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Deutsche Umwelthilfe kritisiert Hersteller. Trend zu immer kleineren Verpackungen, die immer mehr Abfall erzeugen ist schlecht für die Umwelt.

Berlin, anlässlich des kürzlich in Schwerin eröffneten neuen Kaffeekapselwerks des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé weist die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) auf die Umweltschädlichkeit des abfallintensiven und ressourcenineffizienten Verpackungssystems hin. Nach Auffassung der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation sollten Verpackungsmengen durch intelligente Öko-Design-Konzepte verringert werden. Der Trend in der Nahrungsmittelindustrie geht jedoch zunehmend dahin, Produkte in immer kleinere Verpackungen zu portionieren und dadurch immer mehr Abfall zu erzeugen. Gesetzliche Regelungen sind - auch wegen der vielen anderen Kleinstverpackungen - offenbar nötig.

Kaffee-Kapseln
(Foto: Andrés Nieto Porras; Lizenz: CC-BY-SA-2.0)

„Im neuen Schweriner Nestlé-Werk sollen jährlich bis zu zwei Milliarden Kaffee-Kapseln produziert werden. Auf sechs Gramm Kaffee kommen circa drei Gramm Plastik- oder Aluminiumabfall. So unscheinbar eine einzelne Kaffee-Kapsel wirkt, umso größer sind deren Umweltauswirkungen in der Gesamtheit. Würde man die in 2013 verbrauchte Menge an Kaffee in einzelnen Kapseln anstatt in 500-Gramm-Großverpackungen verkaufen, so entstünden mehr als 150.000 Tonnen zusätzlicher Plastikabfall“, kritisiert der DUH-Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer.

Besonders absurd sei es, so Fischer, wenn neben der Kaffee-Kapsel auch noch eine Milchkapsel zur Zubereitung benötigt wird. Auf die Weise verdopple sich die Verpackungsmenge. Dabei sollten Verpackungen grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Verpackungsmenge in einem optimalen Verhältnis zum Füllgut steht. Je kleiner die Verpackung, desto ungünstiger ist das Verhältnis. Thomas Fischer: „Die Materialbilanz kleiner Kaffee-Kapseln ist verheerend, weil deutlich mehr Verpackungsmaterial für die gleiche Inhaltsmenge eingesetzt werden muss.“

Udo Schuldt vom Klimaschutz-Netz ist ebenfalls besorgt: "Durch den höheren Energieaufwand bei der Produktion der Kaffeekapseln und die zusätzlichen Fahrten der Müllfahrzeuge bei der Müllentsorgung steigen außerdem die CO2-Emissionen des Kaffeetrinkens. Angesichts des menschengemachten Klimawandels sollten aber Produkte den Vorrang erhalten die eine niedrige Treibhausgasbilanz haben und wenig Müll produzieren. Die Zunahme des Plastikmülls in Flüssen und Ozeanen ist ebenfalls ein Problem, denn in der Vergangenheit war es oft der Fall, dass Schiffe und Boote ihren Müll einfach über Bord gehen ließen. Dass dies nun nach dem Aufkommen der Kaffekapseln plötzlich anders wird ist nicht zu erwarten."

Dabei belastet der Einsatz von Kaffee-Kapseln nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel des Verbrauchers, der deutlich höhere Preise bezahlen muss als für herkömmlichen Kaffee. Selbst die günstigsten Kaffee-Kapsel-Varianten kosten 19 Cent pro Stück. Bei etwa 6 Gramm Kaffee ergibt das einen Kilopreis von über 30 Euro. Das ist mehr als drei Mal so teuer wie normaler Kaffee aus der Großverpackung. Thomas Fischer empfiehlt deshalb: „Wer als Kunde auf die Umwelt und den Geldbeutel achten möchte, der sollte klassische Kaffee- oder Espressomaschinen benutzen.“

So langsam gibt es immer mehr Tendenzen die Erzeugung des Kaffees in dessen Herkunftsländern umweltfreundlicher zu machen und nun wird der Verbrauch immer umweltschädlicher. Aktuell sind es somit eher die Industrieländer die Entwicklungshilfe in Sachen Umwelt- und Klimaschutz brauchen. Da die Kaffeekapseln jetzt so groß in Mode sind und deren Produktion nochmals gesteigert wird ist ein Gegensteuern nötig. Hier ist auch der Gesetzgeber gefragt, denn Apelle an die Verbraucher reichen allem Anschein nach nicht mehr. Im Verhältnis zur Werbung für Kaffeekapsel-Maschinen sind gut gemeinte Aufrufe der Umweltverbände ohnehin wirkungslos, angesichts der Breitenwirkung von Fernsehspots. Ein Verbot von Kleinstverpackungen, für Produkte bei denen ein größeres Verpackungsvolumen möglich wäre, ist schon lange überfällig. Viele umweltfreundlich organisierte Frühstückstheken in Hotels und ökologisch orientierte Haushalte machen es vor, dass es auch mit wesentlich weniger Verpackungsmüll geht.