacht damit man seine Aussagen nachvollziehen kann? Nein! Ein Tipp: Wenn Sie wissen wollen ob jemand Unsinn schreibt oder nicht, fragen Sie immer nach den Quellen seiner Aussagen.

Der Vollständigkeit halber und um zu zeigen, dass die meisten anderen Punkte seines Textes ebenso großer Unsinn sind wie das angebliche Schlüsselerlebnis des Herrn K. wende ich mich auch seinen weiteren Behauptungen zu, zunächst dem Gerücht welches da heißt: "Und mit den GRÜNEN kam das Waldsterben." Auch das stimmt nicht. Es war umgekehrt. Das Waldsterben war bereits 1980 bekannt und erst in diesem Jahr gründete sich die Partei, vermutlich auch unter dem Eindruck der Waldschäden. Forstwissenschaftler wie Bernhard Ulrich (geb. 1925), Peter Schütt (geb. 1926) und Karl Friedrich Wentzel warnten bereits seit 1979 wiederholt und eindringlich vor dem Absterben des Waldes auf großen Flächen, wenn nicht rasch etwas gegen die angenommene Ursache Luftverschmutzung unternommen würde. Also, es waren nicht die GRÜNEN sondern es waren Forstwissenschaftler die das Thema aufbrachten.

Dietrich K. stellt heute fest, dass der Wald nicht starb und folgert daraus, dass es kein Problem gab. Diese Schlussfolgerung ist aber auch falsch (... wen wundert es noch?). Als junger Ingenieur war ich selbst in einigen Projekten die im Zusammenhang mit Entgiftung der Abgase standen beschäftigt. So arbeitete ich an einer Großanlage die Grundstoffe für Abgas-Katalysatoren herstellen sollte. Abgaskatalysatoren verfolgen ja unter anderem den Zweck Stickstoffmonoxid (NO) aus den Autoabgasen in stabile Stickstoffmoleküle (N2) umzuwandeln, damit sich nicht zusammen mit dem Wasser des Regens Salpetersäure bildet.

Zeitgleich begann man Abgase aus Großfeuerungsanlagen zu reinigen. Kraftwerke bekamen deshalb große Entschwefelungsanlagen verpasst. Man entschwefelte die Abgase, da das Verbrennungsprodukt Schwefeldioxid zusammen mit dem Regen Schweflige Säure bildet. Kraftstoffe wurden schon in den Raffinerien entschwefelt. Solche Entschwefelungsanlagen in Raffinerien habe ich selbst gesehen, als ich damals mit an der Umrüstung der BP-Raffinerie im Hamburger Hafen arbeitete. Schweflige Säure und die oben genannte Salpetersäure führten zu starken Umweltschäden, zu Baum- aber auch zu Gebäudeschäden. Gebäude wurden auch beschädigt weil Säuren auch Kalksandstein angreifen. Rechtlich beschrieben werden diese Auflagen im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) und in verschiedenen Verordnungen z.B. in der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft und in der Großfeuerungsanlagenverordnung.

Gips Schwarze Pumpe
Gipsdepot des Kraftwerks Schwarze Pumpe im Juni 2013. Der bei der Rauchgasentschwefelung als Abfallprodukt anfallende Gips wird von einem benachbarten Betrieb zu Gipskartonplatten verarbeitet. (Foto: © indeedous)

Es erfolgten eine Vielzahl von Maßnahmen um Abgase zu entgiften, die oben genannten sind nur einige Beispiele. Darum geht es dem Wald heute besser, aber noch lange nicht gut. Nach dem regelmäßig erhobenen Waldzustandsbericht sind immer noch etwa 60% der Bäume geschädigt und z.B. der Eiche geht es besonders schlecht. Fast die Hälfte der Eichenbestände ist schwer geschädigt. Wer es nicht glaubt kann es ja selbst im Waldzustandsbericht nachlesen.

Herr K. schreibt: "Der Gag an der ganzen Klimakatastrophe ist: Nichts ist bewiesen, und ein Anstieg der durchschnittlichen – erst seit 1850 mit den unterschiedlichsten, wechselnden Instrumenten gemessenen –   „Welttemperatur“ findet seit 1988 nicht mehr statt. Stillstand." Das ist wieder falsch. Das Jahr 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wettermessung und zwar sowohl weltweit als auch in Deutschland und nicht nur das, auch die Ozeane sind so warm wie nie zuvor. Davor war 2010 das wärmste Jahr, davor 2005. Diese Daten stammen aus weltweiten Messungen. Auch der Deutsche Wetterdienst trägt dazu bei und er hat übrigens auch festgestellt, dass 2014 das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der regelmäßigen Temperaturaufzeichnungen war.

