Hatten Sie schon irgendwann einmal Probleme damit, die Unsicherheiten beim Thema Klimawandel zu vermitteln? Sind sie frustriert über die Klima-Zweifler, die diese - in jedem komplexen wissenschaftlichen Gebiet vorkommende - Ungewissheit als Rechtfertigung ausnutzen, um politische Antworten hinauszuzögern? Dann ist “Ungewissheit gekonnt vermitteln” der richtige Ratgeber für Sie. Es ist die deutsche Übersetzung des “Uncertainty Handbook”, das im letzten Jahr als Gemeinschaftsarbeit der Universität Bristol und Climate Outreach veröffentlicht wurde. Der Ratgeber wurde von Dr. Adam Corner (Climate Outreach), Professor Stephan Lewandowsky (Universität Bristol), Dr Mary Phillips (Universität Bristol) and Olga Roberts (Climate Outreach) geschrieben. Sie sind alle Experten in ihrem Gebiet und haben Erfahrung mit der Rolle, die Unsicherheiten beim Thema Klimawandel spielen oder wie man sie am besten vermittelt.

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Das Handbuch fasst die wichtigsten Forschungsergebnisse und Ratschläge von Experten auf wenigen Seiten mit leicht anzuwendenden Techniken zusammen und stellt Wissenschaftlern, Entscheidungsträgern und Aktivisten Hilfsmittel zur Verfügung, die sie benötigen, um effektiver zum Thema Klimawandel zu kommunizieren. Laden Sie sich die deutsche Version des Ratgebers herunter und schauen Sie sich unsere 12 Vorschläge an, um die Unsicherheiten beim Klimawandel gekonnter zu vermitteln.

1. Steuern Sie die Erwartungen Ihrer Zielgruppe

Viele Menschen erwarten von der Wissenschaft eindeutige “Antworten”, obwohl sie eigentlich eine Methode ist, Fragen über die Welt zu stellen. Steuern Sie deshalb die Erwartungen der Leute und setzen Sie viele Analogien aus dem “täglichen Leben” ein, so dass Ihre Zuhörer erkennen, dass es Ungewissheiten überall gibt - und nicht nur in der Klimawissenschaft.

2. Beginnen Sie mit dem, was Sie wissen, nicht mit dem, was Sie nicht wissen

Zu oft erwähnen Kommunikatoren die Vorbehalte vor der Schlussfolgerung. Bei vielen grundsätzlichen Fragen, wie z. B. “verursachen wir den Klimawandel?” und “werden wir noch nie dagewesene Änderungen unseres Klimas verursachen, wenn wir die Menge an Kohlenstoff, die wir verbrennen, nicht reduzieren?” ist sich die Wissenschaft praktisch einig.

3. Stellen Sie den wissenschaftlichen Konsens deutlich heraus

Eine klare und stimmige Botschaft über den wissenschaftlichen Konsens zu haben ist wichtig, weil dies Einfluss darauf hat, ob Menschen den Klimawandel als Problem ansehen, das eine dringende gesellschaftliche Antwort erfordert. Verwenden Sie deutliche Grafiken wie zum Beispiel ein Tortendiagramm, setzen Sie auf einen “Botschafter”, der den Konsens vertrauenswürdig vermitteln kann und versuchen Sie, den größten gemeinsamen Nenner zwischen den Werten Ihres Publikums und denen des Botschafters zu finden.

4. Verlagern Sie den Schwerpunkt von “Ungewissheit” zu “Risiko”’

Die meisten Menschen sind es gewohnt, “Risiken” zu bedenken. Es ist die Sprache des Versicherungs-, Gesundheits- und nationalen Sicherheitssektors. Für viele Zielgruppen, wie Politiker, Wirtschaftsführer oder das Militär, ist es deshalb wahrscheinlich effektiver, über die Risiken des Klimawandels zu sprechen als über die Ungewissheiten.

5. Machen Sie deutlich, über welche Art von Ungewissheit Sie reden

Eine häufige Strategie derjeniger, die den wissenschaftlichen Konsens ablehnen, ist es, absichtlich Verwirrung zu stiften und verschiedene Arten der Ungewissheit in einen Topf zu werfen. Es ist deshalb entscheidend, dass Sie deutlich machen, über welche Art von Ungewissheit Sie reden - Ursachen, Auswirkungen, Politik oder Lösungen - und die jeweils passende Sprache einzusetzen.

