Unternehmen der fossilen Treibstoffindustrie haben viele Millionen Dollar dafür ausgegeben, die Öffentlichkeit über den Klimawandel in die Irre zu führen. Die Rolle der Verbandsinteressen in Bezug auf das Leugnen der Klimawissenschaften ist aber nur eine Hälfte des Bilds. Das Interesse an diesem Thema wurde durch die jüngsten Enthüllungen über das Bergbauunternehmen Peabody Energy angeheizt. Nachdem Peabody Konkurs angemeldet hatte, wurden Dokumente öffentlich bekannt, die den Umfang von Peabodys Finanzierung Dritter enthüllten. In der Liste der Empfänger der Zuwendungen tauchen Wirtschaftsverbände, Lobbygruppen und den Klimawandel anzweifelnde Wissenschaftler auf.

Leugnen des Klimawandels 3 
Die englische Version dieses Artikels von John Cook wurde zuerst in The Conversation veröffentlicht. Hier geht es zum Originalartikel.The Conversation(Grafiktext: KSN, Foto: smial, Lizenz: Freie Kunst)

Diese neueste Enthüllung ist deshalb bemerkenswert, weil die Öl- und Kohleindustrie in den letzten Jahren vorsichtiger wurde und ihre Spuren besser verschleierte. Eine Analyse von Robert Brulle hatte herausgefunden, dass von 2003 bis 2010 Organisationen, die Falschinformationen über den Klimawandel propagierten, von Firmen mit jährlich über 900 Millionen US$ finanziert wurden.

Brulle fand aber auch heraus, dass ab 2008 die offene Finanzierung zurückging, während Geldzuwendungen durch nicht nachvollziehbare Spendernetzwerke wie Donors Trust (auch bekannt als "Geldautomaten für schwarzes Geld") zunahmen. Dies ermöglichte es Unternehmen, das Leugnen der Klimawissenschaften finanziell zu unterstützen und dies geheim zuhalten.

Zeitgleich mit dem Rückgang offener Finanzierung von Falschinformation zum Klimawandel gab es Bestrebungen, die Öffentlichkeit auf die Finanzierung des Leugnens der Klimaforschung durch Unternehmen aufmerksam zu machen. Ein prominentes Beispiel ist Bob Ward, früher bei der UK Royal Society, der 2006 Exxon-Mobil dazu aufforderte, die Finanzierung von Leugnerorganisitionen zu beenden.


John Cook interviewt Bob Ward während COP21 in Paris.

Die Schleier der Geheimniskrämerei wurden durch das Konkursverfahren Peabodys für kurze Zeit gelüftet und gaben das Ausmaß der Geldzuwendungen an Dritte durch die Firma preis, von denen ein Teil zur Finanzierung des  Verbreitens von Falschinformationen über den Klimawandel verwendet wurde. Dies ist jedoch nicht die erste Enthüllung der Finanzierung von Falschinformationen zum Klimawandel durch Firmen der fossilen Industrien - und auch nicht der erste Fall, an dem Peabody beteiligt ist.

2015 gab sich Ben Stewart von Greenpeace für einen Berater von Kohle- und Ölfirmen aus, ging auf bekannte Leugner des Klimawandels zu und bot ihnen an, für Studien zu bezahlen, die die Vorzüge fossiler Energieträger hervorhoben. Die Leugner stimmten bereitwillig zu, positive Abhandlungen über fossile Energieträger zu schreiben und die Quellen der Finanzierung zu vertuschen. Einer gab zu, dass er von Peabody bezahlt worden war, konträre Artikel zu schreiben. Er war auch als Sachverständiger aufgetreten und hatte Gastkommentare für Zeitungen geschrieben.


John Cook interviewt Ben Stewart von Greenpeace während COP21 in Paris.

Ein umfassenderes Bild des finanzierten Leugnens

Die Finanzierung von Klimawandelinformationen und Falschinformationen durch Peabody ist nur eine Episode in einer wesentlich größeren Geschichte der durch Firmen der fossilen Industrie finanzierten Falschinformation. Eine Analyse von mehr als 40.000 Texten von skeptischen Quellen fand heraus, dass Organisationen, die Finanzmittel von Firmen erhalten hatten, mehr Falschinformationen zum Klima veröffentlichten. Dieser Trend nahm mit der Zeit zu.

Die folgende Grafik zeigt, dass der Einsatz der Behauptung "CO2 ist gut" (ein beliebtes Argument von Peabody Energy) bei von Unternehmen finanziell unterstützten Quellen im Vergleich zu unfinanzierten dramatisch zugenommen an.


Abbildung 1: Verbreitung einer Leugner-Behauptung mit und ohne finanzieller Unterstützung der Quellen durch Firmen. Farrell (2015)

1991 verbündete sich die Western Fuels Association mit anderen Interessengruppen der fossilen Energien, um eine Reihe von Falschinformationskampagnen zu starten. Dazu gehörte auch ein Video, in dem die positiven Auswirkungen von Kohlenstoffdioxid herausgestellt wurden und von dem hunderte kostenloser Kopien an Journalisten und Universitätsbibliotheken geschickt wurden. Das Ziel der Kampagne war es, "die globale Erwärmung als eine Theorie (und keine Tatsache) neu zu positionieren." Dadurch sollte der Eindruck entstehen, es gäbe noch eine aktiv geführte wissenschaftliche Debatte über die von uns Menschen verursachte globale Erwärmung.

