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Tag Zwei der Konferenz beschäftigte sich mit der Umweltsituation der Ozeane und ganz besonders mit der Situation der Fischerei. Prof. Niekisch, vom deutschen Sachverständigenrat für Umweltfragen, brachte das Thema auf den Punkt: "Wir nennen ihn Planet ERDE aber er besteht vorwiegend aus Wasser." Die meiste Biomasse befände sich in der Nähe der Küsten. Das Meer hätte verschiedene Eigenschaften: Es sei Ökosphäre, CO2-Speicher, Müllkippe oder auch Nahrungsquelle. Was aufgrund der unbegrenzten Fischerei passiere zeige auch das Beispiel Somalia. Nachdem die regionalen Meere von den Fischereiflotten der Industrieländer leergefischt wurden leben viele Menschen dort vom Kidnapping von Handelsschiffen. Das Problem der Überfischung bestehe heutzutage fast in allen Regionen der Ozeane, vom Südpolarmeer bis zum Nordmeer. Um einen Shrimp zu fangen müssen 15 andere mitgefischte Arten (Beifang) zurück in Meer geschüttet werden. Biodiversität und das Klima seien die Basis der sozialen, kulturellen und ökologischen Nachhaltigkeit der Meere. Die Aussagen der anderen Referenten zu dem Thema waren ähnlich. Eine Kontroverse entstand über die Rolle Aquakulturen, die in der Nähe der Küsten, in den Meeren geschaffen wurden, da diese bis zu 20 mal so viel Fisch, der zum menschlichen Verzehr geeignet ist, zur Aufzucht von Fisch aus diesen Aquakulturen verbrauchen würden. Allessandor Lovatelli, von der Welternährungsorganisation FAO, wendete ein, dass gefangener Fisch nicht nur dem menschliche Konsum dienten, sondern auch der Fütterung von Nutztieren. (Hier wird abermals der auch klimapolitisch enorm wichtige Aspekt der Nutztierhaltung Gegenstand einer kritischen Betrachtung, weil er zur Reduzierung der Fischbestände beiträgt.) Prof. Bermudez Soto, Anwalt aus Chile erläuterte weitere Probleme der Agrarkultur:

  • Exkremente der Fische aus den Pferchen, die zu Boden sinken
  • Verwendung von Arzneien und andere Chemikalien, z.B. Antibiotika, was zu Resistenzen führt.
  • Verwendung von Herbiziden um das Algenwachstum zu verhindern
  • Abschuss von Seevögeln die Fische aus den Kulturen jagen
  • Einsatz von genetisch modifiziertem Lachs - dessen Verwendung ist jedoch in einigen Ländern, wie in Chile, verboten
  • Kommunale Betroffenheit der Menschen, z.B. bezüglich indigener Fischerei, die durch die Fischfarmen behindert werden.

(Foto: Udo Schuldt)

Fazit - des Autors dieses Textes - des zweiten Tages: Fischerei als Teilaspekt der Mensch-Ozean-Problematik bedarf ebenfalls weiterer rechtlicher internationaler Regelungen. Wichtige Themen wie die Vermüllung der Meere, z.B. mit Plastik, wurden nur gestreift, ebenso war die Versauerung der Ozeane, aufgrund der CO2-Anreicherung, kein Gegenstand der Plenums-Vorträge und Diskussionen. Diese Themen sollten bei zukünftigen Konferenzen unbedingt aufgegriffen werden.

Alles in allem, auch bezüglich des Klimawandels, machte die Konferenz deutlich, dass das internationale Recht in sehr vielen Bereichen dringend zu verbessern ist. Gut, dass Juristen, wie mit dieser Konferenz gezeigt, sich als Teil der Lösung anbieten und dass diesen die Probleme bewusst sind. Erfreulich auch, dass so viele anerkannte Experten bereit waren hier einen Vortrag zu halten. Schaut man sich jedoch die Lebensstile vieler Juristen an, die überwiegend enorm konsumorientiert erscheinen, dann liegt die Auffassung, dass Juristen hier mit beispielgebenden Lebensstilen die falsche Richtung vorleben nicht allzu fern. Die Teilnehmer der Konferenz, sind von dieser Kritik natürlich ausgenommen, waren sie doch immerhin bereit sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Die vielen freien Plätze zeigen jedoch, dass das Interesse innerhalb der Juristenschaft bisher insgesamt eher gering ist. Das ist Schade. Dennoch waren die Veranstalter mit der Teilnehmerzahl zufrieden, die wohl für juristische Konferenzen durchaus üblich ist. Empfehlenswert ist die HIELC allemal, hoffentlich findet sie weiterhin und mit (noch) mehr Publikum statt.

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Artikelhistorie
15.09.2015: Korrektur einiger Rechtschreibfehler, keine inhaltlichen Veränderungen.