"Die Erdölkonzerne sind ein Schurkenverein, rücksichtslos wie keine andere Macht auf Erden, der Hauptfeind für das Überleben der Menschheit" - Bill McKibben

McKibben, Autor zahlreicher Bücher über Erderwärmung und erneuerbare Energien, ist der Meinung: Wir dürfen die Zukunft des Planeten nicht den Erdölkonzernen überlassen, sonst führt dies in die "6 Grad Welt".  Aber auch konventionelle Stromerzeuger, Autohersteller und Transportfirmen gehören zu den mächtigsten Firmen der Erde. Sie verfügen über eine enorme strukturelle Macht und Einfluss auf die Regierungen.  Und viele dieser Firmen versuchen effizienten Klimaschutz zu verhindern. Man kann dies als Herrschaft des Kapitals, als Kapitalismus bezeichnen. Die Herrschaft des Kapitals verhindert aber die Volksherrschaft, also echte Demokratie. Ein grüner Kapitalismus ist darum nur eine Illusion.

Tagebau Jänschwalde
Info zum Foto: Der Braunkohletagebau Jänschwalde ist Kapitalismus pur (Foto-Lizenz: Verzicht auf Copyright)

Den Unternehmen drohen riesige Kapitalverluste wenn sie die Kohle, das Öl und das Gas im Boden lassen

McKibben machte in der Vergangenheit wiederholt deutlich, dass es, wenn es nach den Öl-, Kohle- und Gaskonzernen geht, unaufhaltsam in die "6-Grad-Welt" geht. Drei nüchterne Zahlen sind es, welche diese Veränderung beschreiben:

  • Die Aussage von Wissenschaftlern, dass ein Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad katastrophale Folgen für die Menschheit hätte und die Menschen danach machen können was sie wollen, die Temperatur stiege weiter - aufgrund des induzierten Impulses, der dann natürliche Erwärmungsfaktoren anstößt.
  • Der Menge von 565 Gigatonnen CO2 die höchstens noch erzeugt werden dürfen um die 2 Grad-Grenze nicht zu überschreiten.
  • Die 2795 Gigatonnen CO2, die sich ergeben würden, wenn die Konzerne tatsächlich alle Reserven von fossilen Energiequellen verbrennen, über die sie jetzt schon verfügen.

Das Problem ist, dass die Öl-, Kohle- und Gaskonzerne eben genau dies tun wollen, denn das Fördern und Verkaufen der fossilen Energieträger ist ihr Geschäft. Würden sie nun sagen, wir lassen 80% unserer fossilen Vorräte in der Erde, hätte das die Konsequenz, dass sie von einem Tag auf den anderen an Kapital verlören, denn ihr Wert gründet sich auch auf ihren Öl-, Kohle- und Gas-Reserven.

Sehr nachvollziehbar und sehr verdienstvoll, dass McKibben sich mit diesem politisch mächtigen fossil-industriellen Komplex anlegt. Sein Ansatz greift aber zu kurz. Es verdienen nicht nur diejenigen kräftig, welche die Energie fördern und vermarkten, sondern auch diejenigen, die sie verwenden. Dazu gehören die konventionellen Stromerzeuger, aber auch Autohersteller, Transportfirmen oder Reiseanbieter von Kreuzfahrten mit Luxuslinern. Man kann wohl auch unterstellen, dass die meisten Großbanken erhebliche Profite aus dieser Art des Wirtschaftens ziehen. Von den Top 20 der weltweit größten Unternehmen gehören mindestens 18 in diese Kategorie.

1. Royal Dutch Shell Den Haag Niederlande Niederlande Öl und Gas
2. ExxonMobil Irving Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Öl und Gas
3. Walmart Bentonville Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Einzelhandel
4. BP London Vereinigtes Königreich Großbritannien Öl und Gas
5. Sinopec Peking China China Öl und Gas
6. China National Petroleum Peking China China Öl und Gas
7. State Grid Peking China China Versorger
8. Chevron San Ramon Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Öl und Gas
9. ConocoPhillips Houston Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Öl und Gas
10. Toyota Motor Toyota Japan Japan Automobile
11. Total Courbevoie Frankreich Frankreich Öl und Gas
12. Volkswagen Wolfsburg Deutschland Deutschland Automobile
13. Japan Post Group Tokio Japan Japan Dienstleistungen
14. Glencore Baar ZG Schweiz Schweiz Rohstoffhandel
15. Gazprom Moskau Russland Russland Öl und Gas
16. E.ON Düsseldorf Deutschland Deutschland Versorger
17. Eni Rom Italien Italien Öl und Gas
18. ING Groep Amsterdam Niederlande Niederlande Finanzdienstleister
19. General Motors Detroit Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Automobile
20. Samsung Electronics Seoul Südkorea Südkorea Technologie
Tabelle aus Wikipedia, Stand August 2012

Der fossil-industrielle-Komplex fördert Klimawissenschaftsleugner

Bekanntermaßen unterstützen viele dieser Firmen die Verdummung der Bevölkerung, indem sie jene finanzieren, welche die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Klimawandels bestreiten oder seine Folgen verniedlichen. Welche Konsequenzen das haben kann zeigen auch die USA, denn dort wird der Kongress von - teilweise rechtsextremen - Abgeordneten beherrscht, die kein Interesse an Klimaschutz haben, bzw. die sogar den Klimawandel leugnen.

