Im Februar 2012 wurde "Widerlegen, aber richtig!" veröffentlicht. Wie aus dem Hinweis auf dieser Seite bereits hervorgeht, gab es seither neue Forschungsergebnisse, und die Zeit war reif für eine vollständige Überarbeitung dieses sehr populären Handbuchs. Die beiden Autoren der ursprünglichen Ausgabe - Stephan Lewandowsky und John Cook - nahmen Kontakt zu anderen Forschern auf, die sich mit der Frage befassen, wie Falschinformationen am besten begegnet werden kann, und 20 von ihnen meldeten sich als Koautoren. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann jetzt als "Widerlegen, aber richtig 2020" heruntergeladen werden.

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Das Handbuch ist ein Konsensdokument, das durch einen innovativen Prozess entstanden ist, der eine Reihe von vordefinierten Schritten umfasste, die alle befolgt und dokumentiert wurden und öffentlich zugänglich sind. Die Autoren wurden auf Basis ihres wissenschaftlichen Ansehens auf dem Gebiet eingeladen, und sie alle stimmten allen Punkten des Handbuchs zu. Wir glauben daher, dass das neue Handbuch den wissenschaftlichen Konsens darüber widerspiegelt, wie Falschinformationen bekämpft werden können. Lesen Sie hier mehr über den Konsensprozess (in Englisch).

Dieser Blogartikel ist Teil 1 einer Serie mit Auszügen aus "Widerlegen, aber richtig 2020!". Die Liste der Quellen gibt es hier.

Falschinformationen können Schaden anrichten

DBH-damageFalschinformationen werden entweder aus Versehen oder mit dem Ziel der Irreführung gestreut. Wenn Absicht hinter der Irreführung steckt, spricht man von Desinformation. Falschinformationen haben das Potenzial, dem Einzelnen und der Gesellschaft im Ganzen erheblichen Schaden zuzufügen. Es ist deshalb wichtig, Menschen vor Falschinformationen zu schützen. Dies ist entweder möglich, indem man ihre Abwehrkräfte stärkt, bevor sie auf Falschinformationen treffen, oder durch Widerlegungen, nachdem jemand den Falschinformationen ausgesetzt war.

Falschinformationen schaden der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht 4, 5. Wenn Eltern ihren Kindern Impfungen aufgrund falscher Überzeugungen vorenthalten, leidet die öffentliche Gesundheit 6. Wenn Menschen auf Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit COVID-19 hereinfallen, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie sich an die Vorgaben der Regierung zur Bewältigung der Pandemie halten 7 und damit uns alle in Gefahr bringen.

Es ist einfach, in die Irre geführt zu werden. Unsere Empfindungen für Vertrautheit und Wahrheit hängen oft miteinander zusammen. Es ist wahrscheinlicher, dass wir Dinge glauben, die wir schon oft gehört haben, als neue Informationen.

Dieses Phänomen wird “Scheinwahrheitseffekt” genannt 8, 9. Je mehr Menschen also auf eine Falschinformation stoßen, ohne diese in Frage zu stellen, als desto zutreffender wird die Falschinformation angesehen und desto mehr setzt sie sich fest. Selbst wenn die Quelle als unzuverlässig identifiziert wird, oder eklatant falsch und mit der ideologischen Einstellung der Personen unvereinbar ist, neigen sie trotzdem dazu, den Behauptungen Glauben zu schenken, wenn sie den Informationen wiederholt ausgesetzt werden 10, 11, 12, 13.

Dieser Blogartikel ist Teil 2 einer Serie mit Auszügen aus "Widerlegen, aber richtig 2020!" Die Liste der Quellen gibt es hier.

Möglichst verhindern, dass Falschinformationen hängen bleiben

dbh-stickyWeil Falschinformationen leicht hängen bleiben, sollte man ihnen idealerweise zuvorkommen. Dies kann dadurch erreicht werden, dass man irreführende und manipulative Argumentationsmuster erklärt - eine Methode, die “Schutzimpfung” genannt wird und die Menschen gegen spätere Manipulationsversuche widerstandsfähig macht.Potenzielle Nachteile einer solchen Schutzimpfung sind, dass sie Vorkenntnisse über Falschinformations-Techniken erfordert und sie am besten verabreicht wird, bevor Menschen der Falschinformation ausgesetzt werden.

Da Falschinformationen nur schwer wieder loszuwerden sind, ist eine erfolgreiche Strategie, sie gar nicht erst Fuß fassen zu lassen. Es gibt mehrere Präventionsstrategien, die sich als wirksam erwiesen haben.

Schon alleine Menschen davor zu warnen, dass sie falsch informiert werden könnten, verringert die Gefahr, dass sie sich später auf die Falschinformation verlassen 27, 78. Sogar generelle Warnungen (“die Medien überprüfen vor einer Veröffentlichung nicht immer die Fakten, so dass sich Informationen als falsch herausstellen können”) können dafür sorgen, dass Menschen später empfänglicher für Richtigstellungen sind. Spezifische Warnhinweise, dass der Inhalt falsch sein könnte, haben zu einer Verringerung der Wahrscheinlichkeit geführt, dass Informationen online geteilt werden 28.

