Sintflutartige Regenfälle und höllische Wald-und Buschbrände werden häufiger

Von den Klimawissenschaftlern wurde es vorausgesagt. Die menschengemachte Erderwärmung führt zu vermehrten Extremwetterereignissen. Die Wahrnehmung, dass diese in den letzten Jahren häufiger auftreten trügt nicht. Während im Sommer 2017 in Nordeuropa extreme Regenfälle niedergehen kämpft man in Südeuropa vielerorts gegen Wald- und Buschbrände.

Geleise unterspült
Durch Starkregen unterspülte Gleise der Bahnlinie zwischen Neckarsulm und Bad Friedrichshall im Mai 2016 (Foto: Public Domain)

Der Zusammenhang zum menschenverursachten Klimawandel ist leicht verständlich und vermutlich den meisten auch klar, denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern. Hängt man zum Beispiel im Sommer seine Wäsche zum Trocknen auf ist diese ruck, zuck trocken. Macht man dasselbe im Winter dauert es wesentlich länger. Mathematisch lässt sich dies durch die Clausius-Clapeyron-Gleichung ausdrücken. Da sich die untere Atmosphäre infolge des zunehmenden Treibhauseffekts, aufgrund technischer und landwirtschaftlicher Emissionen, immer stärker erwärmt kann sie auch mehr Feuchtigkeit speichern. In kälteren Gegenden kühlt sich die Luft wieder ab und es regnet, hat die Luft einen hohen Feuchtigkeitsgehalt entsteht Starkregen.

Statistik, als Teilgebiet der Mathematik, liefert auch die Erkenntnis, dass die beobachtete Zunahme von extremem Starkregen tatsächlich zu dem passt, was man durch den Einfluss der globalen Erwärmung aufgrund der Clausius-Clapeyron-Gleichung erwarten würde. Nebenbei bemerkt liefert korrekt angewendete Statistik auch korrekte Ergebnisse (nur weil gleich wieder Leute mit Churchills dummer Bemerkung zu gefälschten Statistiken kommen).

Wasserkreislauf
(Grafik von Markus; Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

Der Physiker und Klimawissenschaftler Prof. Stefan Rahmstorf drückt das folgendermaßen aus: "Langsam ziehende Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa können in den Sommermonaten Starkniederschläge mit lokalen Überschwemmungen verursachen. Bislang sind solche Ereignisse eher selten gewesen. In den letzten Jahrzehnten häufen sich diese allerdings. Und die Forschung zeigt: Der vom Menschen verusachte Klimawandel trägt dazu bei, dass sich Luftströmungen über Europa verändern und damit verbunden häufigere Extremwetterlagen begünstigt werden. Es ist leider so: Mit dem Ausstoß von Treibhausgasen gefährden wir die Stabilität unseres Klimas."

Etwa 12 Prozent der Rekord-Regenfälle in den vergangenen dreißig Jahren sind nur durch den Einfluss der langfristigen Klima-Erwärmung zu erklären. Das ist aber der Durchschnitt, der das tatsächliche Ausmaß etwas verschleiert. Eine Untersuchung der Wissenschaftler Lehmann, Coumou, Frieler, aus dem Jahr 2015, macht deutlich, dass der Trend nach oben weist. Beispielsweise beträgt die Zunahme von Rekord-Regenfällen im letzten der untersuchten Jahre - 2010 - sogar 26 Prozent“, im globalen Mittel.

Diese Rekorde brechende Abnormität - bezogen auf die letzten 30 Jahre - ist zudem auf den verschiedenen Kontinenten der Erde unterschiedlich ausgeprägt; feuchte Regionen erleben eine stärkere Zunahme, trockene eine weniger starke. In Europa nahmen die extremen Regenfälle um 31 Prozent zu, in den Ländern Südost-Asiens wurde eine Zunahme um volle 56 Prozent verzeichnet.

Wildfire in California
Waldbrände in Kalifornien im Jahre 2008 (Foto: Public Domain)
 
Andere Regionen hingegen beobachten eine Abnahme von Rekord-Regen. Im Mittelmeer-Raum beträgt diese Abnahme 27 Prozent, im Westen der USA 21 Prozent. Beide Regionen sind von Trockenheit bedroht. Extreme Trockenheit führt zu ausbleibenden landwirtschaftlichen Erträgen und die Gefahr von Wald- und Buschbränden steigt. Während im Sommer 2017 in Nordeuropa die Wassermassen niedergingen hatte Südeuropa mit verheerenden Waldbränden zu kämpfen.

Gleichzeitig erleiden Menschen in Westafrika eine Hungersnot, deren Ursache ausbleibende Regenfälle sind. Viehhirten finden dadurch kaum noch Weideflächen für ihre Herden, Pflanzen gedeihen nicht mehr, die Ernte bleibt aus. Es wurde in den Ländern Afrikas südlich der Sahara, immer schwieriger ausreichend Nahrungsmitteln zu produzieren. Nach Angaben des Bündnisses "Gemeinsam für Afrika" hat sich im Laufe der letzten 25 Jahre die Anzahl wetterbedingter Katastrophen, beispielsweise der Dürren, verdoppelt.

Wir sollten uns vor Augen halten, dass sich der Planet gegenwärtig gerade mal um ca. 1 Grad erwärmt hat. Wie extrem die Situation bei 2, 3, 4 oder sogar 5 Grad Erwärmung sein wird, kann man sich angesichts der gegenwärtigen Extremwetterereignisse schon einigermaßen vorstellen. Extremwetter wären in so einer Welt wahrscheinlich die Normalität.

Um Sintfluten und Höllenfeuer zu erschaffen braucht es keine Götter, scheinbar schafft die Menschheit das selbst.

Quellen:

Lehmann, J., Coumou, D., Frieler, K. (2015): Increased record-breaking precipitation events under global warming. Climatic Change [DOI: 10.1007/s10584-015-1434-y]

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