„Mensch spielt entscheidende Rolle“

Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel um knapp 20 Zentimeter angestiegen – schneller als jemals zuvor in den vergangenen 3.000 Jahren. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat nun eindeutig belegt, dass der Anstieg des Meeresspiegels seit etwa 1970 hauptsächlich durch von Menschen ausgestoßene Treibhausgase verursacht wird. Zum Team mit Wissenschaftlern aus Australien, Belgien, Österreich und Deutschland gehört auch der Bremer Klimageograph Professor Ben Marzeion.

Flutschutz Hamburg

Erhöhung der Flutschutzanlage in Hamburg - nahe Baumwall, April 2016. Links die neue um knapp einen Meter höhere Mauer, rechts die alte. (Foto: Udo Schuldt)

Er ist unter den sechs Autoren, die ihre Ergebnisse kürzlich in der renommierten Monatszeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlichen. Die in London herausgegebene wissenschaftliche Fachzeitschrift publiziert Spitzenforschung über den Klimawandel.

Sturmfluten – eine der Konsequenzen des Klimawandels

Steigt der Meeresspiegel, führen schon kleinere Stürme zu schweren Sturmfluten. So können Katastrophen wie die Überflutung New Yorks durch Hurrikan Sandy bei höherem Meeresspiegel bereits durch deutlich schwächere Stürme ausgelöst werden – und schwache Stürme treten deutlich häufiger auf. Der Anstieg des Meeresspiegels ist deshalb eine der folgenschwersten und teuersten Konsequenzen des Klimawandels.

Schmelzende Gletscher, wärmere Ozeane

Bislang war aber nicht klar, welchen Anteil die menschengemachte Klimaänderung am Anstieg des Meeresspiegels hat. Die Hauptgründe für den Anstieg sind schmelzende Gletscher und Eisschilde sowie die Ausdehnung des sich erwärmenden Ozeanwassers. Allerdings schmilzt das Eis nicht nur aufgrund der Erwärmung durch menschliche Treibhausgasemissionen, sondern auch als Folge natürlicher Klimaänderungen. Das gleiche gilt für die Erwärmung der Ozeane. Erschwerend kommt hinzu, dass Ozeane und Gletscher träge sind und auch lange nach einer Klimaänderung noch auf diese reagieren.

„Mensch spielt entscheidende Rolle“

Mit Hilfe von Klimamodellsimulationen haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersucht, wie der beobachtete Anstieg des Meeresspiegels zu erklären ist. Bis 1950 war der menschengemachte Anteil am Meeresspiegel mit etwa 15 Prozent klein. Seitdem ist dieser Anteil aber stetig gestiegen. Seit 1970 sind schon etwa zwei Drittel des Anstiegs durch menschliche Emissionen verursacht worden. Der wärmende Effekt der Treibhausgase wurde dabei durch den kühlenden Effekt von Aerosolemissionen etwas abgeschwächt. Während die Wissenschaftler die Änderungen des Meeresspiegels in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch mit natürlichen Ursachen erklären können, ist das in der zweiten Hälfte nicht mehr möglich. „Hier können wir eindeutig sagen, dass der Mensch die entscheidende Rolle gespielt hat“, sagt Ben Marzeion, Professor am Institut für Geographie der Universität Bremen.

Verursacher von Klimaschäden werden benennbar

Untersuchungen wie die vorgelegte sind auch vor dem Hintergrund des im Dezember 2015 in Paris verabschiedeten Klimaabkommens von Interesse: „Mit Studien wie dieser sind wir nicht mehr weit davon entfernt, menschengemachte Klimaschäden zu identifizieren“, so Marzeion. „Wir wissen auch, wer in der Vergangenheit wieviel Kohlendioxid ausgestoßen hat. Wenn dann das Verursacherprinzip zur Begleichung dieser Klimaschäden verwendet wird, wäre das ein großer Schritt in Richtung globaler Gerechtigkeit.“

Publikation: Anthropogenic forcing dominates global mean sea-level rise since 1970. Aimée B. A. Slangen, John A. Church, Cecile Agosta, Xavier Fettweis, Ben Marzeion and Kristin Richter. Nature Climate Change. Advance Online Publication DOI: 10.1038/nclimate2991
http://dx.doi.org/

Universität Bremen