Weiter schreibt Herr K.: "Der Eisschild in der Arktis wächst und hat 2014 das größte gemessene Ausmaß seit 30 Jahren erreicht." Auch falsch. Die arktische (nordpololare) Eisbedeckung wird immer geringer. Das Eis wird auch dünner. Es verliert sehr schnell an Masse und sogar viel schneller als die Klimawissenschaftler erwarteten. Ja, die Klimawissenschaftler haben sich geirrt. Der Eisverlust der Arktis und der Meeresspiegelanstieg schreitet viel schneller voran als früher in Wissenschaftskreisen erwartet wurde. Aber auch in der Antarktis schrumpft der Eisschild, hingegen bedeckt das schwimmende Eis im Meer eine größere Fläche als früher. Viele Gletscher der Antarktis, besonders der Westantarktis, fließen aber schneller ab. Wissenschaftler glauben sogar, dass es für die West-Antarktis bereits zu spät ist, sie wird ihre Eisschilde zu ganz großen Teilen verlieren. Sie wird auch dann ihre Eisschilde weitgehend verlieren, wenn es der Menschheit gelänge die technischen Treibhausgase von heute auf morgen abzuschalten. Es gibt - wenn die Wissenschaftler Recht haben - keine Chance mehr das aufzuhalten. Mit anderen Worten für die West-Antarktis kommt Klimaschutz zu spät, aber noch nicht für die Ostantarktis, Grönland und viele andere Weltregionen.

Dietrich K. schreibt weiter: " Viele – auch vermeintliche –  Wissenschaftler und deren Institute profitieren weltweit von Millionensubventionen, die sie nur durch immer schlimmere Szenarien generieren können."

Wie auch vorher in seinem Text bleibt Herr K. den Beweis für seine Diffamierungen schuldig! Es ist im Gegensatz zu seiner Behauptung auch nicht logisch, dass Wissenschaftler auffordern die Verhältnisse so zu verändern, dass die Gefahren beseitigt werden, wenn sie doch von der Gefahr angeblich profitieren. Offenbar verzichten die Klimawissenschaftler doch auf diese angeblich lukrative Einnahmequelle wenn sie sagen, dass die Gefahr zu beseitigen sei. Die logische Erklärung ist, dass gerade die Wissenschaftler mit ihrem Klimawissen große Angst vor der Zukunft haben und deshalb eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen fordern.

Es gibt übrigens mindestens ein Gegenbeispiel gegen die These, dass sich Wissenschaftler kaufen lassen. "Nennt mich einen konvertierten Skeptiker" schrieb Professor Richard Muller in einem Artikel der New York Times, der 2012 erschien. Was war geschehen? 2009 gehörte Muller noch zu den Skeptikern des Klimawandels, darum wollte er mit seinem Team die methodischen Fehler bei der Ermittlung der Erdtemperatur aufdecken, die in den bekannten Hockeystick-Kurven ihren Ausdruck finden. Am Ende der Untersuchung musste er zugeben: Die Daten stimmen. Die Hockeystick-Kurven sind korrekt. In einer weiteren Untersuchung kam Prof. Muller sogar zu dem Ergebnis, dass der Weltklimarat den Einfluß des CO2 unterschätzt hat.


Physik Professor Muller bei der Erklärung von Anti-Materie (Photo: Public Domain)

Physik Professor Muller arbeitet an der Universität von Berkeley (Kalifornien). Das besondere an seinen Untersuchungen - zur Erdtemperatur - war, dass sie über die Stiftung der berüchtigten Koch-Brüder - diese Milliardärs-Brüder leben in den USA - mit finanziert wurden. Die Kochs verdienten ihre Milliarden in den USA durch Öl-Raffinerien, Kohleversorger, Chemieanlagen und mit der Abholzung. Ihnen wird seit langem vorgeworfen Klimaskeptiker zu finanzieren. Da Muller als Klimaskeptiker galt erhofften sich die Koch-Brothers wohl Daten, welche die Klimawissenschaften unglaubwürdig erscheinen ließen.