Die Macht des Faktischen, also die Erderwärmung und das Leiden der Menschheit darunter, wird irgendwann den allermeisten Menschen deutlich machen, dass die Klimawissenschaft, wie sie in den Berichten des Weltklimarates zum Ausdruck kommt, doch recht hatte. Aber vielleicht ist es dann schon zu spät. Ein Problem mit der Wahrnehmung des Klimawandels besteht darin, dass er mit jahrzehntelanger Verzögerung spürbar wird. Was wir heute an Veränderungen wahrnehmen, also die Dürren, wie die in den USA, die Feuer, wie jenes in Russland in 2010, oder die Überschwemmungen, wie die in Pakistan, ist das Ergebnis der CO2-Emissionen der 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit anderen Worten, selbst wenn es der Menschheit gelänge alle Treibhausgasemissionen, außer dem Atmen, sofort zu beenden, dann würden die Temperaturen trotzdem noch weiter steigen - jahrzehntelang - auf etwa 1,5 Grad.

Das Problem ist der Kapitalismus an sich

Das Problem sind also nicht nur die Öl-, Kohle und Gasförderer, sondern es ist der Kapitalismus an sich, mit seinen Machtstrukturen. Dazu gehört auch der wieder erstarkende Kapitalismus in China, welches inzwischen das Land mit den größten Treibhausgasemissionen ist und dessen pro Kopf-Emissionen inzwischen die von vielen EU-Ländern übersteigen. Also, das Argument, China sei ein sozialistisches Land und da wäre es genauso schlecht, zählt nicht. China ist kein sozialistisches, sondern ein kapitalistisches Land. Auch dort bestimmt die "Wirtschaft" maßgeblich die Richtung. Das Beispiel China macht aber außerdem deutlich, wie wirksam die Masseneffekte, des massenhaft steigenden Energie- und Rohstoffverbrauchs sind.

Um die Beziehungen der Deutschen Regierung zur Energiewirtschaft zu klären stellten die Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Caren Lay, Karin Binder und andere aus der Fraktion DIE LINKE eine kleine Anfrage (18/2087) mit der Überschrift "Kontakte der Bundesregierung zur Energiewirtschaft im Rahmen der Marktliberalisierung der Ökostromförderung". Geklärt werden sollte vor allem, ob Vertreter der fossilen Energieunternehmen leichter Zugang zu Regierungskreisen erhalten als Vertreter der Oköszene.

So kann man in der Anfrage lesen: "Beobachtern aus Politik, Wissenschaft sowie von Umwelt-, Klima- und Verbraucherschutz erscheint die Energiepolitik der Großen Koalition vorteilhaft für Großindustrie, fossile Energieunternehmen und Kohlekraftwerksbetreiber (...). Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (...) lese sich wie ein Forderungskatalog der fossilen Energiebranche und wird vielfach als Rückschritt für die Energiewende interpretiert ... ".

Nicht verwunderlich ist, dass die Bundesregierung das bestreitet, obwohl es so viele Hinweise auf die Bevorzugung des fossil-industriellen-Komplexes gibt.

Grüner Kapitalismus wird Klimawandel nicht stoppen

Die linke Abgeordnete Eva Bulling-Schröter - auch Herausgeberin beim Klimaschutz-Netz - meint wohl auch deshalb, dass die Hoffnungen auf einen grünen Kapitalismus unbegründet sind. Er werde den Klimawandel nicht stoppen können. Investitionen in grüne Infrastruktur und der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen seien zwar ein wichtiger Beitrag gegen den menschengemachten Klimawandel doch gelte es vorrangig die Lebens- und Produktionsweise wohlhabender Gesellschaften zulasten weniger Wohlhabender zu hinterfragen. Hoher Ressourcenverbrauch für billige Konsumgüter gehe meist auf Kosten lokaler Bevölkerungen in den Abbauländern. Deshalb sieht Bulling Schröter auch den soeben erschienen „Climate Economy Report“ der UN kritisch. Die Abgeordnete identifiziert im Welthandel mit seinen Warenströmen über Land, Luft und See, der bei steigender Tendenz für fast ein Viertel des globalen Klimakillers CO2 verantwortlich sei, eine Hauptursache der menschenverursachten Erderwärmung. Deutschlands Wirtschaft fällt somit als Exportweltmeister und Gewinner der Globalisierung eine besondere Verantwortung beim Klimaschutz zu. Rein marktbasierte Klimaschutz-Instrumente wie der Emissionshandel haben - offensichtlich - bisher versagt, weil der Preis von CO2-Verschmutzungsrechten im Keller ist und deshalb kaum Lenkungswirkung auf den Welthandel entfaltet. O-Ton Eva Bulling-Schröter: "Mehr Wachstum führt zu immer mehr Klimagasen. Die Wirtschaft bietet keinen Anreiz zum Klimaschutz, der fortschreitende Klimawandel ist ein Paradebeispiel für das Marktversagen". Um dies zu erreichen müssten die politischen Entscheidungsträger  endlich auch dem Transportsektor ambitionierte und verbindliche CO2-Grenzen setzen. Die Bundesregierung würde diese notwendigen Ziele aber eher verhindern. Soweit die Abgeordnete der LINKEn.

Angesichts der Situation des schnell fortschreitenden menschenverursachten Klimawandels muss natürlich jeder Strohhalm ergriffen werden um Zeit zu gewinnen. Letztlich wird aber an einer demokratischen Umgestaltung des Gesamtsystems kein Weg vorbeiführen. Die Herrschaftsform Kapitalismus steht der Demokratie und dem Klimaschutz im Weg. Sie muss überwunden werden.