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#Hunger #Klimakrise #Dürre

Hilfsorganisationen sind vor Ort aktiv +++ Regierungen müssen Klimakrise bekämpfen, um Menschenleben zu retten

Dem Süden Madagaskars steht eine große Hungersnot bevor. Tausende Menschen hungern bereits. Die globale Klimakrise hat die Situation noch verschärft - das Land erlebt derzeit eine der schlimmsten Dürreperioden seiner Geschichte. Amnesty International macht in einem soeben erschienenen Bericht auf die Gefahrenlage aufmerksam. Die Menschenrechtsorganisation fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Klimakrise konsequent zu bekämpfen, um die Rechte derjenigen zu schützen, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind.

Map of Madagascar
(Grafik: Public Domain)

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO sind 95 Prozent der von akuter Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen im Süden Madagaskars auf Ackerbau, Viehzucht und Fischfang angewiesen. Da es in den Regenzeiten der vergangenen Jahre außergewöhnlich wenig geregnet hatte, kam es zu einem starken Rückgang der Produktion von Grundnahrungsmitteln, einschließlich Reis und Maniok. Außerdem gingen die Viehbestände zurück und der Zustand der verbliebenen Tiere verschlechterte sich. Nach Angaben der Welthungerhilfe handelt es ich um die verheerendste Dürre seit 40 Jahren.

Zu Todesfällen im Zusammenhang mit der Dürre, die im November 2020 begann, gibt es keine offiziellen Statistiken. Amnesty International hat jedoch mit vielen Menschen aus dem Süden Madagaskars gesprochen, die über Todesopfer aufgrund von Hunger berichteten. Diese Schicksale sind im heute erscheinenden Bericht „It will be too late to help us once we are dead“ dokumentiert.

Laut den Vereinten Nationen steht Madagaskar kurz vor der weltweit ersten klimabedingten Hungersnot. Wie die Welthungerhilfe auf ihrer Webseite berichtet, sind bereits 70 000 Kinder unterernährt.

Annelen Micus, Klima-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, sagt: „Madagaskar befindet sich mitten in der Klimakrise. Diese katastrophale Dürre betrifft eine Million Menschen und verletzt ihre Rechte auf Leben, Nahrung und Wasser.“

Amnesty International fordert alle führenden Politikerinnen und Politiker weltweit auf, konkrete Maßnahmen zu treffen, um gemeinsam die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 45 Prozent gegenüber 2010 zu reduzieren und sie bis spätestens 2050 auf null zu senken.

"Als Land, das sich historisch durch die Produktion und Verbrennung fossiler Energien Wohlstand aufgebaut hat, trifft Deutschland hier eine besondere Verantwortung"

Dazu nochmal O-Ton Annalen Micus: „Bei dem Klimagipfel in Glasgow muss die Klimakrise entschieden bekämpft und die internationale Klimafinanzierung endlich angemessen ausgebaut werden. Als Land, das sich historisch durch die Produktion und Verbrennung fossiler Energien Wohlstand aufgebaut hat, trifft Deutschland hier eine besondere Verantwortung. Es muss Länder wie Madagaskar bei der Anpassung an Klimafolgeschäden stärker unterstützen. Die Bundesregierung muss dringend weiterhin humanitäre Hilfe leisten.“

Zur COP26-Klimakonferenz ruft Amnesty International deshalb alle Länder dazu auf,

Bezüglich der aktuellen Hunger-Gefahr arbeitet das Welternährungsprogramm der UNO mit Hochdruck daran, in dem abgelegenen Inselstaat Nahrung für über eine Million Menschen bereitzustellen, so ein Bericht auf tagesschau.de.

 

Der vollständige Bericht von Amnesty International, in englischer Sprache, kann hier heruntergeladen werden.

Amnesty International