Weit gefehlt. Das Team nahm sich die Zeitreihen vor und analysierte sie, sortierte ungesicherte und Daten aus städtischen Gebieten aus und analysierte erneut. Ohne das erwartete Ergebnis. Die untersuchten Hockeystickkurven waren in Ordnung: NASA-, HadCRU- und NOAA- Daten wurden korrekt erstellt. Mullers Untersuchung wurde unter der Bezeichnung BEST-Studie veröffentlicht und sie ist auf der Webseite des Projektes im Detail abrufbar, ebenso wie die Methode und das verwendete Computerprogramm. Alles nachprüfbar, nichts ist geheim.

Also, selbst ein von der Öl-, Kohle- und Abholzungsindustrie finanzierter wissenschaftlicher Skeptiker kann nicht anders als die menschengemachte Erderwärmung zugeben, weil er eben wissenschaftliche Methoden anwandte und nicht gefühlsbasiert arbeitete.

Ach ja, die Rolle der Sonne. Da hat Herr K. mal was richtig geschrieben. Die Sonnenstrahlung hat tatsächlich nachgelassen. Wenn aber die Sonnenstrahlung seit mindestens 1990 nachgelassen hat, dann muss die Erderwärmung andere Ursachen haben. Nämlich die Treibhausgase, deren bedeutendstes CO2 ist. Nicht weil es das stärkste Treibhausgas ist, sondern weil es sich in der Atmosphäre anreichern kann. Ein anderes stärkeres Treibhausgas ist Wasserdampf. Nur kann sich Wasserdampf nicht in der Lufthülle anreichern. Wenn die Luft mehr Wasserdampf enthält als sie tragen kann, dann verlässt der Wasserdampf die Atmosphäre wieder in Form von Regen.

Solar Cycle Prediction
Diese NASA-Grafik zeigt wie die Sonne seit mindestens 1990 immer schwächer strahlt, während es auf der Erde im Durchschnitt immer wärmer wird. (Foto: NASA; Lizenz: Public Domain)

Wärmere Luft kann jedoch mehr Wasserdampf aufnehmen, bekannt dadurch, dass Wäsche im Sommer schneller trocknet. Wenn sich die Luft nun durch die anderen Treibhausgase stärker erwärmt kann sie auch mehr Wasserdampf speichern, mit der Folge, dass es noch wärmer wird, weil Wasserdampf ja ein starkes Treibhausgas ist. Wissenschaftler nennen das Wasserdampfrückkopplung.

Womit wir schon seit einiger Zeit beim CO2 sind. Herr K. schreibt: "Das Gas ist ein ungiftiges und in der Natur notwendiges Gas zur Photosynthese. Luft besteht zu über 78 Prozent aus Stickstoff, zu knapp 21 Prozent aus Sauerstoff und nur zu 0,038 Prozent aus Kohlendioxyd." Er will damit wohl ausdrücken, dass so wenig CO2 keinen Einfluss haben kann.

Ist aber ebenfalls falsch. CO2 ist erstens nicht ungiftig. Enthielte ein Raum mindestens 8% CO2 so würde ein Mensch innerhalb einer Stunde sterben, auch wenn Sauerstoff noch reichlich vorhanden ist. Zweitens können auch geringe Dosen eine Wirkung entfalten. Zum Beispiel: Wenn Sie einen Liter Wasser trinken, müssen Sie vielleicht öfter mal müssen. Wenn Sie aber 0,038 Gewichtsprozent Zyankali - im Bezug auf ihr Körpergewicht - hinzufügen werden Sie sterben. Bei jemandem der 100 Kilo schwer ist wären das 38 Gramm. Richtig ist natürlich, dass die Natur CO2 braucht, aber wer bestreitet das? Klimawissenschaftler bestimmt nicht. Nun haben wir aber zuviel des Guten für die menschliche Zivilisation, also zuviel CO2 in der Atmosphäre und deren CO2-Gehalt steigt ja noch weiter an, weil die technischen CO2-Emissionen immer noch sehr hoch sind.

