TitelDBH-DE"Widerlegen, aber richtig" wurde von John Cook und Stephan Lewandowsky geschrieben. Es existieren zahlreiche psychologische Studien über Falsch-Informationen. Unglücklicherweise gibt es jedoch keine Zusammenfassung der Literatur, die praktische Regeln enthält, was die effektivsten Methoden sind, deren Einfluss zu minimieren. Dieses Handbuch fasst die Erkenntnisse kurz und leicht verständlich zusammen und wendet sich an alle Kommunikatoren in vielen Bereichen (nicht nur zum Thema Klimawandel), die auf Falschinformationen stoßen.

Der Bumerang-Effekt des Vertrauten

Um ein Gerücht auszuräumen, muss es in vielen Fällen erwähnt werden - wie sollen die Zuhörer oder Leser ansonsten wissen, um was es geht? Dies macht das Gerücht für die Menschen jedoch vertrauter und sie neigen deshalb eher dazu, es für wahr zu halten. Bedeutet dies, dass das Widerlegen eines Gerüchts dazu führen kann, dass es in den Köpfen sogar noch verstärkt wird?

Um diesen Bumerang-Effekt zu untersuchen, wurde Probanden ein Infoblatt gezeigt, das mit häufig vorgebrachten Gerüchten über Grippeimpfungen aufräumt.1 Anschließend wurden die Testpersonen gebeten, die Gerüchte von den Fakten zu trennen. Wurden die Personen direkt im Anschluss an das Durchlesen des Infoblatts befragt, identifizierten sie die Gerüchte korrekt. Wurden sie jedoch 30 Minuten nach dem Durchlesen befragt, beantworteten einige der Personen die Fragen sogar schlechter als zuvor. Das Widerlegen verstärkte die Gerüchte.

Der Bumerang-Effekt der Informationsüberladung

Ein Prinzip, das von wissenschaftlichen Autoren oft ignoriert wird, ist ihre Inhalte verständlich zu vermitteln. Dies bedeutet, dass sie einfach zu lesen, einfach zu verstehen und knapp gehalten sein müssen. Leicht zu verarbeitende Informationen werden eher als korrekt akzeptiert.1 Den Farbkontrast einer gedruckten Schrift zu erhöhen, damit der Text leichter zu lesen ist, kann zum Beispiel schon dazu führen, dass die Leser die Aussage eher als wahr akzeptieren.2

Allgemein wird angenommen, dass man um so erfolgreicher ist, ein Gerücht zu widerlegen, je mehr Gegenargumente man liefert. Es stellt sich aber heraus, dass das Gegenteil der Fall sein kann. Um Falschinformationen auszuräumen, kann weniger mehr sein. Um den Einfluss von Falschinformationen zu verringern, kann es z. B. erfolgversprechender sein, drei anstatt zwölf Argumente anzuführen. Letzteres kann dazu führen, die ursprüngliche Falschinformation zu verstärken.1

Der Weltanschauungs-Bumerang-Effekt

Der dritte und wahrscheinlich gefährlichste Bumerang-Effekt tritt auf, wenn es um Themen im Zusammenhang mit der Weltanschauung und kultureller Identität von Menschen geht. Unterschiedliche Denkprozesse können dazu führen, dass Menschen unbewusst Informationen verzerrt verarbeiten. Wenn Personen, deren Ansichten sehr fest verwurzelt sind, mit Gegenargumenten konfrontiert werden, kann dies zu einer Verstärkung von diesen Ansichten führen. Ein Denkprozess, der zu diesem Effekt beiträgt, ist unsere Tendenz, Informationen auszuwählen, die unsere bereits bestehenden Ansichten untermauern. Der Begriff dafür lautet Bestätigungstendenz.

Eine Lücke mit einer alternativen Erklärung füllen

Unter der Annahme, dass Sie die verschiedenen Bumerang-Effekte erfolgreich vermieden haben, was ist dann der effektivste Weg, ein Gerücht auszuräumen? Die Herausforderung liegt darin, dass es sehr schwierig ist, eine bereits im Kopf festgesetzte falsche Information zu entfernen. Dies ist sogar auch dann der Fall, wenn sich die Personen die Korrektur merken und sie akzeptieren.

Dies wurde durch ein Experiment belegt, bei dem die Probanden einen erfundenen Bericht über ein Lagerhausfeuer lasen.1,2,3 Farb- und Gasdosen wurden im Zusammenhang mit Explosionen erwähnt. Später in der Geschichte wurde klargestellt, dass es weder Farbe noch Dosen bei dem Feuer gab. Selbst wenn sich die Testpersonen an die Korrektur erinnerten und diese auch akzeptierten, nannten sie trotzdem Farbe oder Dosen als ihnen Fragen zu dem Feuer gestellt wurden. Als sie gefragt wurden, “Warum, denken Sie, war die Rauchentwicklung so stark?”, brachten die Personen regelmäßig die Ölfarbe ins Spiel, obwohl sie gerade erst bestätigt hatten, dass es sie dort gar nicht gab.

Im Oktober haben wir die fünfteilige Serie "Widerlegen, aber richtig!" veröffentlicht. Wer mehr zu diesem faszinierenden Thema wissen möchte, dem sei die vor Kurzem veröffentlichte Studie "Misinformation and its Correction: Continued Influence and Successful Debiasing" (Lewandowsky et al) als Lektüre empfohlen.

PSPI-Lösungen

Es sollte selbstverständlich sein, dass uns die Wissenschaft vorgibt, wie wir dem Leugnen von wissenschaftlichen Erkenntnissen begegnen sollen.  Was sagt uns also die Forschung dazu?

Eine effektive Methode, den Einfluss des Leugnes wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verringern, ist mittels einer "Immunisierung": man kann Widerstandskräfte gegenüber Falschinformationen aufbauen, in dem man Menschen einer abgeschwächten Form der Falschinformation aussetzt.

Wie können wir das praktisch erreichen? Es gibt zwei entscheidende Elemente beim Widerlegen falscher Informationen. Die eine Hälfte einer Widerlegung ist das Anbieten einer auf Tatsachen beruhenden Alternative. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, muss man verstehen, was beim Korrigieren einer Fehlinformation im Gehirn eines Menschen passiert.

 


(Grafik: © SkS)