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Die Desertec Industrial Initiative Dii will ihre Arbeit auf einer veränderten Basis fortsetzen. Zukünftig soll sich das Unternehmen, nach den Wünschen der übriggebliebenen Gesellschafter, in erster Linie auf Dienstleistungen für diese konzentrieren, die im Nahen Osten und Nordafrika zu konkreten Projektaktivitäten und deren Verwirklichung führen.

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Sind die Dii-Pläne nun Schnee von gestern oder nur auf die lange Bank geschoben? (Grafik: Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation; Lizenz: CC-BY-SA-2.5)

Dii sieht ihr bisheriges Wirken, entgegen vieler öffentlicher Nachrufe, durchaus als Erfolg. Geschäftsführer Paul van Son drückt das so aus: „Erneuerbare Energien haben beim Start von Dii vor fünf Jahren im Nahen Osten und Nordafrika kaum eine Rolle gespielt. Das ist heute völlig anders. Rund 70 Projekte sind inzwischen realisiert oder in der Umsetzung. Dii hat in dieser Zeit tatkräftig mit Überzeugungsarbeit, Grundlagenstudien und konkreten Länderstrategien geholfen. Diese Phase ist jetzt abgeschlossen und Dii stellt sich auf veränderte Anforderungen ein.“

Von Marokko bis hin zur Arabischen Halbinsel sei der Ausbau von erneuerbaren Energien spürbar in Gang gekommen und werde langsam zum Treiber einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der Region. Von rund 70 Megawatt im Jahr 2000 habe sich das Projektvolumen bis auf 3 Gigawatt (GW) im Jahr 2014 gesteigert. Für das Jahr 2020 erwartet Dii nach eigenen Berechnungen 35 GW. Für die gesamte Region wurde ein Volumen von 800 GW an gut geeigneten Standorten nahe Verbrauchszentren mit Anbindung an Infrastruktur identifiziert. Diese Erkenntnis hat offenbar auch zu einer Abkehr von der Idee Strom aus Afrika nach Europa zu leiten geführt, denn es sollen ja zukünftig Anlagen für den lokalen Bedarf in Nordafrika und im Nahen Osten gefördert werden.

Unter anderem haben sich die Munich Re Versicherung, die Deutsche Bank, E-on, Siemens und die HSH-Nordbank aus dem Konsortium zurückgezogen. Die beiden letzten Firmen schon länger. Die Zentrale in München soll bis Ende des Jahres geschlossen werden. Als Gesellschafter der neuen Dii bleiben ACWA Power (Saudi-Arabien), RWE (Deutschland) und SGCC (China) übrig.

Das Desertec-Projekt hatte in der Vergangenheit viele Kritiker welche zentralistische Strukturen der Energieerzeugung und das vorrangige Interesse Strom in Afrika für Europa zu erzeugen beanstandeten. So wie es aussieht ist die alte Dii auch gerade an diesem Anspruch gescheitert. Die Geschwindigkeit des dezentralen Ausbaus der Photovoltaik in Europa hat den deutschen Beteiligungsfirmen wohl klar vor Augen geführt, dass der ursprüngliche Ansatz nicht mehr zu dieser Dynamik des innereuropäischen Ausbaus der Erneuerbaren Energien passt.

Desertec Industrial Initiative Dii
Desertec Foundation