Der Wert 0,038% ist übrigens auch falsch. Tatsächlich beträgt der CO2-Anteil der Lufthülle bereits etwa 0,04%. Der Unterschied ist bedeutend und weil er so bedeutend ist reden Klimawissenschaftler nicht von Prozent, sondern von Teilen pro Millionen anderer Teile, und da Klimawissenschaftler englisch sprechen reden sie von ppm (parts per million). Leider kann ich dem Leser nun eine wissenschaftlichere Beschreibung nicht mehr ersparen, damit erkannt wird, dass Wissenschaftler gar nicht so blöd sind, wie sie dargestellt werden:

Kohlendioxid in der Lufthülle absorbiert vor allem Wärmestrahlung die von der Erde zurückgestrahlt wird. Darum nennt man das auch Treibhauseffekt, weil die Strahlung von unten kommt. Strahlung wird allgemein durch die Wellenlänge beschrieben. Absorption dieser Strahlung ebenfalls durch die Wellenlängen der absorbierten Strahlung. Kohlendioxid (CO2) hat, unter anderem, Absorbtionsbanden zwischen 12 und 15 µm, sie sind keineswegs scharf bei 15 µm, wie gelegentlich von Leugnern behauptet wird, d.h. ein großer Bereich des offenen Wasserdampffensters wird abgedeckt. Mit anderen Worten CO2 absorbiert Wärmestrahlung vor allem in den Bereichen zwischen 12 und 15 µm und zwar gerade die Strahlung, welche der Wasserdampf, ein anderes Treibhausgas, passieren lassen würde, gäbe es das CO2 nicht.

Die folgende für einen NASA-Artikel erstellte Grafik, macht diesen Zusammenhang optisch deutlich:


Absorbtionsbanden der Treibhausgase Wasserdampf und CO2 im Wellenspektrum. Die dunklen Bereiche sind die Absorbtionsbanden des CO2. Man sieht deutlich das "Wasserdampf-Fenster" zwischen 7,5 und 20 µm (Grafik: NASA)

Die Effekte verstärken sich gegenseitig. Mit der Zunahme der Temperatur kann die Lufthülle - wie bereits erwähnt - auch mehr Wasserdampf speichern. D.h. es gibt auch mehr Strahlungsabsorbtion in den Absorbtionsbanden des Wassers. Diese sogenannte Wasserdampf-Rückkopplung verstärkt den Treibhauseffekt des CO2. Nur infolge dieser Rückkopplung kommt es zu dem aktuellen Temperaturanstieg. CO2 alleine wäre bei weitem nicht so wirksam. Außerdem gibt es natürlich weitere Treibhausgase wie Methan, Distickstoffmonoxid, FKW und FCKW, um nur die zu nennen, die im Kyoto-Protokoll stehen. Diese weiteren Treibhausgase machen etwa 23% des menschenverursachten Treibhauseffektes aus. Auch sie steigen aufgrund industrieller und landwirtschaftlicher Aktivitäten teilweise an. (FCKW nicht mehr).

Zurück zum Kohlenstoffdioxid. Betrachtet man das CO2-Molekül an sich, dann hat seine Absorptionfähigkeit ihre Ursache in periodischen Bewegungen von benachbarten Atomen in seinem Molekül, also des Kohlenstoff- und der beiden Sauerstoffatome. Diese sogenannten Molekülschwingungen treten in jedem Molekül auf. Molekülschwingungen können über die Zufuhr von Energie angeregt werden, beispielsweise durch die Absorption von elektromagnetischer Strahlung, wozu auch die Wärmestrahlung gehört. Die Frequenz der periodischen Bewegung wird als Schwingungsfrequenz bezeichnet. Der einfachste Fall eines Moleküls ist das zweiatomige Molekül, beispielsweise molekularer Sauerstoff (O2) und Stickstoff (N2) oder Kohlenstoffmonoxid (CO). Diese Moleküle haben nur einen Schwingungsfreiheitsgrad entlang der Bindungsachse. Bei mehratomigen Molekülen, wie CO2, ergibt sich durch weitere voneinander unabhängige Schwingungsarten ein komplizierteres Schwingungsverhalten. Die Schwingungsenergie lässt sich sowohl mithilfe der Newtonschen-Mechanik, als federndes System (unter Anwendung des Hookeschen Gesetzes) veranschaulichen, als auch mit der Quantenmechanik.

Den Nachweis, dass CO2 ein Treibhausgas ist kann man mit sehr einfachen Mittel erbringen. Man sollte das in jedem Physikunterricht machen. Offenbar wurde dieser Nachweis im Physikunterricht von einigen 1954-Jahrgängen versäumt. Soweit zum CO2.

