Das beherrschende Thema der Ostermärsche ist die Ukraine-Krise. Verständlich, denn die Konfrontation der NATO mit Russland birgt die Gefahr eines Welt- und Atomkrieges. Eine ständig vorhandene Gefahr, die aber in den letzten Jahren geringer wurde und nun wieder zunimmt. Hier muss erneut Entspannung einkehren. Die Friedensbewegung fordert daher in einer gemeinsamen Erklärung die Rücknahme der Sanktionen gegen Russland, den Stopp des Aufbaus des sogenannten NATO-Raketenschirms in Europa, den Stopp sämtlicher Rüstungsexporte, besonders in die Ukraine und nach Russland und die Distanzierung von der mit rechtsradikalen Kräften durchsetzten ukrainischen Übergangsregierung. Das wären notwendige Maßnahmen. Die Medien sollten ebenfalls überlegen, welchen Beitrag sie zur Deeskalation beitragen können. Kriegsursachen müssen jedoch langfristiger bekämpft werden und nicht erst dann, wenn die bewaffneten Konflikte schon stattfinden oder unmittelbar bevor stehen.


(Foto: Udo Schuldt)

Vor der Küste der Krim liegen große Öl- und Gasvorkommen. Sie waren bisher im Besitz der Ukraine. Für Ende 2013 war ein Abkommen, zur Ausbeutung eines Teils dieser Vorkommen, mit einem internationalen Konsortium, angeführt von ExxonMobil, geplant. Klar ist, dass es vielfältige strategische Interessen gibt sich den Zugriff auf diese Rohstoffe zu sichern. Andere Konfliktregionen wie Irak, Syrien oder Venezuela sind ebenfalls Gegenstand strategischer Interessen. Dabei geht es, vor allem um die Ressource Erdöl, deren Verfügbarkeit für die gegenwärtige Wirtschaftsordnung von grundsätzlicher Bedeutung ist. Ohne Öl bräche die Welt-Wirtschaft zusammen. Soziale Sicherheit und Ernährung fast aller Menschen wären bedroht. Dies zeigt, zur Sicherung der Ölversorgung ist die militärische Option verlockend für die Mächtigen, da Öl knapp ist und in den westlichen Industrieländern nicht ausreichend als eigener Rohstoff zur Verfügung steht. Jenseits der Sicherung der Ölversorgung gäbe es aber eine weitere - hypothetische - Option. Nämlich die Möglichkeit sich aus der Abhängigkeit des Öls zu befreien.

Die Konsequenzen aus einer Politik, raus aus dem Öl, verlangen aber umfassende Änderungen des politischen Systems und des Lebensstils der Mehrheit. Es ist nämlich möglich

  • Häuser zu bauen, die mehr Energie erzeugen, als sie für Heizung und Strom verbrauchen
  • Verkehr auf eine Weise zu organisieren, dass wesentlich weniger KFZ benötigt werden
  • und Energie auf der Basis von Wind- und Sonne zu erzeugen.

Diese Veränderung benötigen aber ein wesentlich stärkeres staatliches Eingreifen, als es heute geschieht. Es muss nämlich Vorschriften und Gesetze geben, welche den Verbrauch von Öl, statt ihn beispielsweise über die Pendlerpauschale zu subventionieren, über Verbote sanktionieren oder eben Alternativen finanziell fördern. Solche staatlichen Eingriffe sind aber Anhängern einer möglichst unbeschränkten Marktwirtschaft zuwider und fordern gleichzeitig von den Individuen massive Veränderungen ihres Lebensstils, denn das eigene Auto wäre dann eher die Ausnahme als die Regel.


(Foto: Udo Schuldt)

Verständlich, dass die ohnehin nicht besonders populäre Friedensbewegung sich vor solch unpopulären Forderungen drückt, dennoch wird man letztlich nur mit einer Politik der Vermeidung von Kriegsursachen zum Weltfrieden kommen können. Kriegsursachen sind heute auch die Folgen der Klimaveränderung. So waren es wahrscheinlich maßgeblich die Dürren des Jahres 2010 und der damit verbundene Anstieg der Lebensmittelpreise in 2011, welche zu Unruhen und zu den Bürgerkriegen und Revolutionen in den arabischen Ländern führten. In der neuen US-Serie "Years of Living Dangerously" wird darauf hingewiesen, dass der Bürgerkrieg in Syrien - zumindest zum Teil - durch die seit Jahren andauernde Dürre in der Region mit verursacht wurde. Farmer berichten in dem ersten Film, dass sie die Landwirtschaft aufgeben mussten und sich einer Bürgerkriegspartei anschlossen. Sicher die Forderungen nach Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Sicherheit, die erhoben wurden, sind berechtigt, fraglich ist aber, ob die neuen Herrschaftsstrukturen zu einer Verbesserung führten.

Vermutlich erleben die Menschen nämlich keine Verbesserung ihrer Situation, denn die ökonomische Lage ist maßgebend für die Sicherung der Grundbedürfnisse und die ist mehr als schlecht. Es ist ja nicht zu erwarten, dass sich die Nahrungsmittelpreise nach unten bewegen und eine gute Ernährung für die meisten der Armen ermöglichen, oder für die etwa eine Milliarde Menschen die unter chronischem Hunger leidet. Hinzu kommt, dass Teile der Ernten, anstatt der menschlichen Ernährung zu dienen, zu Agrosprit verarbeitet werden. Ein weiteres Schlaglicht darauf, dass die Ursache Automobilismus für drei Krisen mit verantwortlich ist:

  • Für die Verknappung des Öls und die Bereitschaft der Mächtigen sich den Zugang dazu mit militärischen Mitteln zu sichern
  • für den Welthunger, da der Ersatzbrennstoff Agrosprit die Nahrungsmittelpreise treibt
  • und für den Treibhauseffekt durch die ungeheuren CO2-Emissionen.

Der Treibhauseffekt fördert - wie beschrieben - Dürren, welche die Nahrungsmittelpreise treiben. Ein Teufelskreis, aber einer der sich durchbrechen ließe, wenn statt auf das Auto auf öffentliche Verkehrsmittel, Güterverkehr mit der Bahn, sowie das Fahrrad gesetzt würde.


(Foto: Udo Schuldt)

Natürlich ist dies nur ein Beispiel wie Masseneffekte, im beschriebenen Fall die des Autoverkehrs und des Ölverbrauchs zur Energiegewinnung, kriegsfördernd wirken. Andere Beispiele sind die Ernährungsgewohnheiten der internationalen Konsumentenklasse, die vor allem auf dem Verzehr von Tierprodukten basieren. Tierhaltung trägt aber auch ganz wesentlich zum Treibhauseffekt bei, wie man in einem unserer früheren Texte nachlesen kann.

Waffenproduktion selbst fördert auch den Treibhauseffekt, da die Spritverbräuche der Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe gigantisch sind. Und das Geld, was Waffen und Militärs kosten, wäre viel nutzbringender eingesetzt, wenn man damit stattdessen die Sanierung von Gebäuden, hin zu Plus-Energiehäusern, finanzieren würde.

Damit ist noch lange nicht alles gesagt, aber der Artikel ist ohnehin schon ziemlich lang. Also, liebe Friedensbewegung - zu der ich mich übrigens auch zähle - bezieht bitte die Kriegsursachen stärker in eure Überlegungen ein.


Zum Weiterlesen:

Gemeinsame Erklärung der Friedensbewegung zu den Ostermärschen 2014

Harald Welzer, Klimakriege - Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird
Gwynne Dyer, Schlachtfeld Erde - Klimakriege im 21. Jahrhundert