6. Verstehen Sie, was die Meinungen der Leute zum Klimawandel beeinflusst

Die Ungewissheit über den Klimawandel ist bei Personen höher, die bei ihren politischen Werten nach rechts tendieren. Es gibt mittlerweile jedoch eine zunehmende Zahl von Forschungsergebnissen, die Wege aufzeigen, wie über den Klimawandel so berichtet werden kann, ohne dass das konservative Wertesystem bedroht wird, oder das eine Sprache verwendet wird, die bei Personen, die von Werten rechts der Mitte geprägt sind, Anklang findet.

7. Die wichtigste Frage zu Auswirkungen des Klimawandels ist “wann” und nicht “ob”

Prognosen zum Klimawandel werden normalerweise in einem standardisierten Format mit “ungewissem Ausgang” kommuniziert. Eine solche Aussage lautet z. B.: “der Meeresspiegel wird bis 2072 um 25 bis 68cm ansteigen, mit 50cm als mittlerer Prognose”. Drehen Sie die Aussage stattdessen um - mit einer “ungewissen Zeitangabe” - und es wird sofort deutlich, dass die Frage lautet, “wann” und nicht “ob” der Meeresspiegel um 50cm ansteigen wird: “Der Meeresspiegel wird um mindestens 50cm ansteigen und dies wird zwischen 2060 und 2093 passieren”.

8. Verwenden Sie Bilder und Geschichten

Die meisten Menschen verstehen die Welt durch Geschichten und Bilder und nicht durch Listen von Zahlen, Wahrscheinlichkeitsaussagen oder technische Grafiken. Es ist deshalb entscheidend, Wege zu finden, um die technische Sprache wissenschaftlicher Berichte in etwas Ansprechenderes zu übersetzen und zu interpretieren. Ein bildschaffender Künstler kann das Konzept des Meeresspiegelanstiegs besser erfassen als jede Grafik und trotzdem faktisch korrekt bleiben, wenn er für seine Arbeit die wissenschaftlichen Prognosen berücksichtigt.

9. Heben Sie die "positiven" Seiten der Ungewissheit hervor

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Ungewissheit kein unumgängliches Hindernis zum Handeln sein muss, sofern Kommunikatoren ihre Botschaften zum Klimawandel so formulieren, dass sie im Angesicht von Unwägbarkeiten zur Vorsicht aufrufen. Eine “positive” Formulierung ungewisser Informationen könnte z. B. darauf hinweisen, dass es keine Verluste geben sollte, wenn Präventivmaßnahmen getroffen werden

10. Kommunizieren Sie effektiv über die Auswirkungen des Klimawandels

Die Frage, ob “dieses Wetterereignis durch den Klimawandel verursacht ist”, ist falsch gestellt. Wenn jemand ein geschwächtes Immunsystem hat, ist er anfälliger für eine Reihe von Krankheiten. Trotzdem stellt niemand die Frage, ob jede Krankheit durch das geschwächte Immunsystem verursacht wurde. Die gleiche Logik gilt für den Klimawandel und einige Extremwetterereignisse: sie werden wahrscheinlicher und heftiger durch den Klimawandel.

11. Führen Sie eine Unterhaltung und kein Streitgespräch

Trotz der überproportionalen Aufmerksamkeit, die “Skeptikern” in den Medien eingeräumt wird, reden oder denken die meisten Menschen vergleichsweise wenig über den Klimawandel nach. Dies bedeutet, dass schon alleine eine Unterhaltung über den Klimawandel - aber kein Streitgespräch oder eine simple Wiederholung eines Slogans - eine wirksame Methode hin zu mehr Engagement sein kann.

12. Erzählen Sie eine menschliche Geschichte und keine wissenschaftliche

Die Menge an Kohlendioxid, die in den nächsten 50 Jahren ausgestoßen wird, entscheidet darüber, wie stark sich unser Klima verändern wird. Was wir entscheiden zu tun und wie schnell wir den gemeinsamen Willen dafür aufbringen können, ist eine Ungewissheit, die alle anderen Ungewissheiten in den Schatten stellt.

Die deutsche Übersetzung wurde von Bärbel Winkler und Oliver Marchand erstellt und kannhier heruntergeladen werden.

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