Herr K. schreibt Klimaschutz wäre lächerlich. Lachen musste ich hingegen oft über seinen Text. Wie kann man nur so vermessen sein zu denken, dass Klimawissenschaftler die Rolle der Sonne nicht betrachten oder Milankovic-Zyklen außer Acht lassen würden. Dass dies nicht so ist, kann man doch auch wieder selbst nachlesen, z.B. im neuesten Bericht des Weltklimarates IPCC. Die Milankovitch-Zyklen, also Veränderungen der Präzession und Achsenneigung der Erdachse, sowie der Exzentrizität der Erdbahn und andere Klimaeinflussgrößen der Erdgeschichte werden im Kapitel 5 auf den Seiten 383 bis 464 behandelt. Die Rolle der Sonne im Klimageschehen wird im Kapitel 8 auf den Seiten 660 bis 720 beschrieben. (Wenn sie den IPCC-Bericht herunterladen, gehen Sie zwischendurch Kaffee trinken, allein diese Beschreibung der Physik des Klimawandels umfasst mehr als 1500 Seiten mit Grafiken, das dauert ein wenig bis der übertragen wurde.) Selbstverständlich wird also die Lage der Erdachse, die Exzentrizität der Erdbahn und die Sonnenaktivität betrachtet und selbstverständlich werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Rate gezogen. Weder die nachlassende Sonnenaktivität erklärt jedoch die in erdgeschichtlichen Verhältnissen enorm schnelle Erwärmung der Erde, noch die Milankovic-Zyklen. Die letztgenannten führen zu Veränderungen im Verlauf von zehntausenden von Jahren. Die Erdrotationsachse verändert sich z.b. in einem Zyklus von ca. 25700 bis ca. 25800 Jahren. Die Erdschiefenveränderung hat eine Periode von ca. 41000 Jahren. Die Variation der Erdbahn um die Sonne folgt einem Zyklus von ca. 100000 Jahren. Wie will man damit einen Temperaturanstieg innerhalb von 40 Jahren erklären? Das erklärt zwar vieles aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit, z.B. die Eis- und Warmzeiten, aber nicht die Gegenwart.

Zum Schluss seines Textes hat Dietrich K. dann mal wieder recht. Es ist wirklich alles sehr kompliziert, offenbar zu kompliziert für ihn selbst. Die Tragik ist, dass es viel mehr Arbeit macht sich mit den Dingen tiefgründig zu beschäftigen, als einen oberflächlichen Text zusammen zu schmieren. Darum ist es so schwer die tatsächlichen Zusammenhänge klar zu machen und darum haben es jene viel leichter die einfach mal was aus ihrem Gefühl heraus (falsch) schreiben. Dietrich K. textet daher auch vorwiegend polemisch. Er appeliert an Gefühle, sagt aber dass es um den "gesunden" Menschenverstand ginge. Darum bitte ich die Leserinnen und Leser: Seien Sie kritisch, kritischer, am kritischsten. Kontrollieren Sie alles was ich geschrieben habe, sehen Sie sich die Quellen an, die ich angegeben habe und urteilen Sie dann.

1) "Ich, Klimaleugner" Artikel des online-Magazins "rantlos".

2) Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 79, 1. Absatz (nicht über das Internet erreichbar, man muss direkt im Buch nachlesen).


Lesenswerte Artikel:

Was ist eigentlich ein Leugner?

Die Geschichte der Klimawissenschaften von 1820 bis heute

Die Technik des Argumentierens: "Wiederlegen, aber richtig"


Nachtrag vom 16.2.2015

Vor wenigen Tage ist der Waldzustandsbericht 2014 veröffentlicht worden. Darin gibt es eine gute Nachricht für die deutsche Eiche: Die Waldzustandserhebung, die das Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlicht hat, zeigt, dass bei den Eichen der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 42 Prozent auf 36 Prozent gesunken ist. Hingegen hat sich der Zustand der Buchen verschlechtert. Hier geht es zum Bericht.

Artikelhistorie

8.2.2015: Rechtschreibfehler korrigiert, einzelne stilistische Verbesserungen, Textlinks ergänzt.

16.2.2015: Nachtrag zum Waldzustandsbericht 2014 ergänzt.


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