ExxonSecrets.org hat bereits über zwei Jahrzehnte lang die von der fossilen Industrie finanzierten Kampagnen zum Streuen von Falschinformationen verfolgt und dadurch über AU$ 30 Millionen an Finanzierung alleine durch Exxon für Think Tanks der Leugner von 1998 bis 2014 dokumentiert

Dass Exxon das Leugnen der Klimaforschung über diese Zeitspanne hinweg finanziert hat, ist besonders skandalös, wenn man bedenkt, dass ihnen die Risiken des anthropogenen Klimawandels sehr wohl bekannt waren. David Sassoon, der Gründer der bereits mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Nachrichtenorganisation Inside Climate News leitete Nachforschungen, die Exxons interne Forschung beleuchteten und dadurch herausfand, dass ihre eigenen Wissenschaftler die Firma schon in den 1970er Jahren vor den schädlichen Auswirkungen des Verfeuerns fossiler Rohstoffe warnten.


John Cook interviewt David Sassoon von Inside Climate News.

Aber selbst die Enthüllungen durch Inside Climate News, dass Firmen über die negativen Auswirkungen des Klimawandels schon Bescheid wussten, bevor sie sich auf Falschinformationskampagnen einließen, waren nichts Neues. 2009 wurde der Presse ein interner Bericht der Global Climate Coalition, einer Gruppe, die die Interessen der fossilen Energien vertritt, zugespielt.

Der Bericht zeigte, dass die eigenen Wissenschaftler der Coalition schon 1995 darauf hingewiesen hatten, dass "die wissenschaftlichen Grundlagen für den Treibhauseffekt und die möglichen Auswirkungen der Emissionen von Treibhausgase wie CO2 auf das Klima etabliert sind und nicht geleugnet werden können". Trotzdem leugnete die Organisation die Erkenntnisse aus der Klimaforschung weiter und pries die Vorzüge der Emissionen aus fossilen Brennstoffen weiter an.

Ideologie: die andere Seite einer "unheiligen Allianz"

Wenn der Fokus aber nur auf der Rolle der Industrie beim Leugnen der Klimawissenschaften liegt, gerät ein Teil des Bildes aus dem Blickfeld. Der andere wesentliche Faktor ist die politische Ideologie. Zahlreiche Umfragen haben gezeigt (z. B. hier, hier and hier), dass  auf persönlicher Ebene die politische Ideologie der zuverlässigste Prädiktor für das Leugnen der Klimaforschung ist.

Fürchten Personen die möglichen Lösungen gegen den Klimawandel - wie z. B. verstärkte Regularien für die Industrie -  ist es viel wahrscheinlicher, dass sie das Problem selbst leugnen. Psychologen nennen dies "motivierten Unglauben"

Folglich sind Gruppierungen, deren politische Ideologie es ist, Regulierungen des Marktes abzulehnen, unerschöpfliche Quellen von Falschinformationen über den Klimawandel. Diese Produktivität wurde durch die vielen Millionen Dollar, die von der fossilen Industrie flossen, ermöglicht. Naomi Oreskes, Mitautorin von Merchants of Doubt, nennt diese Partnerschaft zwischen Interessengruppen und ideologischen Gruppen eine "unheilige Allianz".

Den Einfluss begrenzen

Um den Einfluss des Leugnens der Klimawissenschaft zu reduzieren, müssen wir es verstehen. Dafür muss man sich sowohl der Rolle politischer Ideologie als auch der Unterstützung ideologisch motivierter Gruppen durch Interessengruppen bewusst sein.

Ohne dieses Verständnis kann es passieren, dass man möglicherweise falsche Anschuldigungen macht, wie die, dass das Abstreiten des Klimawandels nur durch Geld motiviert oder absichtlich irreführend ist. Psychologische Forschung hat gezeigt, dass sich ein ideologisch bedingter Bestätigungsfehler (unabsichtliche Falschinformation) so gut wie gar nicht von einer absichtlichen Irreführung (Desinformation) unterscheiden lässt.


Video aus dem kostenlosen Onlinekurs Making Sense of Climate Science Denial (Der Kurs beginnt am 9. August 2016 - zur Registrierung).

Die Öl- und Kohleindustrie spielt eine extrem schädliche Rolle beim Verbreiten von Falschinformationen über den Klimawandel. Ohne aber das komplette Bild zu betrachten, zu dem auch der Einfluss politischer Ideologien gehört, kann man leicht ein unvollständiges Bild der Gründe für das Leugnen des Klimawandels bekommen. Dies kann in der Folge zu potentiell kontraproduktiven Reaktionen darauf führen.

Die englische Version dieses Artikels von John Cook wurde zuerst in The Conversation veröffentlicht. Hier geht es zum Originalartikel.