Eine offenbar von der NASA finanzierte Untersuchung sorgte auf unserer Facebook-Seite für großes Interesse. Die Autoren dieser Studie rechneten mit Hilfe von Computern verschiedene Szenarien durch, in denen Faktoren wie Klimawandel, Ressourcenverbrauch und Bevölkerungswachstum betrachtet wurden. Bereits ohne auf einen Super-Computer zurückgreifen zu können ist eigentlich fast jedem klar, dass mehr Menschen auch mehr Rohstoff- und Flächenverbrauch verursachen. Jedenfalls kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass technischer Fortschritt die Zivilisation nicht retten wird. Problematischer als das Bevölkerungswachstum ist jedoch das Wachstum des Güterverbrauchs, meint der Autor dieses Artikels.


Menschenskinder - was habt ihr für eine Zukunft? (Foto: Udo Schuldt)

Auf unserer Facebook-Seite wurde kritisiert, dass die Studie gar nicht von der NASA erstellt wurde und dass die Informationen in dieser Hinsicht falsch wären. Sind sie wohl auch. Auf der NASA-Seite des Goddard Space Flight Centers distanziert sich die Organisation von der Studie in dem Sinne, dass die Aussagen alleine in der Verantwortung der Autoren ständen. In der Arbeit selbst findet sich der Satz "This work was partially funded through NASA/GSFC grant NNX12AD03A." Auf deutsch: Diese Arbeit wurde teilweise durch den Zuschuss NNX12AD03A des NASA/GSFC finanziert.

Aber unabhängig davon ob das nun eine Untersuchung der NASA war oder nur Gelder der NASA dafür aufgewendet wurden, die beschriebenen Ergebnisse sind nicht absurd. 1972 wurde bereits in der Studie "Die Grenzen des Wachstums" auf die Problematik hingewiesen. Die damals getroffenen Vorhersagen zur Weltbevölkerung kann man nun vergleichen. Sie sind recht gut gewesen. Im Jahr 2000 war die Weltbevölkerung ziemlich genau so groß wie in "Grenzen des Wachstums" vorhergesagt. Sie betrug 6 Milliarden Menschen. Auch in der damaligen Studie, die ebenfalls auf Computerberechnungen beruhte, kamen die Autoren zu ähnlichen Ergebnissen, wie nun die Wissenschaftler der Universitäten Maryland und Minnesota. Technologie wird uns nicht retten können. Einzig erfolgversprechend ist eine Beschränkung des Konsums und des Bevölkerungswachstums, aber vor allem des Konsums, denn das Weltbevölkerungswachstum hat sich bereit abgeflacht. Außerdem sind die technischen Maßnahmen zur Einschränkung der Umweltvergiftung und zur Verbesserung der Effizienz ebenfalls nötig.

Warum ist der Konsum so problematisch? Ein Auto, zum Beispiel, richtet viel größere Umweltzerstörungen an, wie dieses Kind auf dem Foto, bei der Rohstoffbeschaffung, bei der Herstellung, im Gebrauch und nach der Verschrottung. Aber während die Weltbevölkerung von 2008 auf 2009 nur um etwa 1,1% zunahm, stieg die Anzahl der Autos weltweit mehr als doppelt so schnell, nämlich um 2,5%. (Neuere Zahlen habe ich leider nicht gefunden.) Die meisten Menschen leben immer noch ohne Auto, gerade in der sogenannten "3. Welt". Es gibt wahrscheinlich in Deutschland mehr Autos wie auf dem ganzen afrikanischen Kontinent. Aber sie eifern unserem Vorbild nach. China ist bereits stark motorisiert, Indien folgt. Ohne das im Einzelnen weiter zu untersuchen, wird man ähnliche Zahlen auch für Flugreisen, Handys, Fernseher, Computer und andere Konsumgüter feststellen. Der Konsum ist so groß, dass die Kapazität der Erde, diesen Konsum zu befriedigen, überschritten ist.

