Bei den Begriffen rund um den Klimaschutz gibt es viele Missverständnisse

Nach Meinung von Professor Mario Schmidt vergreifen sich selbst viele Klimaschützer bei der Wortwahl:

„Klimaneutralität bedeutet, dass von menschlichen Aktivitäten keine Auswirkungen mehr auf das Klima ausgehen. So hat es der Weltklimarat definiert. In der öffentlichen Diskussion wird dagegen immer Treibhausgasneutralität gemeint, was etwas anderes ist.“

Das sei keine Haarspalterei, denn selbst wenn man alle Treibhausgasemissionen in Deutschland vermieden hätte, so wären die Auswirkungen auf das Klima immer noch beträchtlich.

„Wir schätzen, dass 50 bis 100 % der heutigen Treibhausgasemissionen, die auf dem Gebiet der Bundesrepublik freigesetzt werden, nochmal im Ausland durch den Import von Gütern hinzukommt“, sagt Schmidt.

Wollte man auch hier Klimaneutralität erreichen, so müssten quasi die Importe verboten werden. Schmidt findet in diesem Zusammenhang die Fixierung auf rein territoriale Klimaschutzziele für nicht ausreichend:

„Wir müssen uns auch um die Materialien und Güter Gedanken machen, die wir importieren und bei uns verbrauchen. Woher kommen sie und können wir damit anders umgehen?“

Besonders Unternehmen interessieren sich derzeit für die versteckten Emissionen ihrer Lieferkette, dann aber weltweit. Das sei ein ermutigender Trend, der aber auch von staatlicher Seite flankiert werden müsste.

 

Professor Mario Schmidt ist Leiter des Instituts für Industrial Ecology (INEC) an der Hochschule Pforzheim und Mitglied in diversen Normierungs- und Richtliniengremien von VDI, DIN und ISO. Bei der ISO ist derzeit eine Norm zu „Carbon Neutrality“ in Arbeit.

Hochschule Pforzheim