Für das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg wurden jährlich 1,12 Tonnen Quecksilberemissionen bei Volllast beider Blöcke genehmigt. Damit übertrifft die neueste Dreckschleuder der Stadt das Kraftwerk Tiefstack deutlich. Auch wenn die Emissionen gegenüber den letzten drei Jahren deutlich gestiegen sind, hat Tiefstack im zurückliegenden Jahr nur 30 Kilogramm Quecksilber ausgestoßen. Das geht aus einer Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drs. 20/13666) der umweltpolitischen Sprecherin und Fraktionsvorsitzenden der Linksfraktion, in der Hamburger Bürgerschaft, Dora Heyenn hervor. Die Abgeordnete fordert eine deutliche Verschärfung der Grenzwerte.  Das in unmittelbarer Nähe von Hamburg gelegene Kohlekraftwerk Wedel fügte den Emissionen der beiden Hamburgischen Kraftwerke laut Vattenfall im Jahr 2012 noch 83 Kilogramm Quecksilber hinzu.

Kohlekraftwerk Moorburg
Das Kraftwerk Moorburg vom Heimfelder Berg aus gesehen (Foto: Public Domain)

Dazu erklärt Dora Heyenn:

„Dass das Kohlekraftwerk Moorburg mit jährlich 1,12 Tonnen Quecksilber Hamburgs Luft verpesten darf ist alarmierend. Kohlekraftwerke sind nicht nur klimaschädlich, sondern auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko."

Baubeginn des Kraftwerks mit zwei steinkohlebefeuerten Blöcken von jeweils 865 MW elektrischer Nennleistung war im Oktober 2007. Mit Inbetriebnahme beider Blöcke - Block 1 in diesem Jahr, Block 2 in 2015 - ist eine erhebliche Zunahme der Schadstoffbelastungen zu erwarten. Insbesondere die Bewohner der  Stadtteile Wilhelmsburg und Harburg werden damit gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. "Der aktuell geltende Tagesdurchschnitt von 30 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Abgas ist viel zu hoch", so die Fraktionsvorsitzende der LINKEN. Würden in Hamburg die amerikanischen Grenzwerte gelten, dürfte das Kraftwerk Moorburg nicht in Betrieb gehen und das Heizkraftwerk Tiefstack müsste nachgerüstet oder sogar abgeschaltet werden.

Längst ist es technisch möglich, die Umweltbelastungen erheblich zu reduzieren. Sogar die nicht gerade für Umweltfreundlichkeit bekannten USA werden ab 2016 die Quecksilber-Grenzwerte für Kohlekraftwerke auf 1,4 Mikrogramm im Monatsmittel per Kubikmeter senken, weil Quecksilber nicht nur das Nervensystem schädigt, sondern auch weitere gesundheitliche Schäden wie u.a. Herz-Kreislauferkrankungen, Nieren- und Leberschäden sowie Schäden am Immunsystem verursachen kann. Bei Einführung der EU-Richtlinie für Industrieemissionen 2012 hat DIE LINKE im Bundestag die hohen Grenzwerte kritisiert. Die Partei fordert eine Absenkung der Quecksilber-Emissionen im Rahmen einer Ertüchtigung der Abluftreinigungsverfahren.

Quecksilber ist bei weitem nicht der einzige Schadstoff den das KoKW Moorburg emittiert. Nach Angaben des Umweltverbandes BUND sind bei Volllast zusätzlich zum Quecksilber noch bis zu 3,2 Tonnen Blei, eine Tonne Arsen, 0,6 Tonnen Cadmium und 0,6 Tonnen Nickel sowie je 7850 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxide sowie 785 Tonnen Feinstaub pro Jahr zu erwarten. Das sind die Emissionen eines sogenannten modernen Kohlekraftwerkes, bei älteren liegen diese eher noch höher.

Laut Wikipedia liegt der Steinkohleverbrauch bei Volllast bei ca. 12.000 Tonnen pro Tag, was zu einem CO2-Ausstoß von 8,5 Millionen Tonnen jährlich führt. Damit hat das Kraftwerk auch einen bedeutenden Anteil an den gesamten Hamburger CO2-Emissionen.

Es war wirklich eine der größten politischen Fehlentscheidungen es noch zu errichten, wo bereits absehbar war welche Folgen Kohlekraftwerke für Gesundheit und Weltklima haben. Verantwortlich hierfür waren auch grüne Senatoren die in einem CDU/Grüne-Senat die Genehmigung für den Bau erteilten.

Siehe auch: Atom und Kohle - die Höllenfeuer gemeinsam bekämpfen