Die Unterschiede der Schadwirkungen, der Menschen in den verschiedenen Ländern, machen auch die unterschiedlichen CO2-Emssionen pro Kopf deutlich. So erzeugt ein US-Amerikaner etwa zwanzigmal so viel CO2 wie ein Inder -  jeweils im landesweiten Durchschnitt. Anders ausgedrückt, ein Inder müsste etwa 20 Kinder haben, damit diese im Erwachsenen-Alter genauso viele CO2-Emissionen verursachen wie ein US-"Kind", wenn es erwachsen ist. Noch anders ausgedrückt: Die Erde könnte etwa 30 Milliarden Menschen tragen, wenn diese einen bescheidenen Lebensstandard haben, welcher Grundbedürfnisse, aber keine Luxusbedürfnisse erfüllt, aber nur 1 Milliarde welche leben wie Durchschnitts-US-Bürger. Die Menschheit verändert die Erde in einem nie gekannten Maße. Im Jahr 2010 betrug der Anstieg der CO2-Emissionen 5%, dass ist mehr als die Reduktionverpflichtung aus dem Kyoto-Protokoll für alle Vertragsstaaten. Allein in Deutschland verschwindet pro Tag die Fläche von 170 Fussballfeldern unter Asphalt oder Beton. Weltweit werden jedes Jahr Waldflächen vernichtet, die größer sind als die Staatsflächen von Irland und Belgien zusammen. Gleichzeitig trägt die Zerstörung zur Ausrottung von vielen Tier- und Pflanzenarten bei, deren derzeitige Aussterberate liegt zwischen 3 und 130 Arten pro Tag, schreibt Wikipedia. Am Ende beraubt der Mensch sich auch seiner eigenen Lebensgrundlagen und gefährdet das Überleben von Milliarden Menschen und letztlich sogar das seiner Art. Von daher sind die Aussagen der Wissenschafter der neuen, NASA-finanzierten, Studie nachvollziehbar.

Um ihren Lebensstil aufrecht zu erhalten beansprucht die internationale Konsumentenklasse zusätzliche Flächen in armen Ländern, indem diese für die Agrosprit-Produktion, Baumwolle, Fleischproduktion oder andere Cash-Crops verwendet werden. Das Maß des Ökologischen Fussabdrucks beschreibt auch diese Zerstörung sehr nüchtern und emotionslos: "Unter dem Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z. B. auch zum Abbau des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden." 1) Der ökologische Fussabdruck der Menschheit ist aber um 21% größer als die zur Verfügung stehenden Flächen. D.h. bereits im September wurde die Kapazität der Erde überschritten und seitdem lebt die Menschheit auf Pump. 2) Aber nicht nur global, zwischen Industrie- und sogenannten Entwicklungsländern, sondern auch innerhalb der Großverbraucherländer ist der Anteil am Naturverbrauch sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen die leisten sich wenig Konsum und andere die sehr konsumorientiert sind. Ein Ländervergleich ist deshalb in dieser Hinsicht gar nicht so sinnvoll, weil er nichts darüber aussagt, welche Schichten besonders großen Anteil an der Zerstörung der Natur haben, denn ein Angehöriger der schmalen äthiopischen Konsumentenklasse kann sich ebenso schädlich verhalten wie jemand der in den USA lebt.

1,7 Milliarden Menschen umfasst diese internationale Konsumentenklasse, schreibt das Worldwatch- Institute in einem seiner letzten Berichte. Als Menschen mit einem Jahreseinkommen über 7000 US-Dollar, gehören neben 243 Millionen US-Bürgern, 122 Millionen Japanern und 76 Millionen Deutschen bereits 240 Millionen Chinesen und 122 Millionen Inder zu dieser neuen Art von Gesellschaftsschicht. Dabei handeld es sich bei deren Angehörigen vor allem um gebildete Menschen, d.h. Umweltzerstörung und Erderwärmung werden durchaus wahrgenommen. Das Wuppertal-Institut schreibt im Bericht "Zukunftsfähiges Deutschland": "Nachdem die kollektive Verdrängung vorüber ist, scheint aber nun kollektive Schizophrenie um sich zu greifen. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass eine zweideutige Zeit bevorsteht, ausgerüstet mit Wissen, doch untüchtig zum Handeln." Es sei einerseits die Einsicht auch auf Seiten der Politik und besonders der europäischen Politik gewachsen, andererseits geht aber vieles weiter seinen gewohnten Gang. Steigender Flugverkehr, neue Kohlekraftwerke, Heizpilze vor Restaurants..., aber unter den Heizpilzen würden Biolebensmittel serviert und Billigflieger böten Öko-Ferien an. "Im Überbau sind alle - von Bild ("Wer rettet die Pinguine?") bis zur Kanzlerin - Fürsprecher eines konsequenten Klimaschutzes, im Unterbau der materiellen Verhältnisse jedoch geht die Expansion der Energieansprüche weiter." Die Schizophrenie der Konsumentenklasse besteht auch darin, dass sie über die Bevölkerungszunahme in der "3. Welt" jammert, aber gegenüber dem Wachstum des eigenen Konsums und der Energieansprüche, die ja viel bedeutender für die Umweltzerstörung sind, blind ist.

