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#Klimaschutz #Waldschutz #Waldsterben

... auch im Sinne des Klimaschutzes

Bundesministerin Julia Klöckner, Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft und Dr. Nicole Wellbrock, Leiterin Arbeitsbereich Bodenschutz und Waldzustand am beratenden Thünen-Institut, stellten gestern in der Bundespressekonferenz den Waldzustandsbericht 2020 vor. Dazu ein Kommentar unseres Redakteurs Marcel Rolf Hoffmann aus Klima- und Waldschutzsicht.


Marcel
Marcel Rolf Hoffmann


Ministerin wie Expertin wiederholen die strittige Meinung, dass alte, unbewirtschaftete Waldbestände im Vergleich zum Wirtschaftswald keine nennenswerte Kohlenstoffspeicherung und somit Klimaschutzfunktion leisten. Dies ist eine widerlegte, weil zu kurz gefasste, Argumentation der Forstwirtschaft, die den Kohlenstoffkreislauf in der Gesamtheit seiner Betrachtung in Nutzen und Zeitspanne und im Vergleich zwischen Waldwildnis und Wirtschaftswald unzureichend beschreibt und Vorteile der Waldwildnis und alten Waldbeständen zum Klimaschutz unterminiert.

In der Gesamtbetrachtung wird nach Studienlage deutlich, dass alte nicht bewirtschaftete Wälder und Waldwildnis, durch ihre voll auszuschöpfenden Ökosystemleistungen, eine deutlich höhere CO2-Speicherung vorweisen, als die CO2-Bilanz des Wirtschaftswaldes und der Holznutzung (Nutzungskreislauf bis einschließlich Verbrennung; Energieholz; kurzer Nutzungszeitraum von Möbel- und Werkstoffprodukten). Alter Wald leistet für den Bodenschutz, als Kohlenstoffspeicher, als Wasserspeicher durch seine Schwammwirkung, mehr als junge Forste. Er bietet, auf die Erderwärmung bezogen, größeren Schutz vor Trockenstress, Erhitzung und CO2-Ausgasung. Durch Totholzanreicherung ist er ein besserer Kohlenstoff- und Wasserspeicher und er bildet mehr Humus.

Klimaschutz und Risikobewertungen, zum Beispiel im Vergleich zur Atomkraft, dürfen hier nicht zum Anlass genommen werden, um Energieholznutzung als bessere Alternative zu proklamieren. Eine nicht funktionierende Energie- und Wärmewende, darf nicht den Druck auf das Ökosystem Wald als Energielieferant verstärken.

Im Übrigen hat das Thünen-Institut selbst, nach scharfer Kritik an der Studie von Schulze et.Al 2020a, die ca. 2,5-mal höhere Kohlenstoffspeicherung durch Waldwildnis, beziehungsweise Altbestand, im Nachgang bestätigt 1). Vollkommen unverständlich, warum erneut öffentlich hier das Gegenteil behauptet wird.


1) Reaktion auf die Stellungnahme des Thünen-Instituts für Waldökosysteme

 

Bundespressekonferenz zum Waldzustandsbericht 2020

Marcel Rolf Hoffmann