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Alte Energiewirtschaft sollte sich nach Auffassung der IG Windkraft endlich dem freien Strommarkt stellen

Der Präsident des Lobbyverbandes "Österreichs Energie" Wolfgang Anzengruber lobbyiert in Brüssel gegen den erfolgreichen Ökostromausbau des Alpenlandes indem er eine sogenannte Überförderung der Erneuerbaren beklagt. Das wollen die Interessenvertreter der Windenergie nicht auf sich sitzen lassen:  „Überförderung bei erneuerbaren Energien anzuprangern, aber den Supergau der Übersubventionierung von Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken, die mehr als drei Mal so hoch ist, aus dem Auge zu verlieren ist überaus unglaubwürdig“, sagt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und ergänzt: „Die Industrie ist nicht benachteiligt durch die Energiewende, sondern sie profitiert von den niedrigen Strompreisen und partizipiert am Ausbau der erneuerbaren Energien mit.“

WEA vs. KoKW
WEA vs. KoKW (Foto: © Nordex)

EU Energiekommissar Günther Oettinger hatte letztes Jahr in einem Entwurf die Subventionskosten für Kohle- und Gaskraftwerke auf 26 Mrd. Euro und jene für Atomkraftwerke auf 35 Mrd. Euro geschätzt. Für die Gesundheitsfolgekosten von fossilen Kraftwerken wurden 40 Mrd. Euro erhoben. Die Umwelt- und Versicherungskosten sind da noch gar nicht eingerechnet. Gegen diesen Supergau der Übersubventionierung von Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken von über 100 Mrd. Euro in nur einem Jahr, sieht die Förderungen der Wind- und Sonnenenergie, sowie anderer Ökoenergien, mit 30 Mrd. Euro vergleichsweise bescheiden aus. „Angesichts dieser klaren Benachteiligung der erneuerbaren Energien ist es wirklich verwunderlich, wie Anzengruber als neuer Präsident von Österreichs Energie bei erneuerbaren Energien von Überförderung spricht, die Subventionen bei Kohle- und Gaskraftwerken aber verschweigt“, erklärt Moidl und setzt fort: „Dieses Schlechtmachen des Ausbaus von Ökostrom sind wir von den großen Atomkonzernen und der Kohleindustrie gewohnt. Aber für mich ist erschreckend, dass Anzengruber nichts besseres zu tun hat, als in Brüssel solche Halbwahrheiten zu verbreiten und den erfolgreichen Weg des österreichischen Ökostromausbaus bewusst schlecht zu machen.“

Darüberhinaus wurden in Österreich gerade mit der starken Unterstützung von "Österreichs Energie" neue Förderungen für bestehende und neue Kohle- und Gaskraftwerke beschlossen. Damit werden die fossilen Kraftwerke des Landes in den nächsten Jahren mit einem Geldregen von 200 Mio. Euro bedacht. Des Weiteren hat der augenscheinliche Lobbyist der fossilen Energieversorger behauptet, dass der Strompreis in Europa viel höher wäre, als jener in den USA. Dies sei aber ein Mythos, so die IG Windenergie, denn der Strompreis von Österreich ist gleich hoch wie jener der USA. „Spannend, dass dies Anzengruber nicht weiß, denn im aktuellen Jahresmagazin von Österreichs Energie ist genau dies nachzulesen“, wundert sich Moidl und ergänzt abschließend: „Die Industrie hat durch den Ökostromausbau in Europa und durch den sinkenden Großhandelspreis für Strom sehr stark profitiert. Weiters hat die erneuerbare Branche mittlerweile einen bedeutenden Anteil bei Arbeitsplätzen, Investitionen und im Produktionsbereich und ist somit selbst Industrie.“

Vergleicht man die bezahlten Subventionen in Deutschland für Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke der letzten 40 Jahre mit jenen Förderungen für erneuerbare Energien ist die Bilanz noch deutlicher. Laut einer Studie des "Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft" wurden mit 611 Mrd. Euro Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke 10 Mal mehr gefördert als alle erneuerbaren Energien (67 Mrd. Euro) zusammen. „Die höchsten Förderungen werden also nicht wie Anzengruber fälschlich behauptet bei den erneuerbaren Energien, sondern für Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ausgegeben“, erklärt Moidl.

Einer BUND und Greenpeace-Studie zufolge kostet die EEG-Befreiung der konventionellen Stromerzeugung den Stromkunden rund 2,6 Milliarden Euro. Würde der deutsche Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Bevorzugung konventioneller Kraftwerke beim Eigenstromverbrauch abschaffen, dann könnte die EEG-Umlage für Stromkunden um etwa zwölf Prozent von jetzt 6,24 auf 5,5 Cent pro Kilowattstunde sinken.

Wahrlich, mit Marktwirtschaft hat die Subventionierung der Atom- und Kohleenergie nichts zu tun. Da diese Formen der Stromerzeugung auch schon über hundert Jahre, bzw. bei der Atomenergie über 50 Jahre alt sind kann man auch nicht mehr von Markteinführungshilfen sprechen, wohingegen diese bei den Erneuerbaren durchaus ihre Berechtigung haben.

 

 

IG Windkraft