Das Bevölkerungswachstum stellt aber auch die armen Länder vor gewaltige Probleme. Deshalb ist dieser Text auch kein Plädoyer gegen Familienplanung, denn selbst wenn die meisten in Äthiopien geborenen Kinder nicht annähernd den Anteil an der globalen Umweltzerstörung haben, wie die Angehörigen der internationalen Konsumentenklasse, verursachen die vielen jungen Menschen, in der gesamten "3. Welt", doch lokale Probleme, etwa bei der Bereitstellung von ausreichend Bildungseinrichtungen oder von Erwerbsarbeitsplätzen. Viele schwache Ökonomien sind von der Zahl der jungen Menschen überfordert. Auch die Umwelt leidet - der Bedarf an Brennholz kann beispielsweise dazu führen, dass Bäume und Vegatation in der Umgebung der Siedlungen dafür beseitigt wird. Ein anderes Beispiel ist die Entsorgung von Abfällen und darunter insbesondere der nicht verrottbare Plastikmüll, der sich in der Umgebung armer Wohngebiete und in Flüssen ansammelt.

Sinn dieses Textes ist es aber die Verhältnisse zurechtzurücken. Natürlich muss das Bevölkerungswachstum begrenzt werden, aber vor allen Dingen ist es notwendig den Verbrauch, die Emissionen und den Müll zu reduzieren. Dazu trägt vorrangig die internationale Konsumentenklasse bei. Es ist wohl nicht völlig daneben, wenn diejenigen, welche diesen Text lesen (und schreiben), sich zuerst an die eigene Nase fassen und schauen, was sie ändern können, denn wer über einen Computer verfügt ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch Konsument.

Jeder Mensch hat ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben und kein Kind sollte in einem Slum geboren werden. Die "3.Welt" - auch die "3. Welt" in den sogenannten entwickelten Ländern (in Deutschland z.B. Hartz 4-Empfänger) - hat also das Recht auf einen größeren Anteil am Konsum. Darum muss die internationale Konsumentenklasse in ihrem Verbrauch begrenzt werden, denn das wird wahrscheinlich nicht freiwillig geschehen. Ein Mittel dazu wäre eine neuartige Mehrwertsteuer, aber auch das Verbot und die Einschränkung beim Gebrauch besonders schädlicher Produkte - wie Autos.

Hoffnungsvoll ist die gegenwärtig schnelle Entwicklung der erneuerbaren Energien und die zunehmenden Infragestellung besonders schädlichen Konsumverhaltens, z.B. des Fleischkonsum. Allein im September 2012 wurden nur in Deutschland 1000 Megawatt photovoltaische Nennleistung installiert. Während Vattenfall schon seit acht Jahren am Kohlekraftwerk Moorburg baut, schafft es die Solarenergie in weniger als zwei Monaten die gleiche Nennleistung wie das KoKW (1730 MWel) bereitzustellen. Dabei sind die weltweiten Fertigungskapazitäten der Solarzellenfertigung nur etwa zur Hälfte ausgelastet. Die Branche leidet an enormen Überkapazitäten und könnte folglich noch viel mehr installieren, insbesondere auch deshalb, weil ständig neue Solarfabriken produzieren. Wenn es in Deutschland möglich ist, innerhalb eines Monats 1 Gigawatt Nennleistung an Photovoltaik zu installieren, dann ist es auch in fast allen anderen Ländern möglich. Es sei erneut gesagt: Die Möglichkeit, die erneuerbaren Energien schnell auszubauen, besteht und es ist sogar mehr als wahrscheinlich, dass ein sehr schneller Ausbau Realität wird.

Nun, die Menschheit wird vielleicht aussterben, wenn es zu einem Atomkrieg kommt, was auch eine Folge der immer knapper werdenden Rohstoffe oder des Klimawandels sein könnte. Dennoch, es gibt immer noch Hoffnung, aber die Möglichkeiten schwinden mit weiterem Fortschreiten der Zerstörung der Natur.

1) http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologischer_Fu%C3%9Fabdruck
2)http://www.taz.de/!78867/