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Die schwer fassbaren Bumerang-Effekte

Noch vor zehn Jahren waren Wissenschaftler und Praktiker besorgt, dass Korrekturen "nach hinten losgehen" könnten, d.h. ironischerweise falsche Vorstellungen eher verstärken als reduzieren. Jüngste Forschungen haben diese Befürchtungen zerstreut: Bumerang-Effekte treten nur gelegentlich auf, und das Risiko des Auftretens ist in den meisten Situationen geringer als einst angenommen.

Verzichten Sie nicht auf den Versuch, Falschinformationen zu widerlegen oder zu korrigieren, aus Furcht, dass dies nach hinten losgehen oder den Glauben an Falschinformationen verstärken könnte 66, 67, 68.

Definition

Bumerang-Effekt: Ein Bumerang-Effekt liegt vor, wenn eine Korrektur unbeabsichtigt den Glauben an oder das Vertrauen in Falschinformationen im Vergleich zu einem Ausgangswert ohne oder vor einer Korrektur erhöht.

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Widerlege oft und gekonnt

dbh-oftenWenn ein Zuvorkommen nicht möglich ist, bleibt nur das Widerlegen. Damit das Widerlegen erfolgreich ist, müssen Sie detaillierte Gegenargumente liefern 2, 3. Geben Sie eine eindeutige Erklärung, (1) weshalb es jetzt klar ist, dass die Information falsch ist und (2) was stattdessen zutrifft. Werden solche detaillierten Gegendarstellungen geliefert, kann die Falschinformation “entfernt” werden. Ohne detaillierte Widerlegungen kann die Falschinformation trotz der Korrekturversuche  hängen bleiben.

Einfache Korrekturen allein sind kaum geeignet, Falschinformationen vollständig loszuwerden. Etwas als fragwürdig oder aus einer nicht vertrauenswürdigen Quelle stammend zu kennzeichnen, reicht nicht aus, wenn Personen der Falschinformation wiederholt ausgesetzt waren.

Eine Widerlegung wird mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein, wenn Sie die folgenden 3 oder 4 Komponenten berücksichtigen.

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FAKT: Nennen Sie die Wahrheit als erstes

Wenn es sich einfach mit wenigen deutlichen Worten machen lässt, nennen Sie zuerst, was wahr ist. Dies erlaubt es Ihnen, den Rahmen für Ihre Botschaft zu setzen - Sie führen mit Ihren Gesprächspunkten und nicht mit denen eines anderen.

Wenn Sie die Kommentare zu praktisch jedem Artikel über den Klimawandel lesen, wird es nicht lange dauern, bis Sie einen (oder mehrere!) Kommentatoren finden, die kühn behaupten, dass "Klimawissenschaftler sich nur wegen des Geldes damit beschäftigen". Dabei erwähnen sie oft unverschämt hohe Geldbeträge, um wirklich jedermann auf die Palme zu bringen, aber ohne echte Beweise für ihre Behauptung zu liefern.

Dieser Artikel ist eine Sammlung von Links, die Sie verwenden können, um dieser unbegründeten Behauptung entgegenzuwirken, wenn sie irgendwo auftaucht. Einige sind Blog-Posts, andere sind Videos, während andere aus Social Media-Postings stammen.

Noch ein Hinweis zur deutschen Übersetzung: wir haben uns bemüht, die Zitate möglichst genau wiederzugeben. Maßgeblich sind aber die Originalzitate. Außerdem gehen die Links und Videos zu englischsprachigen Inhalten.

Video

Eine der besten Erklärungen, weshalb die Behauptung total absurd ist, ist in einem Interview mit Richard Alley enthalten:

  

Viele der für Denial101x befragten Wissenschaftler, erklären in den Interviews, weshalb sie machen was sie machen und dass es nichts mit Geld zu tun hat (was für eine Überraschung!). Diese Experten-Interviews stehen in dieser Wakelet-Sammlung zur Verfügung: Denial101x Expert Interviews

Halten Sie Vorträge über den Klimawandel, werden Sie regelmäßig mit Falschinformationen über den von uns verursachten Klimawandel konfrontiert oder interessiert es Sie einfach, welche Behauptungen immer wieder gemacht werden, obwohl sie bereits mehrfach widerlegt wurden? In allen diesen Fällen kann Ihnen die in diesem Artikel vorgestellte Foliensammlung helfen.

Ein guter Einstieg ins Thema ist der ebenfalls im KSN erschienene Artikel "Mythen zerschlagen: Eine praktische Anleitung dem Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse zu begegnen". Er erklärt die Struktur einer erfolgreichen Widerlegung bestehend aus Nennung des Fakts, Erwähnung - mit Warnung! - des Irrglaubens und abschließender Erklärung des Trugschlusses (abgekürzt "F-I-T" auf deutsch bzw "F-M-F" für "Fact-Myth-Fallacy" auf englisch). Der (englischsprachige) Artikel von John Cook "Inoculation theory: Using misinformation to fight misinformation" erklärt zusätzlich die Grundzüge der "Inokulationstheorie", die ich gerne als "Impfungs fürs Hirn" bezeichne.

FIT-StrukturAbbildung 1: Elemente einer erfolgreichen Widerlegung (Anklicken für größere Version)